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dein harret.

Als er soviel mit Hohnlachen gesprochen, überkam mich ein so grosser Jachzorn, dass ich aus der Ecken herfürsprang, wo ich mein zitternd Gebein an einer alten Tonnen gestützet, und schriee: "o du höllischer Hund sprichstu das aus dir selbsten, oder haben es dich Andere geheissen", wofür der Kerl aber mir einen Stoss auf die Brust gab, dass ich an die Wand zurücke fiel, und Dn. Consul im grossen Zorn rief: Alter Narre, da Er ja durchaus allhier verbleiben will; so lasse Er mir den Büttel in Frieden, wo nicht, so lasse ich Ihn alsogleich aus der kammer bringen. Was der Büttel gesagt, ist seine Schuldigkeit, und wird es Seiner Tochter also ergehen, wenn sie nicht bekennet, und zu vermuten steht, dass der höllische Feind ihr was gegen die Pein gebrauchet9. Hierauf fuhr der höllische Hund wieder zu meim armen Töchterlein fort, ohne mein weiters zu achten, als dass er mir in das Angesicht lachete "sieh! wenn dir nunmehr deine Wolle genommen ist, ho ho ho, ziehe ich dich durch diese zwo Ringe unten an der Erden und oben am Boden in die Höhe, recke dir die arme aus und binde sie oben an die Decken, worauf ich diese beiden Fakkeln nehme und solche dir unter den Achseln halte, dass deine Haut gleich wird als die Schwarte von einem Schinken, so im Rauch gehänget. Alsdann soll dir dein höllischer Buhler nit mehr beistehen und du sollt die Wahrheit schon bekennen. nunmehr hast du Allens gesehen und gehöret, was ich mit dir im Namen Gottes und der Oberkeit fürnehme.

Jetzunder trat wiederumb Dn. Consul für und vermahnete sie nochmals die Wahrheit zu bekennen. Als sie aber bei ihrer Sag verharrete, übergab er sie denen beiden Weibern so den Kessel gebracht, dass sie sie nackend ausziehen sollten, wie sie von Mutterleib kommen, und ihr darauf das schwarze Marterhemd anziehen, nachgehends aber noch einmalund zwar baarfuss, die Treppe hinaufleiten vor Ein ehrsam Gericht. Aber da die eine von diesen Weibsbildern des Amtshaubtmanns seine Ausgebersche war (die andere war den dreusten Büttel seine Frau) sagte mein Töchterlein, dass sie sich nur wölle von ehrsamen Weibern angreifen lassen, nicht aber von der Ausgeberschen und müge Dn. Consul ihre Magd rufen lassen, so wohl annoch in ihrem Gefängnüss sässe und in der Bibel läse, wenn er sonsten kein ehrsam Weibsbild in der Nähe wüsste. Hierauf erhub die Ausgebersche ein gross Maul und ein gewaltig Schimpfen, was ihr aber Dn. Consul verbott, und meinem Töchterlein zur Antwort gab: dass er auch dieses ihr nachsehen wölle und müge nur den dreusten Büttel seine Frau die Magd aus dem Gefängnüss anhero rufen. Nachdem er solches gesagt griff er mich unter meinen Arm und flehete mich also lange mit ihm gegen Oben zu kommen, dieweil meinem Töchterlein annoch kein Leides geschehen würde, bis ich seinen Willen tate.

Währete aber nit lange, so kam sie selbsten baarfuss und in dem schwarzen Marterhemde mit den beiden Weisbildern heraufgestiegen, doch also blass, dass ich sie kaum selbsten kennen kunnte. Der abscheuliche Büttel aber so dicht hinter ihr ging, griff sie an die Hand, und stellte sie vor Ein ehrsam Gericht.

Nachdem solches geschehen, ging das Vermahnen wieder los und sagte Dn. Consul: sie sölle einmal niedersehen auf die braunen Flecken, so in dem Hemde wären. Dieses wäre auch noch das Blut der alten Biehlkschen, und müge sie bedenken, dass umb wenig Minuten ihr eigen Blut auch daraus herfürsprützen würde. Hierauf gab sie aber zur Antwort: dieses bedenke ich gar wohl, doch hoffe ich, dass mein treuer Heiland, der mir unschuldig diese Pein hat auferleget, selbige mir auch wird tragen helfen, wie den heiligen Märtyrern. Denn haben diese mit Gottes hülfe die Pein im rechten Glauben überwunden, so ihnen die blinden Heiden antaten, kann ich auch die Pein überwinden, welche mir blinde Heiden antun, so zwar Christen sein wöllen, aber grausamer seind, denn die alten. Denn die alten Heiden haben die heiligen Jungfrauen doch nur von denen grimmigen Bestien zureissen lassen, ihr aber, welche ihr das neue Gebot habet: dass ihr euch untereinander lieben sollt, wie Euer Heiland euch geliebet hat, damit Jedermann daran erkenne, dass ihr seine Jünger seid, Johannes am dreizehnten, ihr wollet selbsten diese grimmigen Bestien spielen und den Leib einer unschuldigen Jungfrauen, so eure Schwester ist, und euch nie was Leides getan lebendig zureissen. So tut denn, was euch geliebet, doch sorget, wie ihr es für eurem höchsten Richter verantworten wöllet. Ich sage nochmals: das Lämmlein erschröcket nicht, denn es stehet in der Hand des guten Hirten.

Als mein unvergleichlich Kind also geredet, stunde Dn. Consul auf, und nahm seine schwarze Kappen ab, so er immer trug, dieweile ihm die Haare auf dem Scheitel schon ausgefallen, verneigte sich auch vor dem Gericht und sprach: Eim ehrsamen Gericht wird angezeiget, dass nunmehr die Urgicht und peinliche Frag der verstockten und gotteslästerlichen Hexen Maria Schweidler anheben soll, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.

Hierauf stunde das ganze Gericht auf bis auf den amtshauptmann, so schon vorher aufgestanden, und unruhig in der Stuben auf- und abgegangen war. Doch weiss ich von Allem, was nunmehr erfolget und ich selbsten getan hab, kein Wörtlein mehr, will es aber getreulich berichten, wie es mir mein Töchterlein und andere