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, dafür aber von Bodinus und andern, selbst für den ärgsten Hexenmeister verschrieen wurde. Und allerdings ist es auffallend dass derselbe freidenkende Mann früher in einer andern Schrift de praestigiis Daemonum, die Beschwörung der Geister gelehrt, und darin die ganze Hölle mit dem Namen und Zunamen ihrer 572 Teufelsfürsten beschrieben hatte. 4 verfänglicher Schluss. 5 d.i. etwa Mädchen und Küchlein zu hüten; soll (wohl) den Teufel selbst verdriessen wobei jedoch zu bemerken, dass die hochdeutsche Sprache das malerische Wort "möten" nicht ausdrücken kann, welches eigentlich bedeutet, mit vorgestreckten Armen das Korn oder irgend einen andern lockenden Gegenstand vor dem Andrange der Tiere zu schützen.

Capitel 14.

Wie der alte Seden plötzlich verschwindet, item der grosse Gustavus Adolphus nachher Pommern kommt,

und die Schanze zu Peenemünde einnimmt.

Mit der Zauberei war es nunmehr eine Zeitlang geruhlig1 so man die Raupen nicht in Anrechnung zeucht, welche mir meinen Obstgarten gar jämmerlich geruiniret, und welches sicherlich ein seltsam Ding war. Denn die Bäumleins blüheten alle so lieblich und holdseelig, dass mein Töchterlein eines Tages sagte, als wir darunter umbher gingen, und die Allmacht des barmherzigen Gottes preiseten, "so uns der Herr weiter gesegnet, ist es diesen Winter bei uns alle Abend heiliger Christ!" Aber es sollte bald anders kommen. Denn es befanden sich im Umbsehen so viele Raupen (grosse und kleine, auch von allerhand Farb und Colör) auf den Bäumen, dass man sie fast mit Scheffeln messen mochte, und währete nit lange, als meine arme Bäumekens, allesammt wie die Besenreiser aussahen, und das liebe Obst, so angesetzet, abfiel, und kaumb vor meinem Schwein zu gebrauchen war. Will hierbei auf Niemand raten, doch hatte gleich dabei meine eigenen Gedanken, und habe sie noch. Sonsten stand mein Gerstenkorn, so ich bei 3 Scheffeln in die Wort gestreuet sehr lieblich. Auf dem feld aber hatte ich nichtes ausgeworfen, angesehen ich die Bosheit des leidigen Satans scheuete. Auch hatte die Gemeine heuer nit viel Seegen an Korn, inmassen sie zumb teil aus grosser Not keine Wintersaat gestreuet, und die Sommersaat auch nit fort wollte. Sonsten an Fischen fungen sie in allen Dörfern durch die Gnade Gottes viel, insonderheit an Häring, welcher aber schlecht im Preise steht. Auch schlugen sie manchen Saalhund2 und habe ich selbsten um Pfingsten aus einen geschlagen, als ich mit meinem Töchterlein an der Sehe ging. Selbiger lag auf eim Stein dicht am wasser und schnarchete wie ein Mensch. Zog mir also die Schuhe aus und ging heimblich hinzu, dass er nichts merkete, worauf ich ihme mit einem Stecken so über die Nasen schlug (denn an der Nasen kann er wenig vertragen) dass er gleich ins wasser purzelte. Doch war ihm die Besinnung schon wegk, und mochte ich ihn nunmehr leichtlich ganz zu tod schlagen. Es war ein feistes Beest, obwohl nit gar gross, und brieten wir doch aus seinem Spek an die 40 Pott Tran, so wir beschlossen zur Winternotdurft aufzuheben.

Hierzwischen aber begab es sich, dass dem alten Seden flugs etwas ankam, also dass er das heilige Sacrament begehrete. Ursache konnte er nit angeben, als ich zu ihm kam, hat es aber vielmehr wohl nit tun wöllen, aus Furcht für seiner alten Lisen, so mit ihren Gluderaugen sein immer hütete, und nicht aus der Stuben ging. Sonsten wollte Zutern sein klein Mädchen, ein Kind bei 12 Jahren am Gartenzaum auf der Strassen, wo sie Kraut vor das Vieh gepflücket, gehört haben, dass Mann und Frau sich etzliche Tage zuvorab, wieder heftig gescholten, und der Kerl ihr fürgeschmissen, dass er nunmehr gewisslich in Erfahrung gebracht, dass sie einen Geist habe, und wölle er alsobald hingehen und es dem Priester verzählen. – Wiewohlen das nur Kinderreden seind, will es doch wohl wahr sein, anerwogen Kinder und Narren, wie man saget, die Wahrheit sprechen.

Doch lass ich das in seinen Würden. Summa: es wurde immer schlimmer mit meinem alten Fürsteher, und wenn ich ihne, wie ich den Brauch bei Kranken hab, alle Morgen und Abend heimbsuchte, umb mit ihm zu beten, und oftmalen wohl merkete, dass er etwas annoch auf seim Herzen hatte, kunnte er doch nichtes herfürbringen, angesehen die alte Lise immer auf ihrem Posten stunde.

So verblieb es eine Zeitlang, als er eines tages umb Mittag aus zur mir schickete: ich wölle ihme doch ein klein wenig Silbers von dem neuen Abendmahlkelch abschrapen3, weilen er den Rat gekriegt dass es besser mit ihm werden würde, wenn er es mit Hühnermist einnähm. Wollte lange Zeit nit daran gehen, massen ich gleich vermutete, dass darbei wieder Teufelsspök verborgen, aber er tribulirete so lange, bis ich ihme den Willen tat.

Und siehe, es half fast von stunde an, so dass er am Abend, als ich kommen war mit ihme zu beten, schon wieder auf der Bank sass, ein Topf zwischen den Beinen, aus welchem er seine Suppen kellete. Wollte aber nit beten (ein seltsam Ding, da er doch sonsten so gerne gebetet, und oftmals kaum die Zeit ausharren kunnte, ehe ich kam, so dass er wohl an die zwei oder dreien Malen geschicket, wenn ich nit gleich zur Hand ware, oder sonst wo mein Wesen hatte), sondern sagete, er hätte schon gebetet, und wölle er mir vor meine Mühe den Hahnen zu einer Sonntagssuppen geben, wovon er den Mist