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worauf er die Botschaft brachte: dass man es nit wisse, inmassen Dn. Consul schon heute gegen Mellentin zu dem alten Nienkerken gefahren, aber noch nicht wieder zurücke wär. Diese Botschaft gab mir wieder einen guten Mut und fragete ich den Burschen: ob er auch kommen wär, umb gegen mein arm Kind zu zeugen? Darauf sagete er: nein, ich weiss Nichtes von ihr denn Gutes, und wollte ich den Kerls wohl was brauchen, aber

Solche Rede verwunderte mich und drang ich fast heftig in ihn mir sein herz zu offenbaren. Aber er hub an zu weinen und sagte letzlich: er wisse nichtes. Ach er wusste nur zu viel und hätte jetzunder mein arm. Kind retten können, so er gewollt. Aber aus Furcht vor der Marter schwieg er stille, wie er nachgehends bekannte. Und will ich hier gleich einrücken, was ihm diesen Morgen geariviret:

Er gehet, umb allein mit seiner Braut zu sein, welche ihm das Geleit geben (sie ist Steffen seine Tochter von Zempin, verstehe aber nicht den Bauern, sondern den lahmen Gicht-Steffen seine) heute in guter Frühzeit von Haus, und gelanget schon gegen 5 Uhren in Pudgla an, wo er aber noch Niemand im Kruge fürfindet, denn die alte Lise Kolken, welche aber auch alsobald auf das Schloss wackelt. Und dieweil seine Braut wieder heimgekehret, wird ihm die Zeit lang und er steiget über den Krügerzaun in den Schlossgarten, wo er hinter eim Buschwerk sich auf den Bauch wirft umb zu schlafen. Währet aber nit lange, so kommt der amtshauptmann mit der alten Lisen an und nachdem sie sich überall umbgeschauet und Niemand befunden, gehen sie in eine Laube dicht vor ihm, worauf sie ein solch Gespräch geführt:

Ille. Jetzunder wären sie beide allein, was sie nun von ihm wölle?

Illa. Sie käme, umb sich das Geld zu hohlen vor die Zauberei, so sie im Dorf angerichtet.

Ille. Was ihm alle diese Zauberei genützet? Mein Töchterlein liesse sich nicht schröcken, sondern würde immer trutziger, und gläube er nicht, dass er sie jemalen zu seinem Willen bekäm.

Illa. Sölle sich nur Zeit lassen, wenn es erst zur Angstbank ginge, würde ihr schon das Brusen2 ankommen.

Ille. Das wäre möglich aber ehe bekäme sie auch kein Geld?

Illa. Was? Ob sie ihm vor sein Vieh auch was brauchen sölle?

Ille. Ja, wenn ihr der podex früre, möge sies tun. Im Uebrigen gläube er, dass sie ihm selbsten schon was gebrauchet, angesehen er eine Brunst zu der Pfaffentochter hätte, wie er vormals nie verspüret

Illa. (lachende) Dasselbige hätt er vor 30 Jahren gesagt, als er sich allererst an sie gemacht.

Ille. Pfui du alte Vettel, hilf mir nicht darauf, sondern siehe nur zu, dass du drei Zeugen bekömmst wie ich dir letzlich gesagt, denn sonsten, sorge ich, rekken sie dir doch noch die alten lahmen Lenden.

Illa. Sie hätte die drei Zeugen und verliesse sich im Uebrigen auf ihn. Denn wenn sie gerecket würde, würde sie Allens offenbaren, was sie wüsste.

Ille. Sie sölle ihr grosses Maul halten und zum Teufel gehen.

Illa. Ja, aber zuerst müsste sie ihr Geld haben.

Ille. Sie kriegte kein Geld nicht ehbevor er mein Töchterlein zu seinem Willen bracht.

Illa. So möge er ihr doch allererst ihr Ferkelken bezahlen, so sie sich selbsten umb nicht in Missgunst zu kommen zu tod gehext.

Ille. Sie könne sich wieder eines aussuchen, wenn seine Schweine trieben und sölle nur sagensie hätt es ihm bezahlt. Hiemit, sagte mein Ackersknecht, wären auch schon die Schweine getrieben und eines in den Garten gelaufen, da die Pforte aufgestanden, und weil der Säuhirt ihm gefolget, wären sie beide auseinander gangen, doch hätte die Hexe noch für sich gemurmelt: Nu help Düwel help, datt ickaber ein Mehreres hätte er nicht verstanden.

Solches Alles verschwieg mir aber der furchtsame Knabe wie oben bemeldet und sagete nur mit Tränen: er wisse Nichts. Gläubete ihm also und satzte mich vor das Fenster umb auszuschauen, wenn Dn. Consul wieder heimkehren würde. Und als ich solches gesehen, hub ich mich alsogleich empor und ging auf das Schloss, wo mir der Büttel auch schon mit meim Töchterlein, so er bringen sollte, vor dem Gerichtszimmer begegnete. Ach, sie sah so froh aus, wie ich sie lange nit gesehen und lächelte mich an mit ihrem lieblichen Mündlein; da sie aber mein schloweiss Haar erblickte, tät sie einen Schrei, also dass Dn. Consul das Gerichtszimmer offen schlug und heraus rief: "ha, ha, du merkest wohl schon, welche Zeitung ich dir bringe, komm nur hereindu verstockt Teufelskind!" worauf wir zu ihm in das Zimmer traten und er anhube seine Worte an mich zu richten, nachdem er sich mit dem amtshauptmann, so bei ihm war, niedergesetzet.

Als er mich gestern Abend vor einen toten hätte zu Meister Seep tragen lassen, (sagte er) und dies mein verstockt Kind, wieder wär ins Leben bracht, hätt er sie abereins aus allen Kräften beschworen nicht länger dem lebendigen Gott zu lügen sondern die Wahrheit zu bekennen, worauf sie sich aber fast ungeberdig gestellet, die hände gerungen, geweint und geschluchzet und letzlich zur Antwort geben: dass der junge Nobilis solches unmüglich könne gesagt haben, besonderen sein Vater hätte dieses geschrieben