1843_Meinhold_140_24.txt

denn hier wisse sie keine Hausfrau vor ihn, welches ihn fast schwer verdross, und er nit wieder kam.

Nun hätte männiglich gläuben sollen, der Braten wäre doch auch vor den amtshauptmann zu riechen gewest; nichts destoweniger aber kam er bald darauf wieder herbeigeritten, und freiete nun gerade raus vor seinen Jäger um mein Töchterlein. Versprach auch, er wölle ihm ein eigen Haus in der Heiden bauen, item ihm Kessel, Schüsseln, Betten etc. verabreichen, angesehen er den Kerl aus der heiligen Taufe gehoben, und er sich auch inner sieben Jahren wacker und gut in seinem Dienst gestellet. Hierauf gab ihm mein Töchterlein zur Antwort, dass Se. Gestrengen ja bereits gehöret, dass sie ihrem Papa nur wirtschaften wölle, sie auch noch viel zu jung wäre, umb schon vor eine Hausfrau zu gelten.

Solches verdross ihn aber nit, wie es den Anschein hatte, sondern nachdem er noch eine Zeitlang viel umbsonst discuriret, ging er freundlich abe, wie ein Kätzlein, so sich auch stellet, als liesse sie von der Maus, und hinter die Ecken kreucht, so es doch nicht ihr Ernst ist, und sie alsbald wieder herfürspringt. Denn er sah sonder Zweifel, dass er seine Sache sehr tumm angefangen, darum ging er, sie besser anzuheben, und Satanas ging mit ihm, wie weiland mit Judas Ischariot.

Fussnoten

1 Seehunde. 2 ohne zu pausieren. 3 Die Breite, welche immer mehr ab nimmt, beträgt jetzt kaum noch einen Büchsenschuss. 4 wörtlich. 5 Daher.

Capitel 13.

Was sonsten in diesem Winter fürgefallen, item wie

im Frühjahr die Zauberei im dorf anhebt.

Sonsten ist in diesem Winter nichts Sonderliches fürgefallen, als dass der barmherzige Gott grossen Seegen gab, im Achterwasser wie in der Sehe, und wieder gute Nahrung in der Gemeine kam, so dass auch von uns konnte gesagt werden, wie geschrieben stehet: ich hab dich ein klein Augenblick verlassen, aber mit grosser Barmherzigkeit will ich dich sammlen1. daher wurden wir auch nit müde dem Herrn zu danken, und tät die Gemeine der Kirchen viel Gutes, kaufete auch wieder neue Kantzel- und Altartücher, da der Feind die alten geraubet, item wollte mir das Geld vor die neuen Kelche wieder erstatten, so ich aber nit genommen hab.

Doch hatte es noch bei zehen Bauern im Kapsel die ihr Saatkorn zum Frühjahr nit schaffen kunnten angesehen sie ihren Verdienst vor Vieh und das liebe Brodkorn ausgegeben. Machte also mit ihnen einen Vertrag, dass ich ihnen wölle das Geld dazu fürstrekken, und könnten sie es mir in diesem Jahr nicht wieder aufbringen, möchten sie es im nächsten mir wiedererstatten, welches sie auch dankbarkich annahmen, und schickten wir bei sieben Wagens nacher Fredland in Meklenburg, vor uns Alle Saatkorn zu hohlen. Denn mein lieber Schwager Martin Behring in Hamburg hatte mir allbereits durch den Schiffer Wulf, der zu Weihnachten schon wieder binnen gelaufen war, vor den Birnstein 700 Fl. übermachet, die ihme der Herr gesegnen wölle.

Sonsten starb diesen Winter die alte Tiemksche in Loddin, so vor eine Grossmutter im Kapsel ware, und auch mein Töchterlein gegriffen hat. Aber sie hat in letzter Zeit wenig Arbeit gehabt, inmassen ich in diesem Jahre nur zwei Kinder getaufet, als Jung seinen Sohn in Ueckeritze, und Lene Hebers ihr Töchterlein, so die Kaiserlichen gespiesset. Item sind es fast fünf Jahr, dass ich die letzten Brautleute vertrauet. daher männiglich giessen mag, dass ich hätte mögen zu tod hungern, wenn der gerechte Gott mich nit auf andere Weiss so grundgütig bedacht und gesegnet hätte. darum sei ihm allein die Ehr. Amen.

Hierzwischen aber begab es sich nit lange darauf, als der Ambtshaubtmann das letzte Mal da gewesen, dass die Zauberei im dorf begunnte.

Sass eben und traktirte mit meinem Töchterlein den Virgilium im zweiten Buch, von der gräulichen Verwüstung der Stadt Troja, so doch noch erschröcklicher gewesen denn unsere, als das Geschreie kam, dass unsern Nachbauern Zabel seine rote Kuh, so er sich vor wenigen Tagen gekaufet, im Stalle alle Viere von sich gestossen und verrecken wölle, und solches ein seltsam Ding wäre, angesehen sie noch vor einer halben Stunden wacker gefressen. Mein Töchterlein möchte doch hinkommen, und ihr drei Haare aus dem Schweif ziehen und selbige unter der Stallschwellen verscharren. Denn sie hätten in Erfahrung gebracht, wenn solches eine reine Jungfer tät, würde es besser mit der Kuh. Tät ihnen mein Töchterlein also den Willen, dieweil sie die einige Jungfer im ganzen Dorf war (denn die andern seind noch alle Kinder) und schlug es auch von stunde an, so dass sich männiglich verwunderte. Aber es währete nit lange so kam Wittahnsche ihrem Schwein beim gesunden Fressen auch was an. Selbige kam also angelaufen: dass mein Töchterlein sich umb Gotts Willen erbarmen und ihrem Schwein auch etwas gebrauchen wölle, da böse Menschen ihme was angetan. daher erbarmte sie sich auch, uhd es half alsogleich wie das erste Mal. Doch hatte das Weib, so gravida war, von dem Schröcken die Kindesnot überkommen, und wie mein Töchterlein kaum aus dem Stalle ist, geht sie jünsend, und sich an allen Wänden stützend und begreifend in ihre Bude, rufet auch ringsumbher die Weiber zusammen, da die rechte Grossmutter wie bemeldet verstorben war und währet es nit lange, so scheusst auch etwas unter ihr zur Erden. Doch als sich die Weiber darnach niederbücken, hebt sich der Teufelsspök, so Flügel gehabt, wie eine Fledermaus