Nichtes mehr, denn dass Seine Gestrengen sie möge in Frieden lassen. Aber solches tat er nichtsondern druckete sie mit seinen Knieen in den rücken und in die Seiten und da sie solches litte, weilen es nicht zu ändern stunde, wurde er dreuster und nahm es für ein gut Zeichen.
Hierzwischen schriee aber Dn. Consul dicht hinter uns: (denn dieweilen ihn grauete, trottirete er dicht hinter dem Wagen) "Büttel, Büttel, kommt geschwinde her: allhier liegt ein Schweinsigel mitten im Weg!" worauf der Büttel auch vom Wagen sprang.
Solches aber machte den amtshauptmann noch dreuster, und stunde letztlich mein Töchterlein auf und sprach: "Vater, wir wollen auch zu Fuss gehen ich kann mich vor ihme hier hinten nit mehr bergen!" Aber er riss sie beim Kleid wieder nieder und rief zornig: "wachte du boshafte Hex, ich werde dir helfen zu Fuss gehen, wiltu also, so solltu in Wahrheit noch diese Nacht an den Block," worauf sie zur Antwort gab: "tu Er was Er nicht lassen kann; der gerechte Gott wird hoffentlich auch einst mit Ihm tun, was er nicht lassen kann.
Hierzwischen aber waren wir beim Schloss ankommen und kaum vom Wagen niedergestiegen, als Dn. Consulso sich einen guten Schwitz gelauffen, auch mit dem Büttel anlangete, und diesem sogleich mein Kind übergab, so dass ich ihr kaum noch valediciren konnte. blieb also händeringend im Tunklen auf der Dielen stehen und horchete wohin sie gingen, alldieweil ich nicht das Herz hatte nachzufolgen, als Dn. Consul so mit dem amtshauptmann in ein Zimmer getreten war, wieder aus der Türen schaute und dem Büttel nachrief Ream noch einmal wieder anherzubringen. Und als er solches tät, und ich mit in das Zimmer trate, hielt Dn. Consul einen Brief in der Hand, und nachdem er dreimal ausgespucket, hube er an: "willstu noch leugnen du verstockte Hex? horch mal zu, was der alte Ritter Hans von Nienkerken an das Gerichte schreibt!" Und hierauf las er uns für: dass sein Sohn also verstürzt sei, über die Sage so die vermaledeiete Hexe auf ihn getan, dass er von stunde an krank worden wäre, und ihme, dem Vater ginge es auch nicht besser. Sein Sohn Rüdiger, wäre wohl einige Mal, wenn es der Weg so gefüget, beim Pastore Schweidler eingekehret mit dem er auf einer Reise Kundschaft gemachet, schwüre aber, dass er schwarz werden wölle, wenn er jemalen mit der verfluchten Teufelshuren, seiner Tochter, irgend eine Kurzweil oder Narrenteiding betrieben, geschweige Nachts auf dem Berg gewest wäre, und sie dort umbhalset hätte.
Auf solche erschröckliche Botschaft fielen wir Beide (verstehe mein Töchterlein und ich) zu gleicher Zeit in Unmacht, angesehen wir auf den Junker annoch unsere letzte Hoffnung gesetzet, und weiss ich nicht, was man weiters mit mir fürgenommen. Denn als ich wieder bei mir kam, stunde der Krüger Conrad Seep über mir, und hielt mir einen Trichter zwüschen den Zähnen in welchen er mir eine Biersuppen einkellete, und hatte ich mich niemalen elender in meinem Leben befunden, wannenhero Meister Seep mich auch wie ein klein Kindlein ausziehen und zu Bette bringen musste.
Fussnoten
1 wahrscheinlich Mütze. 2 nachgebend. 3 Entweder wohl um seine Verachtung auszudrücken, oder aus einem abergläubischen Bewegungsgrund. 4 Unschuld, was ist Unschuld? Wo die Begierde gebietet, da hat die Unschuld eine schwache Schutzwehr. – Worte des Cicero, wenn ich nicht irre. 5 Man stand nämlich in dem Wahn, dass, wie der Mensch dem Teufel, so der Teufel dem Menschen sich handschriftlich verpflichte. 6 Denn die Entstehung von dergleichen plötzlichen Ungewittern schrieb man auch den Hexen zu. 7 führt bis auf den heutigen Tag diesen Namen und ist eine Viertelmeile von Coserow entfernt. 8 Storch; Pogge, plattdeutsch: Frosch.
Capitel 20.
Von der Bosheit des Amtshaubtmanns und der alten
Lisen, item vom Zeugenverhör.
Am andern Morgen waren meine Haare so bis dato grau mengliret gewest, ganz weiss wie ein Schnee, wiewohlen mich der Herre sonsten wunderlich gesegnet. Denn umb Tagesanbruch kam eine Nachtigall in den Fliederbusch vor mein Fenster und sange also lieblich, dass ich gleich gläubte sie sei ein guter Engel gewest. Denn nachdeme ich sie eine Zeitlang angehöret, kunnte ich mit einem Mal wieder beten, was ich seit dem Sonntag nit mehr können. Und da nun der Geist unsers Herrn Jesu Christi anhub in meinen Herzen zu schreien: "Abba lieber Vater!"1 nahm ich daraus eine gute Zuversicht: Gott wölle mich sein elendig Kind wieder zu Gnaden annehmen, und nachdem ich ihm für so viel Barmherzigkeit gedanket, gewann ich nach langer Zeit wieder eine so erquickliche Ruhe, dass die liebe Sonne schon hoch am Himmel stunde, als ich aufwachte.
Und dieweil mir noch also zuversichtlich umbs herz war, richtete ich mich im Bette empor und sang mit heller Stimmen: "Verzage nicht du Häuflein klein!" worauf Meister Seep in die kammer trat, vermeinende ich hätte ihn gerufen. blieb aber andächtig stehen, bis ich fertig war, und nachdem er sich anfänglich über meine schloweissen Haare verwundert, verzählete er, dass es schon bei sieben Uhren wär, item wäre meine halbe Gemein schon allhier bei ihme versammlet, um heute zeugnis abzulegen, worunter auch mein Ackersknecht Claus Neels. Als ich solches vernommen, musste der Krüger selbigen alsofort aufs Schloss schicken, umb zu fragen, wann das Verhör anhübe,