sage nun Einer: das wöllen Christenmenschen sein!)
Fragte nunmehr, als er schwiege (mit wie viel Seufzen jedoch, kann man leichtlich giessen) nach meiner Hütten, wovon sie aber nichts wussten, als dass sie annoch stünde. Ich dankete daher dem Herrn mit einem stillen Seufzerlein und alsobald den alten Seden fragend was sein Weib in der Kirchen gemachet, hätte ich schier vergehen mügen für grossem Schmerz, als ich hörete, dass die Lotterbuben, als sie herausser getreten die beiden Kelche nebst den Patenen in Händen getragen. Fuhr daher die alte Lise fast heftig an, welche nun auch angeschlichen kam durch das Buschwerk, worauf sie aber trotziglich zur Antwort gab: dass das fremde Volk sie gezwungen die Kirche aufzuschliessen, da ihr Kerl ja sich in den Zaum verkrochen, und Niemand Anders nit da gewesen. Selbige wären sogleich für den Altar getreten, und da ein Stein nicht wohl gefuget (was aber eine Erzlüge war) hätten sie alsobald angefangen mit ihren Schwertern zu graben, bis sie auch die Kelche und Patenen gefunden. Könnte auch sein dass ein Anderer ihnen den Fleck verraten. Möchte daher ihr nicht immer die Schuld beilegen, und sie also heftig anschnautzen.
Hierzwischen kamen nun auch die alten Greisen und Weiber mit trefflich vielen Beeren an, item meine alte Magd mit dem Kuhschwanz und den Mähnhaaren, welche verzählete, dass das ganze Haus umbgewühlet, die Fenster zuschlagen, die Bücher und Scripturen auf der Strassen in den Kot getreten und die Türen aus den Hespen gehoben wären. Solliches aber war mir ein geringer Leid, denn die Kelche, daher nur das Volk vermahnete Biegel und Schneere zu machen, umb am nächsten Morgen mit des barmherzigen Gotts Hilfe unser Jagdwerk zu vollenführen.
Klöbete daher selber die Rütlein bis um Mitternacht und da wir eine ansehnliche Zahl gefertiget, liess ich den alten Hinrich Seden den Abendseegen beten, den wir alle knieende anhöreten, worauf ich endiglichen noch ein Gebet tat, und das Volk sodann vermahnete, die Männer apart und die Weiber auch apart sich für die Kälte (Dieweil es schon im monat Septembri war und fast frisch von der Seekante herwehete) in dem Buschwerk zu verkriechen. Ich selbsten stieg aber mit meinem Töchterlein und der Magd in die Höhlen, hatte aber noch nicht lange geschlummert, als ich den alten Seden fast heftig wimmern hörete, weilen ihn die Kolik überfallen, wie er klagte. Stand daher wieder auf und gab ihm mein Lager, und setzte mich wieder zum Feuer, und schneitelte Dohnen, bis ich ein halb Stündchen entschlief und der Morgen anbrach, worauf es besser mit ihm worden war, und ich nun auch alsobald mich aufmachte und das Volk zum Morgenseegen weckte. Diesesmal tät ihn der alte Paassch kunnte aber nit recht hineinkommen, weshalb ich ihm aushelfen musste. hatte' er ihn vergessen oder tats die Angst, das lasse ich ungesagt. Summa. Nachdem wir All recht inniglichen gebetet, schritten wir alsofort zum Werk, keilten die Dohnen in die Bäume und umbhingen sie mit Beeren, unterdessen mein Töchterlein der Kinder hütete, und Brummelbeeren vor sie zum Frühstück suchete. – Nun soll man aber wissen, dass wir quer durch den Busch gegen den Weg nach Uekeritze hin keileten, und da merke nun männiglich wieder die sonderbare Gnadenschickung des barmherzigen Gotts. Denn als ich mit dem Beil in der Hand (es war Seden sein Beil, so er in der Frühe aus dem dorf gehohlet) in bemeldeten Weg trate, nehm ich auf der Erden ein Brod wahr, bei eines Armes Länge, worauf ein Rabe pickete, und welches sonder Zweifel ein kaiserlicher Reuter tages vorher aus seinem Schnappsack verloren, dieweil noch frische Rosstrappen im Sande dabei stunden. Knöpfe mir es also heimlich über den Wanst, so dass Niemand nichtes merkete, obschon bemeldeter Paassch dicht hinter mir schritt, item alle Andern in nicht gar guter Ferne ihm folgeten. Als wir nun so die Dohnen bestellet in grosser Frühe, hatte es schon gegen die liebe Mittagszeit eine so grosse Menge Vögel darinnen, dass Käte Berow welche mir zur Seiten schritt, als ich sie abbande, dieselben in ihrem Schurzfleck fast nit zu lassen musste, und auf dem andern Ende der alte Pagels auch nit viel weniger aus seinem Brustlatz und Rocktaschen herfürlangte. Mein Töchterlein satzte sich also mit den andern Frauensvolk hin, das Gevögel zu rupfen, und da es an Salz gebrach, (denn dessen hatten die Meisten von uns lange nicht mehr gekostet,) vermahnete sie ein Paar Männer, zur Sehe zu steigen, und in einem Grapen, so noch von Staffer Zuter geborgen war, ein wenig gesalzen wasser zu hohlen, was sie auch täten. In solchem wasser tunketen wir nunmehr die Vöglein und brieten sie darauf bei einem grossen Feuer, wobei uns allen schon vom dem süssen Geruch das Maul zu wässern begunnte, da wir so lange keiner speisen nicht gekostet.
Sage daher als alles fertig, und das Volk sich auf der Erden gelagert hat: nun schauet wie der Herr sein Volk Israel in der Wüsten noch immerdar mit frischen Wachteln speiset, sollt er nun ein Uebriges tun, und uns auch ein Stücklein Mannabrod vom Himmel senden, was meinet ihr, würdet ihr dann jemalen müde werden zu gläuben, und nit vielmehr alle Not, Trübsal, Durst und Hunger williglich tragen, so er euch förder nach seinem gnädigen Willen auferlegen söllte? worauf sie alle antworteten und sprachen: ja sicherlich! Ego: Wöllt ihr mir das wahrhaftiglichen versprechen, worauf sie wiederumb sageten: ja