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waren befragete Dn. Consul sie noch, ob sie letzlich das böse Wetter gemacht, item was die Pogge zu bedeuten gehabt, so ihr in den Schooss gefallen item der Schweinsigel, so vor ihm mitten im Wege gelegen, worauf sie zur Antwort gab: dass sie so wenig das Eine getan, als sie umb das Andre wisse, worauf aber Dn. Consul abermals mit dem Kopf schüttelte und sie dann letzlich fragete, ob sie wölle einen Advocaten haben, oder Allens der besten Einsicht des Gerichtes anheimstellen, worauf sie zur Antwort gab: dass sie; in alle Wege einen Advocaten wölle, und schickete ich daher des nächsten Tages meinen Ackersknecht Claus Neels nach Wolgast umb den Syndicus Michelsen zu hohlen, der ein frommer Mann ist und bei dem ich etzliche Male eingekehret bin, wenn ich zur Stadt gefahren, dieweil er mich höflichst invitiret.

Auch muss ich noch notiren, dass meine alte Ilse nunmehr wieder bei mir zog, denn nachdeme die Zeugen fortgangen waren blieb sie annoch allein im Zimmer und trat mutiglich für michbittend, dass ihr müge vergönnt werden, ihren alten Herrn und ihr liebe Jungfer wieder zu pflegen. Denn nunmehr hätte sie ihre arme Seel gerettet und Allens geoffenbaret was sie wüsste. Darum könnte sie es nit länger mit ansehen, dass es ihrer alten herrschaft so traurig ginge, und sie nicht einmal einen Mund voll Essen hätten, angesehen sie in Erfahrung gezogen, dass die alte Seepsche, so die Kost vor mich und mein Kind bis dato bereitet, oftermalen die Grütze hätte anbrennen lassen, item die Fische und andere Kost versalzen. Auch wäre ich vor Alter und Gram ja also schwach, dass ich Beistand haben müsste, und wölle sie mir solchen getreulich leisten auch gerne im Stall schlafen, wo es sein müsste. Lohn verlange sie nicht dafür, und sölle ich sie nur nicht verstossen. Solche Guteit erbarmete mein Töchterlein zu Tränen, und sprach sie zu mir: siehe Vater die guten Menschen kommen schon wieder zu uns, sollten uns die guten Engel denn auf immer verlassen? Ich danke dir alte Lise, ja du sollt mir die Kost bereiten, und sie mir immer bis an die Gefängnisstür tragen, wenn du nit weiter gehen darfst, und letzlich darauf achten, was der Büttel damit fürnimmt, hörstu?

Solches versprach die Magd zu tun, und nahm sie von jetzt an in einem Stall ihre Herberge. Gott lohn es ihr am jüngsten Gerichte, was sie für mich und mein arm Kind getan!

Fussnoten

1 Von der Confrontation der Zeugen. 2 plattdeutsch: für zusammenfahren. 3 ei nichts. 4 Man nahm nämlich an, dass dergleichen Maale bei den Hexen alsdann unzubezweifelnde Zeichen des Teufels wären, wenn sie kein Gefühl hatten, und wurde diese Procedur mit jedem, der Zauberei Verdächtigen, vorgenommen. 5 Man sehe u.a. Delrio disquisit. magicae lib. v. Tit XIV. No. 28.

Capitel 22.

Wie der Syndicus Dn. Michelsen gearriviret und seine Defension für mein arm Töchterlein eingerichtet. Des andern Tages umb drei Uhren Nachmittags kam Dn. Syndicus angekarret und stieg bei mir im Kruge ab. Er hatte einen grossen Sack mit Büchern bei sich, war aber nicht so freundlich, als ich sonsten an ihme gewohnt gewest, besonderen ehrbar und geschweigsam. Und als er mich in mein Zimmer salutiret und gefraget, wie es müglich wäre, dass mein Kind zu solchem Unglück kommen, verzählete ich ihm den ganzen Fürgang, wobei er aber nur mit dem Kopf schüttelte. Auf meine Frag ob er heute noch wölle zu meinem Töchterlein gehen, antwortete er Nein! sondern dass er zuvor erst die Akta studiren wölle. Nachdem er also ein wenig von einer wilden Enten gessen, so meine alte Ilse, vor ihm gebraten, hielt er sich auch nit auf, sondern ging alsofort aufs Schloss, von wannen er erst des andern Nachmittags heimkehrete. Er war aber nicht freundlicher, denn er bei seiner Ankunft gewest, und folgte ich ihm mit Seufzen, als er mich invitirete, nunmehr ihn zu meinem Töchterlein zu geleiten. Als wir mit dem Büttel eintraten, und ich mein arm Kind, so in ihrem Leben niemalen ein Würmlein gekränket zum erstenmal in Ketten vor mir sah, hätte ich aufs neu für Jammer vergehen mögen. Doch sie lächelte und rief Dn. Syndico entgegen: "Ist Er der Engel der mich, wie St. Petrum von meinen Ketten befreien will1?" worauf er mit einem Seufzer zur Antwort gab: "das gebe der allmächtige Gott!" Und da weiter kein Stuhl im Gefängnüss fürhanden (so ein garstig und stinkend Loch war, und worin es so viele Kellerwürmer hatte, als ich in meinem Leben nicht gesehen) als der Stuhl worauf sie an der Wand sass, setzeten Dn. Syndicus und ich uns auf ihr Bette, welches man ihr auf mein Bitten gelassen, und befahl selbiger dem Büttel nunmehr wieder seiner Strassen zu gehen, bis er ihn rufen würde. Hierauf fragete er mein Töchterlein, was sie zu ihrer Entschuldigung herfürbringen wölle, und war sie noch nit weit in ihrer Defension gekommen, als ich an dem Schatten, so sich an der Türen rührete, abnahm dass Jemand vor selbiger stehen musste. Trat also eiligst in die tür welche halb offen stunde, und betraf den dreusten Büttel, welcher hiervor stehen geblieben umb zu horchen. Solches verdross Dn. Syndicum dermassen, dass er seinen Stock ergriff umb ihm das Kehraus zu geben; aber der Erzschalk lief