rief: "ja wenn ich gebrennet werde, o Jesu, Jesu, Jesu!" – Hier schudderte sich Dn. Consul, und sprach: sieh, wie du immerdar dich mit deinen eigenen Worten schlägest. Umb Gottes und deiner Seligkeit willen bekenne, denn wenn du dich unschuldig befindest, wie kannstu daran denken, dass du brennen sollt. Aber sie schaute ihm noch immer starr in die Augen, und hube anauf lateinisch auszurufen: innocentia, quid est innocentia? ubi libido dominatur innocentiae leve praesidium est4.
Hier schudderte sich Dn. Consul abereins also, dass ihm der Bart wackelte und sprach: was, kannstu in Wahrheit lateinisch? Wo hastu das Lateinische gelernet? und als ich solche Frage ihm beantwurtet, soviel ich für Schluchzen dazu im stand war, schüttelte er sein Haubt und sprach: habe im Leben nicht vernommen, dass ein Weibsbild lateinisch kann. Hierauf fiel er vor ihrem Kasten auf die Kniee, und suchete alles darinnen durch, rückete ihn darauf von der Wand, und als er Nichtes gefunden, liess er sich ihr Bette zeigen und machte es damit auch so. Solches verdross letzlich den amtshauptmann und fragete ihn: ob sie nicht wieder fahren wöllten, inmassen es sonsten Nacht würde? Aber er gab zur Antwort: nein, ich muss erst den Pakkzeddul5 haben, so ihr der Satan gegeben, und fuhr fort überall umbherzusuchen, bis es fast tunkel war. Aber sie fanden Nichtes nicht, wiewohl Dn. Consul sammt dem Büttel in der Küchen wie im Keller kein Plätzlein verschoneten. Darauf stiege er brummend wieder auf den Wagen, und befahl, dass mein Töchterlein sich so setzen musste, dass sie ihne nicht ansäh.
Und hatten wir jetzunder mit der vermaledeieten Hexen der alten Lise Kolken wieder dasselbige spectaculum, angesehen sie wieder in ihrer Türen sass, als wir vorbeifuhren und aus voller Kehlen: "Herr Gott dich loben wir!" anstimmte. Quäkete aber wie ein angestochen Kalb, so dass es Dn. Consul verwunderte, und nachdem er vernommen, wer sie wäre, fragete er den amtshauptmann, ob er sie nicht gleich wölle durch den Büttel aufgreifen und hinten an den Wagen binden lassen, umb nachzulaufen da wir keinen Platz mehr vor sie hatten. Denn er hätte nun schon oftmalen in Erfahrung gezogen dass alle alte Weiber, so rote Gluderaugen und eine sinnige Kehle hätten, auch Hexen wären, unangesehen, was Rea Verdächtiges gegen sie aussaget. Aber er gab zur Antwort: dass er solches nit tun könne, dieweil die alte Lise ein unbescholten und gottesfürchtig Weibsbild wäre, wie Dn. Consul anjetzo auch selbsten hören kunnte. Doch hätte er sie auf morgen mit den andern Zeugen fordern lassen. –
Ja, wahrlich, ein schön, gottesfürchtig Weibsbild! – denn wir waren kaum aus dem Dorf, als ein also schwer Wetter einbrach mit Donner, Blitze, Sturm und Hagel, dass rund umb uns das Korn zu Boden geschlagen wurde, wie von eim Drescher, und die Pferde fast wild für dem Wagen wurden; währete aber nit lange. Doch musste mein arm Töchterlein auch wieder die Schuld tragen6 inmassen Dn. Consul vermeinete, dass nicht die alte Lise, wie es doch so klar, wie die Sonne ist, sondern mein arm Kind dies Wetter gemacht. Denn, Lieber sage, was hätt es ihr nutzen können, wenn sie auch die Kunst verstanden? Aber solches sah Dn. Consul nicht ein, und der leidige Satan sollte unter des gerechten Gottes Zulassung es alsobald noch ärger mit uns machen. Denn wir waren allererst an den Herrendamm7 kommen, als er wie ein Aderbar8 über uns angefahren kam und eine Pogge also exact von oben nieder warf, dass sie mein Töchterlein in den Schooss fiel. Selbige schriee hell empor, aber ich bliese ihr ein, stille zu sitzen und wollte die Pogge heimblich bei eim Fuss vom Wege werfen.
Aber der Büttel hatte es gesehen und rief: Herr Je, Herr Je, kiekt de verfluchte Hex, wat schmitt ehr de Düwel in den Schoot? worauf sich der amtshauptmann und Dn. Consul umbsahen, und befunden, wie ihr eine Pogge in den Schooss kroch, so der Büttel aber zuvor erst dreimal anbliese, ehe er sie aufhub und den Herren zeigete. Davor bekam Dn. Consul das Speien und befahl, nachdem es fürüber, dem Gutscher stille zu halten, stieg vom Wagen und sagete: wir söllten nur nach haus fahren, ihm wäre übel und wölle er zu Fuss nachlaufen, ob es besser werden möchte. zuvor aber bliese er noch dem Büttel heimblich ein (wie wir aber deutlich verstanden) er sölle alsogleich wenn er zu Haus käm, mein arm Kind, jedoch menschlich anschliessen, worauf weder sie noch ich für Tränen und Schluchzen antwurten konnten. Aber der amtshauptmann hatte es auch gehöret, was er sagte, und als wir ihn nit mehr sehen konnten, hub er an meim Töchterlein von hinten zu die Wangen zu streicheln: sie sölle nur zufrieden sein, er hätte auch ein Wörtlein dazwischen zu reden und der Büttel solle sie noch nicht schliessen. Sie möge aber doch aufhören, gegen ihn sich alsohart zu gebährden, wie bishero, und übersteigen bei ihm aufsein Bund sitzen gehen damit er ihr heimblich einen guten Rat geben könne, was zu tun wäre. Hierauf gab sie mit vielen Tränen zur Antwort: sie wölle nur bei ihrem Vater sitzen bleiben inmassen sie nit wüsste, wie lange sie noch bei ihm säss, und bäte sie um