sie an, und bald in das Carmen und nickete besonderen freundlich mit dem Haubt als der Schluss kamb, und lautete selbiger also, wie ich annoch hersetzen will:
tempus erit, quo tu reversus hostibus ultor
intrabis patriae libera regna meae;
tunc meliora student nostrae tibi carmina musae
tunc tua, maxime rex, Martia faeta canam.
tu modo versiculis ne spernas vilibus ausum
auguror et res est ista futura brevi!
sis foelix, fortisque diu, vive optime princeps,
omnia, et ut possis vincere, dura. Vale!8
Als sie nun schwiege, sprach Se. Majestät: proprius accedas patria virgo, ut te osculer9, worauf sie, sich verfärbende ihm an das Ross trat. Und gläubete ich, er würde sie nur auf die Stirne küssen, wie sonsten die Potentaten zu tun pflegen, aber nein! er küssete sie also gerade auf den Mund dass es schmatzete und seine langen Hutfedern ihr umb den Nacken hingen, so dass mir abermal ganz bange vor sie wurde. Doch richtete er sich bald wieder in die Höhe, nahm die güldene Kette sich ab, an welcher unten sein Conterfett bummelte, und hing sie meinem Töchterlein mit diesen Worten umb ihren Hals: hocce tuae pulchritudini! et si favente deo redux fuero victor, prommissum carmen et praeterea duo oscula exspecto.10
Hierauf kam der amtshauptmann abermals mit seinen drei Kerls an, und verneigete sich vor Sr. Majestät zur Erden. Da er aber kein Lateinisch nit kunnte, item auch kein Italiänisch oder Französisch verstand, spielte ich alsobald den Dolmetscher. Denn es fragete I.M. wie weit es bis zur Swine wär, und ob es dorten noch viel fremd Kriegsvolk hätte? Und meinete der amtshauptmann dass annoch an die 200 Krabaten im Läger lägen, worauf Se. Majestät dem Ross die Spornen gab und freundlich nickende ausrief: valete11. Nun kam aber erst das andere Kriegsvolk, bei 3000 Mann gewaltig, aus dem Busch, so gleichfalls ein wacker Ansehn hatte, auch keine Narrenteidinge fürnahm, wie es sonsten wohl pfleget, als es bei unserm Häuflein und den Weibern vorbeizog, sondern fein ehrbar einhertrat, und begleiteten wir den Zug noch bis hinter Coserow an die Heiden wo wir ihn dem Schutz des Allmächtigen empfohlen, und ein Jeglicher wieder seiner Strassen heimbzog.
Fussnoten
1 im elegischen Versmaass. 2 plattdeutsch: nach Luft schnappen. 3 plattdeutsch: zottig, mit dem Nebenbegriff des feuchten. 4 Ein kleiner Landsee in der Nachbarschaft des Meeres. 5 Du süsseste und anmuchigste Dirne, die du mir wie ein Engel des Herrn in den Farben des himmels erscheinst, wärst du doch immer um mich, dann würde es mir niemals unglücklich ergehen! 6 Eine Halbinsel auf Usedom. 7 Nimm diesen schlechten Kranz und dieses. 8 d.i.
Einst wird kommen die Zeit, wo du, siegfreudiger
Rächer
Wirst heimkehren zur Flur meines befreieten
volkes;
Dann, ein besseres Lied bringt dir die Muse des
Sängers,
Denn sie preiset o Herr deine heroische Tat!
Drum verachte ihr heute nicht dies verwegene Stam
meln:
Sie weissaget ja nur dein nachwaltendes Glück.
Geh, lebe wohl, sei tapfer und stark, o bester der
Fürsten,
Dass du alles besiegst, selber das harte Geschick!
9 Komm näher, vaterländische Jungfrau, damit ich dich küsse. 10 Dies deiner Schönheit und, wenn ich mit Gottes hülfe siegreich zurückkehre, erwarte ich das versprochene Gedicht und ausserdem zwei Küsse. 11 Lebt wohl!
Capitel 16.
Wie die kleine Maria Paasschin vom Teufel übel
geplaget wird, und mir die ganze Gemein abfällt.
Ehe ich weiters gehe, will ich zuvorab vermelden dass der durchläuchtigste König Gustavus Adolphus, wie wir alsbald die Zeitung bekommen auf der Swine an die 300 Krabaten niedergehauen, und darauf zu Schiff nacher Stettin gefahren ist. Gott wölle ihm ferner gnädig sein. Amen.
nunmehr aber nahm meine Not von Tage zu Tage zu, angesehen der Teufel bald so lustig wurde, wie er nie nicht gewesen. Gläubete schon, dass Gottes Ohren auf unser brünstig Gebet gemerket hätten, aber es gefiele ihm, uns noch härter heimbzusuchen. Denn etzliche Tage nach der Ankunft des durchläuchtigsten Königs G.A. kam das Geschreie, dass meiner Tochter ihre kleine Pate von dem leidigen Satan besessen sei und gar erbärmlich auf ihrem Lager haushalte, so dass sie niemand nit halten könne. Machte sich mein Töchterlein alsogleich auf nach ihrer kleinen Pate, kam aber alsobald weinend zurücke: dass der alte Paassch sie gar nit zu ihr gelassen, sondern sie fast hart angeschnauzet und gesagt, sie sölle ihm nie wieder in sein Haus kommen, immassen sein Kind es von dem Stuten1 gekriegt so sie ihm am Morgen verehret. Und es ist wahr, dass mein Töchterlein ihr einen Stuten geschenket, indeme die Magd den Tag vorher nacher Wolgast gewesen war, und ein Tüchlein voll Stutens mitgebracht. –
Solche Botschaft verdross mich fast heftig und nachdeme ich meinen Priesterrock angezogen, machte ich mich auf den Wegk zum alten Paasschen umb den leidigen Satan zu beschweren, und solchen Schimpf von meinem kind abzuwenden. fand also den alten Mann auf der Dielen2, wie er an der Bodenleiter stand und weinete, und nachdem ich den Frieden Gottes gesprochen, fragete ihn allererst, ob er in Wahrheit gläube, dass seine kleine Marie es von dem Stuten gekriegt, so ihr mein Töchterlein verehret? Er sagete: ja" und als ich darauf zur Antwort gab: dass denn ich selbsten es auch hätte kriegen müssen item Pagels