1843_Meinhold_140_42.txt

, nicht wöllte meine arme und verführte Gemeind übergeben, so lange mich der Herr noch in Versuchung hielte. Da wurde ich wohl nach einer Stunden durchs Fenster gewahr, dass ein lediger Wagen für das Schloss gefahren kam, auf welchen alsobald der amtshauptmann und Dn. Consul mit meinem Töchterlein stiegen, item der Büttel, so hinten aufhackte. Liess daher Allens stehen und liegen und lief zu dem Wagen, demütig fragende: wohin man mein arm Kind zu führen gesonnen? Und als ich hörete, dass sie in den Streckelberg wöllten, umb nach dem Birnstein zu sehen, bat ich, dass man mich müge mitnehmen, und bei mein Kind sitzen lassen, wer wüsste, wie lange ich noch bei ihr säss. Solches wurde mir auch verstattet, und bote mir der amtshauptmann unterweges an, dass ich könnte im Schloss meine wohnung aufschlagen, und an seinem Tisch speisen, so lange mir geliebte, wie er auch meim Töchterlein alle Tage von seinem Tisch schicken würde. Denn er hätte ein christlich herz und wüsste ganz wohl, dass wir sollten unserm Feinde verzeihen. Vor solche Freundschaft bedankete mich aber untertänigst, wie mein Töchterlein auch tat, anerwogen, es uns jetzunder noch nit so arm erginge, umb uns nicht selbsten unterhalten zu können. Als wir vor der Wassermühlen vorbeikamen, hatte der gottlose Knappe wieder den Kopf durch ein Loch gestecket, und schnitt meinem Töchterlein ein schiefes Maul. Aber Lieber, es sollt ihm aufgedruckt werden! Denn der amtshauptmann, winkete dem Büttel, dass er den Buben heraushohlen musste, und nachdeme er ihm seinen duppelten Schabernack, so er gegen mein Kind bewiesen fürgehalten, musste der Büttel den Kutscher seine neue Peitsche nehmen, und ihme 50 Prügel aufzählen, die weiss Gott nicht aus Salz und wasser waren. Er brüllete letzlich wie ein Ochse, welches aber Niemand vor dem Rumor der Räder in der Mühlen hörete, und da er sich stellte, als könnte er nicht mehr gehen, liessen wir ihn auf der Erden liegen und fuhren unsrer Strassen. –

In Ueckeritze lief auch viel volkes zusammen, als wir durchkamen, so sich aber ziemlich geruhsam hielte ohn allein einen Kerl, so salva venia in den Weg hoffirete, als er uns kommen sah3. Der Büttel musste auch wieder abspringen, kunnte ihn aber nicht einhohlen, und die Andern wollten ihn nicht verraten, sondern gaben für: sie hätten nur auf unsern Wagen gesehen und es nicht beachtet. Kann auch immer wahr sein! und will es mir daher fürkommen, dass es der leidige Satan selbsten gewest, umb über uns zu spotten, denn merke, umb Gottes willen, was uns im Streckelberg gearriviret! Ach, wir kunnten durch Verblendung des bösen Feindes die Stelle nit wiederfinden, wo wir den Birnstein gegraben. Denn wo wir vermeineten, dass sie sein musste, war ein grosser Berg Sand wie von eim Sturmwind zusammengeblasen, und auch die tännin Zweige, so mein Töchterlein hingedecket, waren wegk. Sie ward fast unmächtig, als sie solches sah, und range die hände und schriee mit ihrem Erlöser: mein Gott, mein Gott, warumb hastu mich verlassen!

Hierzwischen jedoch mussten der Büttel und der Kutscher graben. Aber es befand sich kein Stücklein Birnstein bei eines Körnleins Grösse, worauf Dn. Consul das Haubt schüttelte und mein arm Kind fast hart anschnauzete. Und als ich zur Antwort gab, dass der leidige Satan wie es den Anschein hätte, uns wohl die Kuhle verschüttet, umb uns ganz in seine Gewalt zu überkommen, musste der Büttel aus dem Busch einen hohen Staken hohlen, umb damit noch tiefer zu stossen. Aber es war nirgends ein hart Objectum zu fühlen, obgleich der amtshauptmann wie Dn. Consul und ich selbsten in meiner Angst überall mit der Stangen probireten.

daher bat mein Töchterlein das Gericht mit gegen Coserow zu kommen, wo sie annoch vielen Birnstein in ihrem Koffer hätte, so sie allhier gefunden. Denn wär es damit Teufelswerk, so würde selbiger auch wohl verwandelt sein, dieweil sie in Erfahrung gezogen, dass alle Geschenke so der Teufel denen Hexen zu verehren pflege, sich alsobald in Kot oder Kohlen umbwandelten.

Aber Gott erbarm's, Gott erbarm's, als wir in Coserow zu gemeiner Verwunderung wieder ankamen, und mein Töchterlein an ihren Kasten trat, war alles Zeug darinnen umbgerissen und der Birnstein fort. Sie schriee hierauf so laut, dass es hätte einen Stein erbarmen mögen und rief: das hat der böse Büttel getan! Als er die Salbe aus meinem Koffer gehohlet, hat er mir elenden Magd auch den Birnstein gestohlen. Aber der Büttel, so dabei stunde, wollte ihr in die Haare fahren und schriee: du Hexe, du vermaledeiete Hexe ist es nit genug, dass du meinen Herrn verleumbdet, willtu mich nun auch noch verleumbden? aber Dn. Consul wehrete ihm, dass er sie nicht anfassen durfte. Item war all ihr Geld fort, so sie sich für heimblich verkauften Birnstein gespaaret, und wie sie vermeinete, schon an die 10 Fl. betragen.

Aber ihr Kleid, welches sie bei der Ankunft des durchläuchtigsten Königs Gustavi Adolphi getragen, wie die güldene Kettin mit dem Conterfett, so er ihr verehret, hatte ich wie ein Heiligtumb in meinem Kirchenkasten bei denen Altar- und Kanzeltüchern verschlossen, und fanden wirs auch noch für. Doch als ich solches entschuldigte, und sagete: dass ich es ihr hier bis auf ihren Hochzeitstag aufhegen wöllen, sah sie mit starren Augen in den Kasten und