sein klein Mädchen, angesehen wir auch von dem Stuten gessen, schwieg er stille, und sprach mit einem Seufzer: ob ich nit wölle in die stube gehen und sehen, wie es stünd. Als ich daher mit "dem Frieden Gottes" hereintrat, stunden an die sechs Menschen umb der kleinen Marie ihr Bette, und hatte sie die Augen zu und war so steif wie ein Brett, weshalben Stoffer Wels (als er dann ein junger und wähliger Kerl ist) das Kindlein bei eim Bein ergriff und es von sich reckete, wie einen Zaunpfahl, damit ich sähe, wie der Teufel es plagete. Als ich nun ein Gebet anhob und Satanas merkete, dass ein Diener Christi angekommen, fing er an so schröcklich in den Kindlein zu rumoren, dass es ein Jammer anzusehen war. Denn sie schlug also mit Händen und Füssen umb sich, dass sie kaum vier Kerls halten kunnten, item ging ihr das Bäucheken so auf und nieder, als wenn ein lebendiges geschöpf darinnen sässe, so dass letztlich die alte Hexe Lise Kolken sich oben auf das Bäucheken setzete. Als es nun ein wenig besser wurde, und ich das Kindlein aufforderte den Glauben zu beten, umb zu sehen ob es wirklich der Teufel sei so sie besessen3 würde es noch ärger, denn zuvor, angesehen sie anhub mit den Zähnen zu knirschen, die Augen zu verkehren, und also gräulichen mit den Händen und Füssen zu schlagen, dass sie ihren Vater so auch einen Bein hielt, fast mitten in die Stuben wurf, und darauf sich den Fuss gegen das Bettolz zerquetschete, dass das Blut ihr herfürsprang, auch die alte Lise Kolken mit ihrem Bäucheken auf niederflog, als ein Mensch, so in einem Schockreep4 sitzet. Und als ich hierauf nit müde wurdsondern den Satan beschwore, aus ihr zu fahren, finge sie allererst an zu heulen, und darauf wie ein Hund zu bellen, item zu lachen und sprach endlich mit grober Bassstimmen, als sie ein alter Kerl führet: "ik wieke nich5." Aber er hätte schon weichen sollen, wenn nicht Vater und Mutter mich bei Gotts Sacrament beschworen, ihr arm Kind in Frieden zu lassen, dieweil es ja nichts hülfe, sondern immer ärger mit ihr würde. Stunde also notgedrungen von meinem Fürhaben ab, und vermahnete nur die älteren, dass sie wie das cananäische Weib sollten hülfe suchen in wahrer Bussfertigkeit und unablässigem Gebet, auch mit ihr im beständigem Glauben seufzen: ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich mein, meine Tochter wird vom Teufel übel geplaget, Matt. am 15ten dem Heiland würde dann alsbald das herz brechen, dass er sich ihres Töchterleins erbarmete und dem Satan zu weichen beföhle. Item versprach ich am Sonntag mit der ganzen Gemein für ihr armes Töchterlein zu beten, und möchten sie selbige, wo irgend möglich selbst zur Kirchen tragen, anerwogen ein brünstig Kirchengebet durch die Wolken drünge. Solliches versprachen sie auch zu tun, und ging ich nunmehr betrübt zu haus, wo ich aber bald erfuhr, dass es etwas besser mit ihr worden wär, und war also wieder wahr, dass der Satan ausser dem Herrn Jesu nichts mehr hasset, denn die Diener des Evangeliums. Aber harre, er bringet dich doch unter die Füsse (Genes. am dritten) es wird dir Nichtes helfen!
Bevorab aber noch der liebe Sonntag kam, merkete ich, dass mir männiglich aus dem Wege ging, sowohl im dorf als im Kapsel, wo ich etzliche Kranken heimsuchete. Insonderheit als ich in Ueckeritze zu dem jungen Tittelwitz wollte, arrivirete es mir, wie folget: Clas Pieper, der Bauer, stunde in seinem hof und klöbete Holz, wurf aber alsobald, als er mein ansichtig wurde, die Axt aus der Faust, dass sie in die Erde fuhr, und wollte in seinen Schweinestall laufen, indem er ein Kreuze schlug. Winkete ihm also, dass er bleiben sölle und warumb er für mir, als seinem Beichtvater liefe? Ob er vielleicht auch gläube, dass mein Töchterlein ihre kleine Pate behext? Ille6: ja so gläube er, dieweil es der ganze Kapsel gläube. Ego: warumb sie ihr denn vorher so viel Guts getan und in der schröcklichsten Hungersnot sie wie ein Schwesterlein gehalten? Ille: sie hätte wohl schon mehr verwirket denn dieses. Ego: was sie denn verwirket hätte? Ille: das bliebe sich gleich. Ego: er sölle es mir sagen, oder ich müsste es dem Richter klagen. Ille: das sölle ich nur tun, worauf er trotziglich seiner Strassen ging. – Und kann man nunmehr leichtlich giessen, dass ich Nichtes versäumete überall Kundschaft einzuziehen, was man meinete, dass mein Töchterlein verwirket, aber es wollte mir Niemand Nichtes sagen, und hätte ich mich zu tod grämen mügen über solchen bösen Leumund. Auch kam in dieser ganzen Wochen kein Kind zu meinem Töchterlein in die Schule, und als ich Ursachs halber die Magd ausschickete, brachte sie Botschaft, dass die Kinderken krank wären, oder auch die älteren sie zu ihrem Handwerk gebrauchten. Judicirete also und judicirete, doch half es mir Allens nicht, bis der liebe Sonntag in das Land kam, wo ich gläubte, ein gross Nachtmahl zu haben, angesehen sich schon viele zu Gottes Tisch im vorab gemeldet. Doch kam es mir gleich seltsam für, dass ich Niemand, wie sie doch sonsten zu tun pflegeten, auf dem Kirchhof stehen sah: meinete aber, sie wären in die Häuser getreten.