Wellen macht es dir unmüglich!" Solches verdross den alten Drachen, und wollt' er es besser machen, macht es aber noch ärger, indem er sprach: "du rührtest ja das Maul, wie ich sehen kunnte, und daraus habe ich abgenommen, dass du den Teufel deinen Buhlen angerufen!" Denn mein Töchterlein versetzte alsobald: O du gottlos Weib du sagst ja, du wärst in der Heiden gewest, als du meine Stimm gehöret; wie magstu denn in der Heiden sehen, ob ich unten am wasser das Maul rühre, oder nit? –
Solche Widersprechung verwunderte auch Dn. Consulem und hub er andie alte Vettel zu bedräuen, dass sie doch noch am Ende würde gerecket werden, wenn sie solche Lügen fürbrächte, worauf selbige aber zur Antwort gab: "so sehet denn ob ich lüge!" Als sie nacket ins wasser ginge, hatte sie noch kein Zeichen an ihrem Leib, als sie aber wieder daraus herfürstieg, sah ich, dass sie zwischen den beiden Brüsten ein Zeichen bei eines Wittens Grösse hatte, woraus ich abnahm, dass der Teufel ihr solches geben, obwohl ich ihn nicht umb sie gesehen, noch sonst einen Geist oder Menschenkind, sondern es den Anschein hatte, dass sie ganz allein war.
Hierauf sprang der amtshauptmann von seinem Sessel und rief: dass solchem gleich müsste nachgeforschet werden, worauf Dn. Consul zur Antwort gab: ja, aber nit durch uns, sondern durch ein Paar ehrsame Weiber. Denn er achtete nit, dass mein Töchterlein sagte: solches wäre ein Muttermaal, und hätte sie es von ihrer Jugend aufgehabt. daher musste den Büttel seine Frau kommen, welcher Dn. Consul etwas ins Ohr mürmelte, und als kein Bitten und Weinen helfen wollte, musste mein Töchterlein mitgehen. Doch erhielt sie es, dass die alte Lise Kolken ihr nicht folgen durfte, wie sie es zwar gewollt, sondern unsre Magd, die alte Ilse. So ging ich auch mit in meinem Gram, weilen ich nicht wissen kunnte, was die Weibsbilder mit ihr fürnehmen würden. Sie weinete heftig, als selbige sie auszogen, und hielt sich für Schaam die Hand für die Augen.
Ach Gott, sie war gerade so weiss auf ihrem leib, wie meine Seelige, da sie doch in ihrer Jugend wie ich mich erinnere, fast gelb gewest, und sah ich mit Verwundrung den Fleck zwischen ihren Brüsten, von dem ich vorher auch nie was in Erfahrung gezogen. Aber alsobald schriee sie heftig auf und sprang zurücke, angesehen den Büttel sein Weib, wie Niemand gewahr worden, ihr eine Nähenadel in den Fleck gestossen, also dass das rote Blut ihr über die Brüste lief. Darob erzürnete ich heftig, aber das Weib gab für, dass sie solches auf Geheiss des Richters getan4, wie es auch nicht anders war. Denn als wir wieder in das Gerichtszimmer kamen und der amtshauptmann fragete wie es stünd, bezeugete sie, dass alldorten zwar ein Maal bei eines Guldens Grösse und gelblich anzusehen fürhanden, dass aber Gefühl in selbigem wäre, angesehen Rea laut aufgeschrieen als sie unvermerkt mit einer Nadel hineingestochen. Hierzwischen Sprung aber Dn. Camerarius plötzlich auf und trat für mein Töchterlein ihr die Augenlieder auseinanderschiebend, worauf er zu zittern begunnte, und ausrief: sehet hier, das Zeichen welches nimmer treugt5 worauf das ganze Gericht aufsprung, und ihr das kleine Maalein beschauete so sich unter dem rechten lied wies, was von eim Gerstenkorn gekommen, aber Niemand nit gläuben wollte. besonderen Dn. Consul sprach: Sieh, der Satan hat dich gezeichnet an Leib und Seelen? und du fährest dennoch fort, dem heiligen Geist zu lügen, aber es wird dir nichtes helfen, und machstu dein Urtel nur schwerer. O du schaamlos Weibsbild, willtu der alten Lisen ihr Gezeugniss nit annehmen, willtu es dann auch nicht dieser Leute zeugnis, so dich sämmtlich haben auf dem Berge mit ihr deinen Buhlen, den Teufel, anrufen hören, worauf er dir als ein haarigter Riese erschienen und dich geherzet und geküsset?
Hierauf traten der alte Paassch, Wittahnsche und Zuter hierfür und bezeugeten, dass solches umb Mitternacht geschehen und sie auf solch Bekenntnüss leben und sterben wollten. Die alte Lise hätte sie in der Sambstagsnacht bei 11 Uhren gewecket, ihnen einen Krug Bier fürgesetzet, und sie persuadirt der Priestertochter heimblich nachzugehen umb zu sehen, was sie in dem Berg täte. Und hätten sie zu Anfang nit gewollt, aber umb der Zauberei im Dorf auf den Grund zu kommen, hätten sie sich endlich nach einem andächtigen Gebet willig finden lassen und wären ihr in Gottes Namen gefolget.
Hätten die Hexe auch bald durch das Buschwerk im Mondschein gesehen, wo sie getan, als wenn sie gegraben und laut in einer absonderlichen Sprachen geredet, worauf der grimmige Erzfeind plötzlich erschienen, und ihr umb den Hals gefallen. nunmehr wären sie verstürzet fortgerannt und mit des allmächtigen Gottes hülfe, auf den sie von Anbeginn ihr Vertrauen gesetzet, auch erhalten und beschützet worden vor der Macht des bösen Feindes. Denn wiewohlen er sich nach ihnen umbgesehen, als es im Busch gerustert, hätte er ihnen doch nit schaden mögen.
Endlich wurde es meim armen Töchterlein auch noch als ein Crimen ausgelegt, dass sie unmächtig worden, als man sie von Coserow nacher Pudgla abgeführet und wollte es abereins ihr Niemand gläuben, dass solches vor Verdruss über der alten Lisen ihren Gesang geschehen sei und nicht aus eim bösen Gewissen, wie der Richter fürgab.
Als nunmehr sämmtliche Zeugen verhöret