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Als sie hierauf mit lautem Schluchzen schwiege, sprang Dn. Consul auf nachdem er den amtshauptmann, wie wir alle, nach der Nasen gesehen, und alldorten auch die Schramme befunden und rief wie verstürzet: Sprech Er, umb Gotteswillen, sprech Er, was muss ich von Sr. Gestrengen hören? worauf der amtshauptmann, ohne sich zu verfärben, also zur Antwort gab: dass er zwar nicht nötig habe vor Sr. edlen zu sprechen, angesehen er das Oberhaupt vom Gericht wäre, und aus zahllosen indiciis herfürgehe, dass Rea eine boshafte Hexe sei, und darum kein Zeugnüss gegen ihn oder männiglich ablegen könne, dass er aber dennoch sprechen wölle umb dem Gericht keine Aergernüss zu geben. Alle Anschuldigungen so diese person gegen ihn herfürgebracht wären erstunken und erlogen. Doch hätte er sie in alleweg vor eine Ausgebersche mieten wöllen, inmassen er umb eine solche sehr benötigt gewest, da seine alte Dorte schon schwach würde. Auch hätte er sie zwar gestern gleich insgeheimb fürgenommen, umb sie im Guten zum Geständnüss, und dadurch zur Milderung ihrer Strafe zu persuadiren, angesehen ihn ihre grosse Jugend gejammert, hätte aber kein unartiges Wort zu ihr gesagt, noch wäre er in der Nacht zu ihr kommen, besonderen die Schramme hätte ihm sein klein Schoosshündlein, Below geheissen, gekratzet, mit dem er heute Morgen gespielet. Solliches könne seine Dorte bezeugen, und hätte die schlaue Hexe dieses gleich benutzet, umb das Gericht uneinig zu machen und dadurch mit des Teufels hülfe ihren Vorteil zu gebrauchen, alldieweil sie fast eine verschmitzte Creatur wäre, wie das Gericht auch bald weiters ersehen würde.

nunmehr aber fassete ich mir auch ein herz und stellte für, dass Alles so wahr sei, wie es mein Töchterlein ausgesaget, und ich gestern Abend selbsten vor der Türen mitangehöret, dass Se. Gestrengen ihr einen Antrag getan und Narrenteidinge mit ihr zu treiben versucht, item dass er sie schon in Coserow einmal hätte küssen wöllen, item, was Se. Gestrengen mir sonsten für Herzeleid von wegen dem Mistkorn zugefüget.

Aber der Amtaubtmann überschriee mich alsobald und sprach: wenn ich ihne, als einen unschuldigen Mann in der Kirchen von der Kanzel verläumbdet, wie die ganze Gemeinde sein Zeuge wär, würde es mir ein Leichtes sein, solches auch hier für Gericht zu tun, unangesehen ferner, dass kein Vater für sein Kind ein Zeugnüss ablegen könne.

Aber Dn. Consul wurde ganz wie verstöret und schwiege und stützete daraufsein Haupt in tiefen Gedanken auf den Tisch. Hiezwischen fing aber der dreuste Büttel an ihm zwischen den einen Arm durch an seinen Bart zu fingeriren und gläubete Dn. Consul wohl, es wäre eine Fliege, und schlug ohne empor zu schauen, mit der Hand darnach. Als er aber auf den Büttel seine Hand traf, fuhr er in die Höhe und fragete ihn was er wölle? worauf der Kerl zur Antwort gab: O Em kröp da man ehne Luus de ick griepen wollde7.

Solche Dreustigkeit verdross Se. edlen also heftig, dass er dem Büttel eine Maultasche stach und ihm bei harter Strafe befohl aus der Türen zu reisen.

Hierauf wendete er sich an den amtshauptmann und schriee für Zorn: was, alle zehn Teufel, wie hält Se. Gestrengen den Büttel in Respeckt? Und überhaupt ist das Allens ein seltsam Ding, woraus ich nicht klug werden kann. – Aber es antwortete der amtshauptmann: "nicht also? sollte Er nit klug daraus werden, wenn er an die Aale gedenkt? –

Hierauf wurde Dn. Consul mit eim Mal ganz blass, also dass er zu zittern begunnte, wie es mir fürkam, und er den amtshauptmann abseiten in ein ander Zimmer rief. Habe niemals erfahren können, was solches zu bedeuten gehabt, so er von den Aalen sagte. – –

Hierzwischen sass aber Dominus Camerarius Gebhard Wenzel und käuete eine Feder, und schaute dabei mit viel Grimm bald auf mich, bald auf mein Töchterlein doch ohne ein Wörtlein zu sagen, auch antwortete er dem Scriba nicht, der ihm oft etwas ins Ohr bliese, denn dass er brummete. Endlich kamen die zwo Herren wieder zur Türen herein, und begunnte Dn. Consul, nachdem er sich mit dem amtshauptmann wieder gesetzet, mein arm Kind fast heftig anzufahren, dass sie Ein löblich Gericht zu turbiren versuchet, inmassen Se. Gestrengen ihme das Hündlein selbsten gezeiget so ihm die Schramme gekratzet, und dieses auch von seiner alten Ausgeberschen bezeuget wurde. (Ja, die wollte ihn auch wohl nicht verraten, denn die alte Vettel hat es Jahre lang mit ihm gehalten, und auch einen gadlichen8 Jungen von ihm, wie man noch weiters erfahren wird!)

Item sagete er, dass so viel indicia ihrer Uebeltat fürhanden, dass es, unmöglich sei ihr Glauben zu stellen, sie sölle daher Gott die Ehre geben und in allen Stücken aufrichtig bekennen, umb ihre Strafe zu mildern. Möchte alsdann noch, ihrer Jugend halben, mit dem Leben davon kommen etc.

Hierauf setzte er sich die Brille auf die Nase und hube ansie bei vier Stunden zu verhören aus eim Papier, so er in Händen hielte. Und waren solches etwa die Haubtstücke, so wir Bede davon behalten haben

Quaestio9. Ob sie zaubern könne?

Responsio10. Nein, sie wisse von keinem Zauber nicht.

Q. Ob sie denn böten11 könne?

R. Wär ihr ingleichen unbekannt.

Q. Ob sie wohl mal auf den Blocksberg gewest?

R. Der wäre vor sie zu weit, und kenne