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, sondern sich über sich selbsten, wie über ihren Vater zu erbarmen, und die Wahrheit zu bekennen.

Hierauf tät sie einen grossen Seufzer, und so blass sie gewesen, so rot wurde sie, inmassen selbsten ihre Hand auf dem Stuhl wie ein Scharlaken anzusehen war, und sie die Augen nit von dem Boden hube.

R. Sie wölle auch jetzunder die reine Wahrheit bekennen, da sie wohl sähe, dass böse Leute sie des Nachts beschlichen. Sie hätte Birnstein vom Berge gehohlt, und bei der Arbeit nach ihrer Weiss, und umb sich das Grauen zu vertreiben, das lateinische Carmen gerecitiret, so ihr Vater auf den durchlauchtigsten König Gustavum Adolphum gesetzet, als der junge Rüdiger von Nienkerken der oftermalen in ihres Vaters Haus gekommen und ihr von Liebe vorgesaget, aus dem Busch getreten wäre, und da sie für Furcht aufgeschrieen, sie auf lateinisch angeredet und in seinen Arm genommen. Selbiger hätte einen grossen Wulfspelz angehabt, damit die Leute ihn nit erkennen möchten, so sie ihme etwa begegneten und es seinem Herrn Vater wieder verzählen, dass er des Nachts auf dem Berg gewest.

Auf solch ihr Bekenntnüss wollte ich schier verzweiflen und schriee für Zorn: o du gottlos ungehorsamb Kind, also hastu doch einen Buhlen? Habe ich dir nicht verbotten des Nachts auf den Berg zu steigen? was hastu des Nachts auf den Berg zu tun? und hub an also zu klagen und zu winseln und meine hände zu ringen, dass es Dn. Consulem selbsten erbarmete, und er näher trat, umb mir Trost einzusprechen. Hierzwischen aber trat sie auch selbsten heran und hub an mit vielen Tränen sich zu verteidigen: dass sie wider mein Verbot des Nachts auf den Berg gestiegen, umb so viel Birnstein zu gewinnen, dass sie mir heimblich zu meinem Geburtstag die Opera Sancti Augustini so der Cantor in Wolgast verkaufen wölle anschaffen müge. Und könne sie nicht davor, dass der Junker ihr eines Nachts aufgelauert, doch schwöre sie mir bei dem lebendigen Gott, dass dorten nichts Ungebührliches fürgefallen, und sie annoch eine reine Jungfer sei.

Und hiemit wurde nunmehr das erste Verhör beschlossen denn nachdem Dn. Consul denen Schöppen etwas ins Ohr gemürmelt, rief er den Büttel wieder herein, und befahle ihm: auf Ream ein gut Augenmerk zu haben, item sie nunmehr nit mehr los im Gefängnüss zu belassen sondern anzuschliessen. Solches Wort stach mir abermals durch mein herz, und beschwur ich Se. edlen angesehen meines Standes und meiner altadlichen Abkunft, mir nicht solchen Schimpf anzutun und mein Töchterlein schliessen zu lassen. Ich wölle mich vor Eim achtbaren Gericht mit meinem Kopf verbürgen dass sie nit entrinnen würde worauf Dn. Consul, nachdem er hinausgangen und sich die Gefängnüss angesehen, mir auch willfährig war, und dem Büttel befahl es mit ihr zu lassen, wie zeitero.

Fussnoten

1 oder Usedom, ein Städtchen, von dem die ganze Insel den Namen führt. 2 d.i. erster Bürgermeister. 3 Protokollführer. 4 d.i. dominus Consul oder der Herr Bürgermeister. 5 Die Verklagte. 6 Dies lächerliche Verfahren schlug man in der Regel bei dem ersten Verhör einer Hexe ein, weil man in dem Wahne stand, sie bezaubere sonst von vorne herein die Richter mit ihren Blicken. Hier wäre der Fall nun allerdings gedenkbar gewesen. 7 O ihm kroch da nur eine Laus, die ich greifen wollte. 8 Plattdeutsch für: halberwachsen. 9 Frage 10 Antwort 11 entzaubern. 12 Man glaubte, der Teufel gäbe den Hexen eine machen, in Tiere zu verwandeln, durch die Luft zu fahren u.s.w. 13 plattdeutsch: d.i. ermuntert. 14 ist es heraus, ist es heraus, hat sie gebeichtet?

Capitel 19.

Wie der leidige Satan unter des gerechten Gottes

Zulassung uns ganz zu unterdrücken beflissen, und

wir alle Hoffnung fahren lassen.

Selbigen Tages, wohl umb 3 Uhren Nachmittags, als ich zu dem Krüger Conrad Seep gangen war, umb doch etwas zu genüssen, anerwogen ich nunmehr in 2 Tagen Nichtes nicht in meinen Mund bekommen, denn meine Tränen, er mir auch etwas Brod und Wurst benebst einer Kannen Bier fürgesetzet, tritt der Büttel ins Zimmer, und grüssete von dem amtshauptmann doch ohne dass er seine Küffe1 anrührete: Ob ich nicht wölle bei Sr. Gestrengen das Mittagsmahl speisen, S.G. hätt es nicht gleich beachtet, dass ich wohl noch nüchtern wär, dieweil das Verhör so lange gezögert. Ich gab hierauf dem Büttel zur Antwort: dass ich mir allbereits, wie er wohl einsäh, mein Mittagsbrod hätte verabreichen lassen und mich bei Sr. Gestrengen bedanket. Darüber verwunderte sich der Kerl und gab zur Antwort: ob ich nicht säh, wie gut es Se. Gestrengen mit mir vermeinete, wiewohl ich ihn, wie einen Juden abgekanzelt. Söllte doch an mein Töchterken denken, und nachlässig2 gegen Sr. Gnaden sein, so könnte vielleicht noch allens gut ablaufen. Denn Sr. G. wäre nicht ein so grober Esel als Dn. Consul, und hätt es gut mit mir und meim Kind im Sinn, als einer rechtschaffenen Obrigkeit geziemete.

Als ich nun mit Mühe den dreusten Fuchs los worden, versuchete ich ein wenig zu genüssen, aber es wollte nicht herunter, bis auf das Bier. Sass daher bald wieder und sanne, ob ich mich bei Conrad Seep einmieten wöllte, umb immer umb mein Kind zu sein, item, ob ich M. Vigelio dem Pfarrherrn zu Benz