14 Diese abscheuliche Frage kann ich nur lateinisch hersetzen: "num semen Daemonis calidum fuerit aut frigidum" – "ob denn der Same des Teufels warm oder kalt gewesen sei?", worauf sie geantwortet, dass sie sich darauf nicht mehr besinnen könne. Uebrigens kommt diese Frage in allen Hexenprocessen vor, und wird unbegreiflicher Weise immer mit "frigidum" beantwortet. 15 Hauptartikel. 16 kommt zum Gänsebraten!
Capitel 24.
Wie der Teufel in meiner Gegenwärtigkeit die alte
Lise Kolken hohlet.
Als ich mich nach meiner obgedachten Unmacht wiederumb verhohlet, stand den Krüger sein Weib über mir mit meiner alten Magd und kelleten mir eine Biersuppen ein. Die alte getreue person schriee laut auf für Freuden, als ich meine Augen wieder aufschlug, und erzählete mir darauf auf meine Erkundigunge, dass mein Töchterlein sich nit hätte recken lassen, besonderen freiwillig ihre Uebeltat bekennet, und sich für eine Hexe ausgegeben. Solche Kundschaft war mir in meinem Jammer fast erquicklich, angesehen ich das Feuer für eine geringere Strafe erachtete, denn die Marter. Aber als ich anheben wollte zu beten, wollt' es nicht gehen, worüber ich abereins in grossen Missmut und Verzweiflung kam, und gläubete, dass der heilige Geist gänzlich sein Angesicht von mir elenden Menschen abgewendet hätte. Und wiewohlen die alte Magd, als sie solches merkete, sich für mein Bette stellte, und anhub mir vorzubeten, war es doch umbsonst, und war und blieb ich ein verstockter Sünder. Doch erbarmete der Herr sich mein ohne mein Verdienst und Würdigkeit, massen ich bald in einen tiefen Schlaf verfiele, und am andern Morgenumb Betglokkenzeit erstlich wieder aufwachete, wo ich auch wieder beten kunnte, und über solche Gnade Gottes annoch in meinem Herzen jubilirete, als mein Ackersknecht Claus Neels zur Türen hereintrat, und verzählete, dass er schon gestern gekommen wäre umb mir Kundschaft zu geben von wegen meinem Hafer, dieweil er nunmehr Allens eingeaustet1, Und wäre auch der Büttel mit ihm kommen, so die alte Lise Kolken eingehohlet, inmassen Ein lobsam Hofgericht, wie der Büttel fürgegeben, solches befohlen. Und wäre das ganze Dorf darüber in Freuden gewest, aber auch Rea hätte gesungen und jubiliret und unterwegs zu ihnen und dem Büttel gesagt, (denn der Büttel hätte sie ein wenig hinten aufhacken lassen) das sölle dem amtshauptmann was Schönes bedeuten. Sie sölle nur für Gericht kommen, dann werde sie wahrhaftig kein Blatt vor ihren Mund nehmen, und männiglich sich verwundern was sie herfürbringen würde. Solch ein Gericht wäre ihr ja was Lächerlichs, und hofirete sie salva venia in die ganze Brüderschaft, et caet.
Als ich solches gehöret, fasste ich wieder eine steife Hoffnung und stunde auf, umb zu der alten Lisen zu gehen. Hatte mich aber noch nicht ganz verkleidet2, als sie selbsten schon den dreusten Büttel schickete, dass ich doch ganz eilends zu ihr kommen und ihr das Nachtmahl geben müge, dieweil sie diese Nacht fast schwach worden. Dachte dabei mein gut teil und folgete dem Büttel in Hast, wiewohl nicht, umb ihr das Nachtmahl zu geben wie männiglich vor sich selbsten abnehmen kann. Dabei vergass ich alter schwacher Mann aber, mir Zeugen mitzunehmen. Denn aller Jammer, so ich zeitero gelitten, hatte mir meine Sinne also umbschattet, dass mir solches gar nicht in die Gedanken kam. Nur der dreuste Büttel folgete mir und wird man weiters hören, wie dieser Bube dem Satan Leib und Seele übergeben, umb mein Kind zu opfern, da er sie doch hätte retten mügen. Denn als er die Gefängnüss aufgeschlossen (es war dasselbe Loch wo mein Töchterlein zeitero gesessen) sahen wir die alte Lise auf der Erden liegen in eim Bund Stroh und einen Besen zum Kopfküssen (als wöllte sie jetzunder damit zur Höllen fahren, da sie nit mehr darauf zum Blocksberg fahren kunnte) so dass ich mich schudderte als ich ihr ansichtig wurde.
Und war ich kaum eingetreten als sie ängstlich schriee: "ick bin ene Hex, ick bin ene Hex, erbarm he sich un geb he mi fix3 dat Nachtmal, ick will Em uck Allens bekennen!" Und als ich ihr zurief: so bekenne! sprach sie: dass sie selbsten allen Zauber mit dem amtshauptmann im Dorf angerichtet, und mein Kindlein so unschuldig daran wäre, als die Sonne am Himmel. Doch hätte der amtshauptmann mehr schuld, angesehen er ein Hexenpriester wäre, und einen weit stärkeren Geist denn sie hätte, welcher Dudaim4 hiesse, und sie die Nacht in das Genicke gestossen, also dass sie es nimmer hohlen würde. Selbiger Geist hätte das Ackerstück umgepflüget, den Birnstein verschüttet, das Wetter gemachet, meinem Töchterlein die Pogge auf ihren Schooss geworfen item ihren alten Ehekerl durch die Luft von dannen geführt.
Und als ich fragete, wie solches müglich gewesen, da ihr Kerl doch bis fast nahe an sein Ende ein Kind Gottes gewest, und gerne hätte beten mögen, wiewohl ich mich gewundert, dass er plötzlichen in seiner letzten Krankheit andere Gedanken gekriegt, gab sie zur Antwort, dass derselbige eines Tages ihren Geist gesehen, so sie in Gestalt einer schwarzen Katzen in ihrem Koffer gehabt und Stoffer hiesse und dieweil er gedrohet, solches mir zu verzählen, wäre ihr bange worden, und hätte sie ihn durch ihren Geist also krank machen lassen, dass er an seiner Aufkunft verzaget wäre. nunmehr hätte sie ihn vertröstet, dass sie ihn alsobald wieder heilen wölle, wenn er Gotte absagete, der ihn doch nit helfen könnte wie er wohl einsäh. Solches