eingenommen, massen es ein grosser schöner Hahnen sei, und er nichts Besseres hätte. Und, weilen das Hühnerwerk schon aufgeflogen, trat er auch zu dem Wiem4 so er in der Stuben hinter dem Ofen hatte, und langete den Hahnen herab, so er meiner Magd unter den Arm tät, so gekommen war mich wegkzurufen.
Hätte aber den Hahnen umb alles in der Welt nit essen wollen, besonderen liess ihn zur Zucht laufen. Wie ich nun ginge, fragte ihn noch, ob ich am Sonntage dem Herrn vor seine Besserung danken solle, worauf er aber zur Antwort gab, dass ich solches halten könne, wie mir geliebte. Verliess also kopfschüttelnd sein Haus und nahm mir für, ihn alsogleich rufen zu lassen, wenn ich in Erfahrung gezogen, dass seine alte Lise nit heimisch sei (denn sie hohlete sich oft von dem amtshauptmann Flachs, umb solchen aufzuspinnen). Aber siehe, was geschah schon nach etzlichen Tagen? Es kam das Geschreie, der alte Seden wäre wegkgekommen, und Niemand wüsste nit, wo er geblieben. Sein Weib vermeinete, er wäre in den Strekkelberg gangen, und kam daher diese vermaledeiete Hexe auch mit grossem Geheul bei mir vorgelaufen, und forschete von meinem Töchterlein, ob sie ihren Kerl nit wo hätte daselbsten laufen gesehen, dieweil sie ja alle Tage in den Berg ginge. Mein Töchterlein sagte nein; sollte aber, seis Gott geklagt, bald genugsamb von ihme erfahren. Denn als sie eines Morgens, ehe denn die Sonne aufgegangen gewest, von ihrer verbotenen Gräberei zurückkömmt, und in den Wald niedersteiget, höret sie flugs sich zur Seiten einen Grünspecht (so sicherlich die alte Lise selbsten gewest) so erbärmlich schreien, dass sie in das Gebüsche tritt, zu sehen, was er hätte. So sitzt nun dieser Specht auf der Erden vor einem Flusch Haaren, so rot und ganz so gewest seind, wie den alten Seden seine, burret aber mit einem Schnabel voll auf, wie er ihrer gewahr wird und verkreucht sich damit in ein Astloch. Wie mein Töchterlein noch stehet und diesen Teufelsspök betrachtet, kommt der alte Paassch, so das Geschrei auch gehöret, und mit seinem Jungen sich Daukelschächte5 in den Berg gehauen, auch herbei und entsetzet sich gleicher Weiss, wie er die Haare an der Erden sieht. Und vermeinen sie erstlich, dass ihn ein Wulf gefressen, sehen daher sich auch überall umb, aber finden kein einig Knöchelken. Wie sie aber in die Höhe schauen, kommt es ihnen für, als ob oben im Wipfel auch was Rotes glitzerte, und muss der Junge in den Baum steigen, wo er denn alsogleich ein gross Geschrei anhebt, dass es hier auch auf eim Paar Blätter einen guten Flusch roter Haare hätte, so mit den Blättern zusammengeklebet wären, wie mit Pech. Aber es wäre kein Pech nit, sondern sähe rot und weisssprenglich aus, wie Fischküt6. Item wären die Blätter ringsumbher, wo auch keine Haare sässen, bunt und fleckicht, und voll unsauberen Stankes. Wirft also der Junge auf Geheiss seines Herren den Kletten herab, und judiciren sie beide gleich unten, dass dies den alten Seden sein Haar und Hirn sei, und ihn der Teufel bei lebendigen leib gehohlet, weil er nit hat beten wöllen und dem Herrn danken vor seine Besserung. Solches gläubete ich auch selbsten, und stellte es auch am Sonntag so der Gemeine für. Aber man wird weiters unten sehen, dass der Herr noch andere Ursachen gehabt ihn in die Hand des leidigen Satans zu geben, angesehen er sich auf Zureden seines bösen Weibes von seinem Schöpfer losgesagt, umb nur wieder besser zu werden. Vor jetzt aber tät auch diese Teufelshure, als wäre ihr das grössete Herzeleid zugefüget, inmassen sie sich die roten Haare bei ganzen Fluschen ausrisse, wie sie von dem Grünspecht durch mein Töchterlein und den alten Paassch hörete und lamentirte, dass sie nunmehr auch eine arme Wittib sei, und wer sie in Zukunft verpflegen würde etc.
Hierzwischen feierten wir auch an dieser öden Küsten, so gut wir kunnten und mochten mit der ganzen protestantischen Kirchen den 25sten Tag mensis Junii, wo für nunmehr 100 Jahren die Stände des heil. Römischen Reichs dem grossmächtigsten Kaiser Carolo V ihre Confession zu Augsburg fürgeleget, und hielte ich die Predigt über Matt. 10, 32. von der rechten Bekenntnüss unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi, worauf die ganze Gemeine zum Nachtmahl ging. Doch gegen den Abend desselbigen Tages, als ich mit meinem Töchterlein zur Sehe gespatziret war, sahen wir umb den Ruden viele hundert Masten von grossen und kleinen Schiffen, höreten auch ein merklich Schiessen und judicirten alsbald dass es der grossmächtigste König Gustavus Adolphus sein möchte, so nunmehr, wie er versprochen, der armen bedrängeten Christenheit zur Hülf käme. Im währenden Judiciren aber segelte ein Boot von der Oie7 heran, worin Käte Berowsche ihr Sohn sass, so dorten ein Bauer ist und seine alte Mutter heimbsuchen wollte. Selbiger verzählete, dass es wirklich der König wär, so diesen Morgen von Rügen mit seiner Flotten den Ruden angelaufen, wo ein Paar Oier leute gefischet und gesehen, dass er alsofort mit seinen Officirers an das Land gestiegen, und alldort mit geblössetem Haupt auf seine Knie gefallen sei.8
Ach du gerechter Gott, da hatte ich unwürdiger Knecht am lieben Abend noch eine grössere Jubelfreude, denn am lieben Morgen, und kann man leichtlich bei sich selbsten abnehmen dass ich nicht angestanden, mit meim Töchterlein alsofort auch auf meine Kniee zu fallen