wieder, niemals fand irgend eine Erklärung zwischen ihnen statt, und ein Brautpaar, das mit leidenschaftlicher sehnsucht nach seiner Vereinigung gestrebt hatte, war plötzlich und auf die schmerzhafteste Weise für immer getrennt.
Still und einsam verlebte man den Sommer in Berghoff, da auch Terese einige Zeit nach diesen Ereignissen zu ihrer Mutter zurückkehrte. Sie behauptete, zu haus nötig zu sein, und man sah es nicht ungern, als sie selbst den Wunsch aussprach, die Freunde zu verlassen, weil ihre Anwesenheit Jenny nicht angenehm zu sein schien.
Erst spät im Jahre kehrte man in die Stadt zurück. Jenny hatte sich allmälig wieder in die Verhältnisse einzuleben, die ihr fremd geworden, da ihnen die Beziehung auf Reinhard genommen war.
Und als diesmal der Sylvesterabend erschien, der im vorigen Jahre so glückliche Menschen in ihrem Vaterhause vereinte, war die Familie allein und nahm selbst Steinheim's Besuch nicht an, um Jenny's schmerzliche Erinnerungen zu schonen, wennschon man mit Dank sein Bestreben erkannte, den Freunden, mit denen er die guten Stunden verlebt, auch am bösen Tage ein treuer Gefährte zu sein. Nahezu acht Jahre waren seit diesen von uns erzählten Vorgängen entschwunden, als im Schatten der Bäume, welche sich auf der Klosterwiese in BadenBaden erheben, an einem Junimorgen eine Dame ruhig vor ihrem Zeichenbrette sass. Es war eine kleine schlanke Figur. Lange schwarze Locken fielen auf das Papier nieder und verbargen das Gesicht der Arbeitenden; aber man war berechtigt, feine Züge zu erwarten, wenn man von ihrer schmalen Hand und dem zierlichen Fuss auf ihr Gesicht schliessen sollte. Ein sechsjähriger, hellblonder Knabe spielte in einiger Entfernung und versuchte vergebens, die Aufmerksamkeit der Dame auf sich zu ziehen. Er kam endlich näher und rief: Sieh hin Tante! dort kommt der Vater mit Graf Walter. – Dann, als die Dame sich erhob, um die Kommenden zu begrüssen, sprang er fröhlich fort und bot den Herren in seinem fremdklingenden Deutsch seinen Willkomm und guten Morgen.
Ist Deine Mutter noch in ihrem Zimmer, Richard? fragte der Vater des Knaben.
Nein! antwortete für ihn die Zeichnerin, die unsere Leser wohl wieder erkannten, nein, lieber Hughes; Clara ist Ihnen mit der Wärterin und Lucy entgegen gegangen, um Ihnen von den neuesten Fortschritten zu erzählen, welche die Kleine gemacht hat. Ich wundre mich, dass Sie ihr nicht begegnet sind. Sie wollte am Goldbrünnlein auf Sie warten.
O, Schade! rief Hughes, dass wir durch die Stadt gingen und sie verfehlten. Ich will sogleich zurückkehren, sie zu holen. Sie bleiben wohl hier bei unserer Freundin, lieber Walter, und erwarten unsere Rückkehr.
Mit dem grössten Vergnügen! antwortete der Angeredete, wenn ich das fräulein nicht in der Arbeit störe!
Ach! die kann ich später beenden, sagte Jenny freundlich. Kommen Sie, Herr Graf, und beichten Sie, warum man Sie in den letzten Tagen gar nicht mehr gesehen hat?
Er tat, wie sie von ihm begehrte, und Hughes ging mit seinem Knaben davon, die Mutter und das kleine Schwesterchen zu holen.
Während nun der Graf von seinen Ausflügen und Streifereien in der Umgegend erzählt, sei es uns vergönnt, mit flüchtigen Umrissen den Zeitraum von acht Jahren auszufüllen, der zwischen der ersten und zweiten Hälfte unserer Erzählung liegt. Der Schmerz über die Trennung von Reinhard hatte Jenny's Seele in ihren innersten Tiefen erschüttert und sie prüfend in ihr eigenes Herz blicken lassen, um dort einen Grund für Reinhard's ihr unerklärliches Betragen zu finden. Es schien ihr leichter, Unrecht zu haben, sich selbst eines Fehlers zu zeihen, als Reinhard eine Schuld beizumessen: denn wahre Frauenliebe klagt lieber sich, als den Geliebten an. Nun ist das menschliche Herz recht eigentlich der Acker, den man nur zu durchwühlen braucht, um die köstlichsten Schätze zu entdecken. Auch Jenny fand deshalb in sich, statt des Unrechts, das sie in ihrem Herzen suchte, die Kraft, das Leben zu ertragen, es trotz seiner Schmerzen zu lieben. Sie gewann es über sich, fremdes Glück und Leid zu dem ihren zu machen und in der Hingebung an Andere, an ihre Freunde, Trost für einen Verlust zu finden, der ihr unersetzlich schien.
Als Herr Meier sie so weit beruhigt und fähig sah, sich durch den Wechsel äusserer Gegenstände zerstreuen zu lassen, machte er den Vorschlag zu einer Reise, die im Beginn des Frühjahrs angetreten wurde. Man ging nach dem südlichen Frankreich, verlebte einen Winter in Paris und besuchte Italien im folgenden Jahre. Hier war es, wo Jenny den Maler Erlau wiederfand, dessen Name aus der Ferne ruhmvoll erklungen war, und dessen treffliche arbeiten sie in Paris zu bewundern gelegenheit gehabt hatten.
Das Wiedersehen war ein Augenblick tiefer Bewegung für Beide. Erlau, seinem Vorsatz getreu, hatte ausser aller Verbindung mit seinen Freunden gelebt; er wähnte Jenny längst mit Reinhard verheiratet und die Entdeckung des Gegenteils erfüllte ihn mit Hoffnung. Von der Stunde an wurde er Jenny's unermüdlicher Führer in der Wunderwelt, die sich in Italien vor ihren Augen erschloss und die ihren vollen Zauber auf zwei so lebhaft fühlende Menschen auszuüben nicht verfehlte. Aber nicht lange sollte Jenny diese Freude ungetrübt geniessen. Sie gewahrte mit sorge, dass Erlau's leidenschaft für sie nicht erloschen sei, dass sie jetzt in dem täglichen Beisammensein wieder heftig entbrannte und sich von Hoffnungen nährte, die Jenny nicht zu erfüllen vermochte. Dies veranlasste die Ihren, auf