1843_Meinhold_140_51.txt

8: Aus dem mund der jungen Kinder und Säuglinge hastu dir eine Macht zugerichtet, und hätte der Heiland selbsten Matt. 21 auf das Gezeugniss derer Kinder sich berufen. 3) daher möchte die alte Lise auch wohl die Ackerstücke item die Obstbäume bezaubert haben, anerwogen nicht anzunehmen stünde, dass Rea so sich bishero als eine artige Tochter bezeuget, ihrem eigenen Vater sölle das Korn behexet, oder ihm Raupen gemacht haben. Denn Niemand sage die Schriftkönne zwei Herrn dienen. 4) item möchte sie auch wohl der Grünspecht gewesen sein, so Reae wie dem alten Paasschen im Strekkelberg begegnet wäre, und selbsten ihren Ehekerl aus Furcht vor dem Priester dem bösen Feind übergeben haben, anerwogen wie Spitzel de expugnatione Orci beibrächte, item der malleus maleficarum5 ausser Zweifel setzete, die leidigen Kinder des Satans sich oftermalen in allerlei Tiere verkehreten, nicht minder als es der garstige Unhold selbsten schon im Paradiese getan, da er unsere ersten älteren unter der Gestalt einer Schlangen verführet. Genes am 3ten. 5) Hätte die alte Lise auch wohl das böse Wetter gemacht, als Dn. Consul mit Rea vom Streckelberg gekommen, alldieweil es unmüglich wäre, dass dieses Rea gewest, indem sie auf dem Wagen gesessen und die Hexen, wenn sie Wetter macheten, immer im wasser stünden, und sich solches rücklings über den abklopfeten, wie Haunold fürbringe. Selbige möge denn auch wohl am besten um die Pogge und den Schweinsigel wissen. 6) Würde Reae irrtümlich als ein crimen ausgeleget, was doch zu ihrer Rechtfertigung deihen müsste, nämlich ihr plötzlicher Reichtumb. Denn der malleus maleficarum besage ausdrücklich, dass nie eine Hexe nicht reich würde, besonderen Satanas zur Unehre Gottes sie immer umb ein Spottgeld kaufe, damit sie nit durch solchen Reichtumb sich verrieten6, dieweil nun aber Rea reich worden wäre, könne sie ihr Gut nicht durch den leidigen Erzfeind gewonnen haben, besonderen es wäre wahr, dass sie Birnstein im Berg gefunden. Dass solche Ader aber nachmalen nit zu finden gewest, möge auch wohl durch den Zauber der alten Lisen beschehen sein, oder die Sehe hätte auch den Berg unten abgespühlet, wie oftermalen geschähe, also dass er oben nachgeschossen, und die Stätte verschüttet wäre; so dass hierbei nur ein miraculum naturale7 sich ereugnet. Den Beweis so er aus der Schrift beibrachte haben wir vergessen, da er auch nur gadlich8 war. 7) Ihre Umtaufe anlangend; so hätte die alte Vettel selbsten gesagt, dass sie weder den Teufel noch irgend einen Geist oder Menschen umb Ream gesehen, und möge sie sich daher immer natürlich gebadet haben, umb des andern Tages den schwedischen König zu begrüssen, angesehen es heisses Wetter gewesen und solches nicht geradezu die Schaamhaftigkeit einer Jungfer turbire.

Denn dass sie Einer sehen würde, hätte sie wohl so wenig vermutet, als die Batseba die Tochter Eliams das Weib Uriae des Hetiters, so sich auch gebadet, wie 2 Sam. 11,2 geschrieben stünd, ohne zu wissen, dass David ihrer ansichtig worden. Auch könne ihr Maal kein Satansmaal sein, dieweil ein Gefühl darinnen vorhanden gewest; ergo wäre es ein natürlich Maal, und erlogen, dass sie es vor ihrem Bade noch nicht gehabt. Ueberdiess wär in diesem Punkt der alten Vettel gar nit zu trauen, da sie dabei von einer Wiedersprechung in die andere geraten, wie Acta besagten. 8) Auch die Zauberei mit Paasschen seim klein Töchterlein müge Reae nit mit Recht zugemutet werden. Denn da die alte Lise auch in der Stuben aus und eingegangen, ja sich auf das Bäucheken des kleinen Mägdleins gesetzet, als Pastor sie besuchet, möge dieses böse Weib, so einmalen einen grossen Groll auf Ream trügesolches Zauberwerk mit der Macht des bösen Feindes und unter Zulassung des gerechten Gottes auch wohl fürgenommen haben. Denn der Satanas sei ein Lügner und ein Vater der Lügen wie 9) Anlangend nun den Spök des leidigen Bösewichts, so in Gestalt eines haarigten Riesen auf den Berg erschienen; so wäre dieses freilich das schwerste Gravamen, anerwogen nit bloss die alte Lisesondern auch drei achtbare Zeugen sein ansichtig worden. Allein wer wüsste, ob die alte Lise auch nit diesen Teufelsspök herfürgebracht umb ihren Feind ganz zu verderben. Denn wiewohlen solcher Spök der Junker nit gewest, wie Rea fürgegeben, wäre es gar leichtlich müglich, dass sie dennoch nit gelogen, besonderen den Satanas, der die Gestalt des Junkers angenommen, für selbigen angesehen. Exemplum gäbe die Schrift selbsten. Denn alle Teologi der gesammten protestantischen Kirchen stimmeten darinnen überein, dass der Spök, so die Hexe von Endor dem Könige Saul gewiesen, nicht Samuel selbsten, besonderen der leidige Satanas gewest. Nichts destoweniger hätte Saulus ihn für den Samuel gehalten. Also möge die alte Vettel Reae auch wohl den leidigen Teufel herfürgezaubert haben, ohne dass sie es gemerket, dass es nicht der Junker, sondern Satanas gewest, der nur des Junkers Gestalt angenommen, umb sie zu verführen. Denn da Rea ein schön Weib sei, wäre es nicht zu verwundern, dass der Teufel sich mehr Müh umb sie gäbe, denn umb eine alte trockene Vettel, angesehen er von jehero nach schönen Weibern getrachtet umb sie zu beEndelich brachte er für: dass Rea auch nicht als eine Hexe gezeichnet und weder eine krumme Nase noch rote Gluderaugen hätte. Wohl aber hätte die alte Lise beides, so Teophrastus Paracelsus als ein sicher Merkzeichen der Zauberei angäbe, sprechende: "die natur zeichnet Niemands also, es sei denn ein Missgerät, und seind dies die Hauptzeichen so die