schaden. Item wurde es in Pudgla noch fast ärger, denn in der Mühlen. Das Volk stand also dicke auf dem Berg, vor dem Schloss, dass wir kaum durch kunnten, und liess der amtshauptmann, wie zu einem Aviso, annoch das arme Sünderglöcklein auf dem Schlossturm läuten, worauf auch aus dem Kruge und den Häusern noch immer mehr volkes herbeirannte. Etzliche schrieen: "iss dat de Hex!" Etzliche: "kiekt de Presterhex, de Presterhex!" und sonsten mehr, was ich aus Schaam nicht hieher setzen mag, rafften auch den Kot aus der Rönne, so aus der Schlossküchen läuft, und bewurfen uns damit, item mit einem grossen Stein, der aber auf ein Pferd fiel, also, dass es scheu wurde, und vielleicht den Wagen umbgeworfen hätte, wenn nicht ein Kerl hinzugesprungen und es gehalten. Solches geschahe allens vor der Schlosspforten, in welcher der amtshauptmann lächelnd stunde, eine Reiherfeder auf seim grauen Hut, und uns zusahe. Als das Pferd aber zur Ruhe gebracht, kam er an den Wagen, und sprach spöttisch zu meinem Töchterlein: "sieh! Jungfer, du wolltest nit zu mir kommen, und nun kommst du ja doch!" worauf sie zur Antwort gab: ja ich kommeund möchtet Ihr einst zu Eurem Richter kommen, als ich zu Euch, worauf ich Amen sprach und ihn fragete, wie Se. Gestrengen es für Gott und Menschen verantworten wölle, was er an mir armen Mann und meim Kind täte? Aber er antwortete: warumb ich mitgekommen? und als ich ihm von dem unartigen Volk hieselbst, item von dem argen Mühlenknappen sagte, vermeinete er: dieses wäre nicht seine Schuld, bedräuete auch das Volk umbher mit der Faust, so einen grossen Rumor machte. Darauf befahl er meim Töchterlein abzusteigen, und ihme zu folgen, trat voran in das Schloss, winkete dem Büttel, so mitlaufen wollte, unten an der Treppe zu verharren, und hob an mit meim Kind allein den Windelstein in die obern Gemächer aufzusteigen.
Aber sie bliese mir heimlich zu: "Vater verlasst mich nicht!" und folgete ich bald darauf ihnen sachte nach, hörete auch an der Sprach in welchem Zimmer sie waren, und legete das Ohr daran umb zu horchen. Und stellte der Bösewicht ihr für, dass, wenn sie ihn liebhaben wolle, sollt es ihr Allens Nichtes schaden, und hätt' er schon Macht in Händen, sie für dem Volk zu erretten, wölle sie aber nit; so käme morgen das Gericht, und möchte sie vor sich selbsten abnehmen, wie es ihr erginge, dieweilen sie, wie viel Zeugen gesehen, mit dem leidigen Satan selbsten Unzucht getrieben und sich von ihm küssen lassen. Hierauf schwieg sie stille, und schluchzete nur, was der Erzschalk vor ein gut Zeichen nahm und fortfuhr: hastu den Satan selbsten geliebt, kannstu mich auch schon lieben, und näher trat, umb sie zu umbhalsen, wie ich merkete. Denn sie stiess einen lauten Schrei aus, und wollte zur Türen heraus, aber er hielt sie feste, und bate und dräuete, wie der Teufel es ihm eingab. Und wollte ich schon hineintreten, als ich hörete, dass sie ihm mit den Worten: "weiche von mir Satan!" also in das gesicht schlug, dass er sie fahren liess. Worauf sie unversehens aus der Türen sprang, so dass sie mich zur Erden stiess, und mit einem lauten Schrei selbsten über mir hinfiel. Hievor erstarrete der Amtaubtmann, so ihr gefolget war, hub aber alsobald wieder an zu schreien: "wachte Pfaffe, ich werde dir horchen lehren!" und lief hinzu und winkete, dem Büttel, so unten an der Treppen stunde. Selbigen hiess er, mich die Nacht in ein Loch stecken, weilen ich ihn behorchet, worauf er wiederkommen sölle, umb mein Töchterlein in ein ander Loch zu stecken. Aber er besunne sich wieder, als wir den Windelstein halb hernieder gestiegen waren, und sprach, er wölle es mir noch einmal schenken, der Büttel sölle mich nur laufen lassen und mein Töchterlein in ein fest Verwahrsam bringen, ihme nachher auch die Schlüssel übergeben, angesehen sie eine verstockte person seie, wie er aus dem ersten Verhör gemerket, so er mit ihr angestellet.
Hierauf wurde denn mein arm Kind von mir gerissen, und ward ich unmächtig auf der Treppen, weiss auch nit, wie ich herniederkommen, sondern, wie ich wieder bei mir kam war ich in des Büttels seiner Stuben, und sein Weib sprützete mir wasser unter der Nasen. Alldorten blieb ich auch die Nacht auf eim Stuhl sitzen, und sorgete mehr, denn ich betete, angesehen, mein Glaube fast schwach worden war, und der Herr kam nit, ihn mir zu stärken.
Fussnoten
1 Gott tröst Ihn, was muss Er an Seinem kind erleben. 2 Wir wöllen dir lieber Feuer unter dem Rock anlegen, als für dich beten.
Capitel 18.
Vom ersten Verhör und was daraus erfolget.
Am andern Morgen, als ich auf dem Vorhof auf- und niederginge, dieweil ich den Büttel vielmahls umbsonst gebeten mich zu meinem Töchterlein zu geleiten (er wollte mir aber nit einmal sagen, wo sie säss) und letzlich für Unruhe dorten umbher lief, kam gegen sechs Uhren auch schon ein Wagen von Uzdom1 auf welchem Se. edlen, Herr Samuel Pieper Consul dirigens2 item der Camerarius Gebhard Wenzel und ein Scriba3 sassen, so ich zwar