und Wolgast, jetzt Zinnowitz geheissen.
Als wir nun über die Fähr kamen, sprachen wir auf den Schlossplatz bei Sehms ein, so ein Krüger ist, welcher uns verzählete, dass die Pest noch immer nit ganz in der Stadt aufgehöret, worüber ich fast erschrake, zumalen er auch noch viele andere Gräuel und Leiden dieser betrübten Zeit, so hier und an andern Orten beschehen, uns für Augen stellte, e.g. von der grossen Hungersnot im Land zu Rügen, wo viele Menschen für Hunger so schwarz wie die Mohren geworden, ein wunderlich Ding, so es wahr ist, und möchte man daraus fast giessen, wie die ersten Mohren entstanden seind5. Aber das lassen wir jetzt in seinen Würden. Summa als Meister Sehms uns verzählet, was er Neues wusste, und wir daraus zu unserm Troste sahen, dass der Herr uns nicht allein heimbgesuchet in dieser schweren Zeit, rieffe ich ihn in eine kammer, und fragete ihn, ob es hier nicht wo gelegenheit hätte, ein Stück Birnstein zu versilbern, so mein Töchterlein an der Sehe gefunden. Aber er sagte erstlich nein, darauf aber sich besinnende hub er an: "halt lass Er sehen. Denn es seind hier beim Schlosswirt Niclas Grecken zwo holländische fürnehme Kaufleute in Herberge, als: Dieterich von Pehnen und Jakob Kiekebusch, welcher Teer und Bretter kaufen, item Schiffholz und Balken, vielleicht dass diese auch auf Seinen Birnstein feilschen, doch geh Er selbsten auf das Schloss, dennich weiss nit mehr vor gewiss, ob sie heute noch hier seind." Solliches tate ich auch, obwohl ich bei dem mann noch nichts verzehret, angesehen ich erst absehen wöllte, wie's mit dem Handel abliefe, und die Witten so der Kirchen gehörten, bis so lange verspaaren. Kame also auf den Schlosshof. – Aberdu lieber Gott, wie war auch Sr. fürstlichen Gnaden Haus seit kurzer Zeit fast zur Wüstenei worden. Den Marstall und das Jagdhaus hatten anno 1628 die Dänen gebrochen; item viele Zimmr im schloss geruiniret, und in Sr. fürstlichen Gnaden des Herzogen Philippi Locament, wo er mich ao. 22 mit meinem Töchterlein, wie man weiter unten lesen wird, so mildiglich getractiret, hausete jetzt der Schlosswirt Niclas Graeke, und waren all die schönen Tapecereien, worauf die Wallfahrt Sr. fürstlichen Gnaden weiland Bagislai x. gegen Jerusalem fürgestellet wär, heraussergerissen und die Wände grau und garstig6. Solliches sah mit betrübtem Herzen, fragte darum alsobald nach den Kaufleuten, welche hinter dem Tische sassen, und schon Abschiedszeche hielten, dieweil ihr Reisegeräte allbereits umb sie lag, umb damit nacher Stettin aufzubrechen. Als nun der eine von der Zeche aufsprange, ein kleiner Kerl, mit einem gar stattlichen Wanst, und einem schwarzen Pflaster über der Nasen, und mich fragete: was ich wölle? nahme ich ihn abseiten in ein Fenster, und sagte: dass ich schönen Birnstein hätte, und ob er gesonnen, mir solchen zu versilbern, was er gleich zu tun versprach. Und nachdem er seinem Gesellen etwas ins Ohr gemurmelt, wurde er fast lieblich aussehen, und reichte mir auch erst den Krug, bevorab wir in meine Herberge gingen. Tat ihm also recht wacker Bescheid, da ich, wie obbemeldet noch nüchtern war, so dass mir gleich bass umbs herz wurde. (Du lieber Gott, was gehet doch über einen guten Trunk so es mit massen geschieht!) Darauf schritten wir in meine Herberge, und musste die Magd die Kiste abseiten in ein Kämmerlein tragen. Doch hatte ich selbige kaum aufgetan, und das Kleid davon gezogen, als der Mann (so Dieterich von Pehnen war, wie er mir unterwegs gesagt) für Freuden die hände in die Höhe hub, und sagete: dass er solchen Segen in Birnstein noch niemals nit gesehen, und wie ich dazu gekommen? Antwortete also, dass ihn mein Töchterlein an der Sehe gefunden, worüber er sich sehr verwunderte, dass es hier so viel Birnstein hätte, und mir gleich vor die ganze Kiste 300 Fl. böte. War für Freuden über solchen Bot ausser mir, doch liess mir nichtes merken, besonderen feilschte mit ihme bis auf 500 Fl. und söllte ich nur mit ins Schloss kommen und dorten gleich mein Geld haben. Bestellete daher gleich bei dem Wirt einen Krug Bier, und vor mein Töchterlein ein gutes Mittagbrod, und machte mich mit dem Mann und der Magd, so die Kiste truge wieder ins Schloss auf, bittende: er wölle aber, umb gemeiner Verwundrung willen, nichtes nicht von meinem grossen Seegen zu dem Wirt oder sonst zu männiglich hier in der Stadt sagen, und mir mein Geld sonderlich7 aufzählen, massen man auch nit wissen könnte ob mir die Schnapphanichen8 nicht unterweges aufpassten, wenn sie solches erführen, welches der Mann auch tät. Denn er mürmelte gleich seinem Gesellen wieder ins Ohr, worauf dieser seinen ledernen Rock auftät, item sein Wams und seine Hosen, und sich ein Kätzlein von seinem Wanst schnallete, so trefflich gespicket war, und er ihme reichete. Summa: es währete nit lange, so hatte ich meinen Reichtumb in der Taschen, und bate der Mann noch überdies, wenn ich wieder Birnstein hätte, sölle ich ja gegen Amsterdamm an ihn schreiben, was ich auch zu tun versprach. Aber der gute Kerl ist, wie ich hernachmals erfahren in Stettin an der Pest mit seinem Gesellen verstorben, welches ich ihm nicht gewünschet.9 Darauf wäre bald in grosse Ungelegenheit kommen.