, wer hat dir gesagt, dass ich wölle in Dienst treten, umb unter die Hauben zu kommen. Packe dich, und komm mir nit ferner in das Haus, denn ich habe mit dir Nichtes zu schaffen, worauf sie denn auch alsobald wieder mummelnd ihrer Strassen zog.
Kaum aber waren etzliche Tage verschienen, und stehe ich mit dem Glaser in der Stuben so mir neue Fenster eingesetzet, als ich mein Töchterlein in der kammer bei der Küchen schreien höre. Laufe also gleich hinein, und perhorrescire heftiglich, als ich den Ambtshaubtmann selbsten in der Eckeh sah, wie er mein Kind umbhalset hält. Lässt sie aber alsogleich fahren und spricht: ei Ehre Abraham, was habt Ihr für eine kleine spröde Närrin zur Tochter. Will ihr nach meiner Weiss einen Kuss zum Willkommen geben, da wehret sie sich, und tut einen Schrei, als wäre ich ein junger Fant, der sie überschlichen, so ich doch wohl doppelt ihr Vater sein könnte. Als ich hierauf schwiege, hüb er an fortzufahren, dass er sie habe zuversichtlich machen wollen, massen er sie, wie ich wüsste in seinen Dienst begehrete und was er sonst fürbrachte und ich vergessen hab. Nötigte ihn darauf in die stube, dieweil er immer meine von Gott gesetzte Obrigkeit ware, und fragte demütiglich: was Se, Gestrengen von mir wöllen? worauf er freundlich zur Antwort gab: dass er wohl billig mir zürnen möchte, angesehen ich ihn vor der ganzen Gemeine abgekanzelt, solches aber nit tun, sondern die Klageschrift contra me (gegen mich) so er schon gegen Stettin an Se. fürstliche Gnaden geschicket und mir leicht den Dienst kosten könnte, wiederkommen lassen wölle, so ich seinen Willen tät. Und als ich fragete: was Sr. Gestrengen Willen wär, auch mich von wegen der Predigt soviel entschuldiget, als ich konnte, gab er zur Antwort: dass er sehr benötiget sei um eine treue Ausgebersche, so er dem andern Frauensvolk fürsetzen könnte, und da er in Erfahrung gezogen, dass mein Töchterlein eine treue und wackere person sei, möchte ich sie ihme in den Dienst geben. Siehe, sprach er zu ihr und zwackete sie in die Backen, so will ich dich zu Ehren bringen obwohl du ein so junges Blut bist, und doch schreistu, als wöllt ich dir zu Unehren verhelfen. Fu schäme dich! (Mein Töchterlein weiss dieses noch alles verbotenus4, ich hätte es über allen Jammer, so ich nachgehends gehabt, wohl hundertmal vergessen). Aber sie liess sich solches verdriessen, indem sie von der Bank aufsprange und kurz zur Antwort gab: ich danke Ihme für die Ehre, will aber nur meinem Papa wirtschaften helfen, das wird besser Ehre vor mich sein, worauf der Junker sich zu mir hinwendete, und was ich dazu sagte? Ich muss aber bekennen, dass ich in nit geringer Angst ware, inmassen ich an die Zukunft gedachte, und an das Ansehn, in welchem der Junker bei Sr. fürstl. Gnaden stand. Gab also demütig zur Antwort: dass ich mein Töchtcrlein nit zwingen könne, sie auch gerne umb mich behielte, angesehen meine liebe Hausfrau in der schweren Pestzeit bereits dieses Zeitliche gesegnet, und ich nicht mehr Kinder hätte, denn sie alleine. Se. Gestrengen müchten daher nicht ungnädig werden, wenn ich sie nicht bei Sr. Gestrengen in den Dienst schicken könnte. Dieses verdross ihn heftiglich, und nachdeme er noch eine Zeitlang umbsonst disputiret, valedicirte er endlich, doch nicht, ohne mir zu dräuen, dass er es mir schon gedenken wölle. Item hat mein Knecht gehöretso in dem Pferdestall gestanden, dass er umb die Ecken gehend für sich gesagt: ich will sie doch wohl kriegen!
Solches machte mich schier wieder ganz verzaget, als den Sonntag darauf sein Jäger kam, Namens Johannes Kurt, ein hübscher, grosser Kerl und wohlgeputzet. Hatte einen Rehbock vor sich auf das Pferd gebunden, und sagte: dass Se. Gestrengen mir solchen verehret, in Hoffnung ich würde mich besinnen über unsern Handel, anerwogen er seit der Zeit umbsonst nach einer Ausgebersche überall herumbgegabelt. Se. Gestrengen wölle auch, so ich mich anders schickete, bei Sr. fürstlichen Gnaden ein Fürwort tun, dass mir aus dem fürstlichen aerario die Dotation des Herzogen Pilippi Julii verabreichet würde, etc. Dieser junge Kerl erhielt aber dieselbige Antwort, denn sein Herr selbsten und bate ihn er wölle den Rehbock nur wieder mitnehmen. Aber solliches wegerte er sich, und da ich ihm von ungefährlich vorher gesagt, dass Wildprett vor mich das liebste Essen sei, versprach er: mich auch in Zukunft reichlich zu versorgen, weilen es gar viel wild in der Heiden hätte, er öftermalen hier im Streckelberge pürschen ginge, und ich (wollte sagen mein Töchterlein) ihm absonderlich gefiele, zumalen ich nit seines Herren Willen tät, welcherim Vertrauen geoffenbaret, kein Mädchen nit im Friede liesse, es also auch meine Jungfer nit lassen würde. Wiewohlen ich nun sein Wildprett recusirete, bracht er es doch und kam inner 3 Wochen wohl an die vier oder fünf Malen, und wurde immer freundlicher gegen mein Töchterlein. Schwätzete endlich auch viel von seinen guten Dienst, und dass er sich eine gute Hausfrau suche, wo wir denn alsobald merketen, aus welcher Ecken der Wind bliese. Ergo5 gab ihm mein Töchterlein zur Antwort, wenn er sich doch eine Hausfrauen suche, so wundere es ihr, dass er die Zeit verliere, umbsonst nach Coserow zu reuten,