das möge der Herr tun so ihm beliebt, wir aber wöllen dir gerne vergeben!" Hierauf schritt sie endlich nach ihrer Weiss, heimlich mummelnd aus der Türen, doch spiee sie verschiedentlich auf der Strassen aus, wie wir durch das Fensterlein sahen.
Bald darauf beschloss ich einen Jungen bei 20 Jahren und Claus Neels geheissen bei mir in Dienst zu nehmen, und vor einen Knecht zu gebrauchen, angesehen der alte Neels in Loddin sein Vater mich fast harte darum anlag, auch der Bursche an Manieren und sonsten mir wohl gefiel. Denn da es heuer einen guten Herbst hatte, beschloss annoch mir vor's erste zwei Pferde zu kaufen und mein Ackerland abermals zu besäen; denn wiewohl es schon spät im Jahre war, meinete ich dennoch, dass der grundgütige Gott es wohl gesegnen könnte, wenn er wollte.
Auch war ich nit sonderlich umb das Futter für selbige besorgt, massen es in der Gemein einen grossen Ueberfluss an Heu hatte, da alles Vieh wie bemeldet geschlagen oder fortgetrieben war. Gedachte also im Namen Gottes mit meinem neuen Ackersknecht gegen Gützkow zu ziehen, wo auf dem Jahrmarkt viel meklenburgische Pferde gezogen wurden, angesehen dort noch eine bessere Zeit war.1 Hierzwischen aber tät ich mit meinem Töchterlein noch mehr Gänge auf den Streckelberg zur Nachtzeit und im Mondschein, funden aber nichts rechtes, so dass wir schon gläubeten unser Segen sei zu Ende, als wir in der dritten Nacht grosse Stücke Birnstein brachen fast grösser als die, so die beiden Holländer gekaufet. Solche beschloss nunmehr an meinen Schwager Martin Behring gegen Hamburg zu schicken, massen Schiffer Wulff aus Wolgast, wie mir gesagt ward, noch in diesem Herbest hinaufseegeln wöllen, um Teer und Schiffesholz überzuführen. Packete also alles in eine wohlverwahrete Kiste, und nahm selbige mit gegen Wolgast, als ich mit meinem Ackersknecht gegen Gützkow aufbrach. Von dieser Reise will nur soviel vermelden: dass es alldorten fast viele Pferde aber wenig Käufer hatte. daher kaufete zwo schöne Rappen das Stück zu 20 Fl. item einen Wagen umb 5 Fl. item 25 Scheffel Roggen, so auch vom Meklenburg dahin geführt warumb 1 Fl. den Scheffel, da er in Wolgast fast gar nit mehr aufzugabeln ist, und alsdann wohl an die drei Fl. und drüber gilt. Hätte darum hier in Gützkow schöne Kaufmannschaft in Roggen halten können, so es meines Amts gewest, und ich auch nit befürchtet, dass die Schnapphanichen, woran es in dieser schweren Zeit fast überhand nimmt, mir mein Korn wieder abgenommen, und noch wohl dazu gemaltraitiret, und erwürget hätten, wie Etzlichen geschehen. Denn insonderheit wurde solche Räuberei zu Gützkow zu dieser Zeit in der Strelliner Heiden mit grossem Spök2 getrieben, kam aber mit des gerechten Gottes hülfe gerade an das liebe Tageslicht, als ich mit meinem Akkersknecht alldorten in den Jahrmarkt verreiset war, und will ich solliches hier noch bemelden. Vor etzlichen Monden war ein Kerl zu Gützkow aufs Rad gestossen, weil er durch Verführung des leidigen Satans einen reisenden Handwerksmann erschlagen. Derselbige aber fing alsobald an so erschröcklich zu spöken, dass er zur Abend- und Nachtzeit mit seinem armen Sünderkittel von dem Rade herniedersprang, sobald ein Wagen vor dem Galgen vorbeifuhr, der an der Landstrassen nacher Wolgast zustehet, und hinter den Leuten hersetzte, wo sie denn mit vielen Abscheu und Grauen die Rosse anklappten, so dass es einen grossen Rumor auf dem Knüppeldamm schlug welcher benebenst dem Galgen in ein klein Hölzlein führte, der Kraulin geheissen. Und war ein wunderlich Ding, dass in selbiger Nacht die Reisenden fast immer in der Strelliner Heiden geplündert oder erwürget wurden. daher liess die Obrigkeit den Kerl von dem Rade heben und begrube ihn unter dem Galgen in Hoffnung, dass der Spök sich legen sölle. Aber es sass nach wie vorab bei Nachtzeiten schloweiss auf dem Rade, so dass Niemand nicht mehr die Strasse gegen Wolgast fahren wollte. Da begab es sich denn, dass in benanntem Jahrmarkt gegen die Nachtzeit der junge Rüdiger von Nienkerken von Mellentin auf Usedom belegen, so in Wittenberge und anderswo studiret, und nun wieder heimkehren wollte mit seinem Fuhrwerk, dieser Strassen zog. Hatte ihm kurz vorher noch selbsten im Wirtause gepersuadiret, dass er von wegen den Spök zur Nachtzeit in Gützkow verbleiben, und des nächsten Morgens mit mir fahren wölle, was er aber verwegerte. Als selbiger Junker nun die Strasse gefahren kommt, sieht er auch wieder alsobald den Spök auf dem Rade sitzen, und ist er kaum an dem Galgen fürüber, als das Gespenste herniederspringt, und ihm nachsetzet. Der Fuhrmann entsetzet sich mächtiglich, und macht es wie alle anderen, klappet die Pferde an, so fast scheu geworden, und für Angst den Mist gelassen und beginnet mit grossem Rumor über den Knüppeldamm zu jagen. Hierzwischen bemerket aber der Junker beim Mondenschein, dass der Spök einen Pferdeapfel über welchen er rennet, breit tritt, und nimmt sogleich bei sich ab, dass solches kein Gespenst sei. Rufet daher den Fuhrmann, er sölle halten, und da dieser nit auf ihn höret, springet er von dem Wagen, zeucht seinen Stossdegen, und eilt dem Spök auf den Leib. Als der Spök solches gewahr wird, will er umbkehren, aber der Junker schlägt ihne mit der Faust in das Genicke, dass er gleich zur Erden stürzet und ein laut Gejünse3 erhebt. Summa: nachdem der Junker seinen Fuhrknecht gerufen, bringt er den Spök bald darauf wieder in die Stadt geschleppt und ergab es sich, dass selbiger ein Schuster war,