bald darauf Clara nach Berghoff und mit einer Gewandteit, die aus dem feinsten Schicklichkeitsgefühl und einem wohlwollenden Herzen entsprang, wusste er Eduard und Clara vor jeder zu schmerzlichen Berührung zu bewahren.
Während die Damen sich mit einer Unterhaltung über die in beiden Häusern nötig gewordenen Ausstattungen für die Bräute beschäftigten, zog William seinen Freund mit sich und sagte: Lieber Eduard! Clara hat gegen mich das Verlangen geäussert, Sie noch einmal allein zu sprechen, und ich hatte ihr zugesagt, ihr dazu gelegenheit zu geben. Später bin ich anderer Meinung geworden, ich habe Clara gebeten, der Erfüllung dieses Wunsches zu entsagen. Sie werden mir zugeben müssen, dass es für uns Alle besser ist, wenn wir uns so schnell als möglich über eine Zeit fortzuhelfen versuchen, die an schmerzlichen Eindrücken nur zu reich ist. Deshalb habe ich meine Tante überredet, unsere Hochzeit zu beschleunigen. In vierzehn Tagen spätestens soll sie vollzogen werden.
Ich billige Ihre Ansicht vollkommen und danke Ihnen für Alles, was Sie tun, Clara's Gefühle zu schonen, antwortete der Doctor.
Und nun Eduard! sagte William, noch eine Bitte. Ich habe Sie seit unserm ersten Begegnen für einen seltenen Mann gehalten; weil Sie der sind, lassen Sie es mich nicht entgelten, dass ich glücklicher bin als Sie. Ich werde bald eine Frau haben, die ich liebe – soll ich deshalb den Freund verlieren, den ich gewonnen zu haben glaubte?
Nein, bei Gott! das sollst Du nicht! rief Eduard, hingerissen von William's Worten. Glaube mir, William! dass ich Dich aus Grund der Seele achte; aber wundre Dich nicht, wenn mir jetzt, wo ich von den Hoffnungen meiner Vergangenheit so plötzlich scheide, Gegenwart und Zukunft noch umwölkt erscheinen; wenn ich keinen andern Gedanken habe, als wie gross das Glück war, auf das ich verzichten musste. Dir vertraue ich dies Glück an, und könnte mich Etwas trösten, so wäre es das Bewusstsein, Clara an Dich, an den Würdigsten verloren zu haben.
Arm in Arm kehrten sie zu den Uebrigen zurück, sie fanden Steinheim in der Familie, der eben dazu gekommen war. Ich schwöre Ihnen, sagte er, ich wäre längst einmal hieher gekommen, wenn die fatale Hitze mir nicht eine vollkommene Nervenabspannung zu Wege brächte; besonders da die Stadt so still und einsam ist, wie Pompeji vor der Ausgrabung.
So bringen Sie uns keine Neuigkeiten mit, und wir Landleute wissen mehr als Sie. Denken Sie nur, der räuberische Engländer entführt uns Clara schon in der nächsten Woche! bemerkte Jenny.
Ja! dann hat er ein Recht, stolz zu sein, weil wir dann das einzige an ihn verlieren, um das England uns beneiden musste, rief Steinheim, Posa's Worte parodirend, indem er sich gegen Clara tief verneigte.
Die Hitze macht Sie nicht galanter, sagte Jenny lächelnd, denn Sie vergessen, dass William mich nicht ebenfalls mitnimmt, sondern dass ich hier bleibe, um mich an Ihnen für Ihren Mangel an Galanterie zu rächen.
Gehört die Rache auch zu den christlichen Tugenden einer Frau Pfarrerin? fragte Steinheim, und da Jenny, gegen sein Erwarten, nichts darauf erwiderte, sondern die Frage fallen liess, wendete er sich zu den Herren, die, seitwärts stehend, mit einander sprachen. Bald aber kehrte er wieder zu den Damen zurück, weil, wie er behauptete, da, wo die Männer sässen, ein furchtbarer Zugwind wehe, von dem man in dieser Witterung den Tod haben könnte. Man lachte ihn aus, und doch war er heute Clara willkommen. Seine Anwesenheit, seine Unterhaltung, auch wenn sie, wie fast immer, nur sein "Ich" betraf, zogen die Aufmerksamkeit von ihr ab; und je grösser der Zirkel wurde, um so ungestörter konnte sie sich in die Erinnerung alles Dessen versenken, was sie in diesem Kreise erlebt hatte, und was sich heute unwillkürlich ihrem geist aufdrängte.
Sehen wir Sie vor Ihrer Hochzeit noch? fragte die Hausfrau sie, als sie später schieden.
O, gewiss! antwortete Clara, ich komme noch Abschied von Ihnen Allen zu nehmen, da wir gleich nach der Trauung abreisen. Denken Sie unser, wenn wir nicht mehr hier sein werden! bat sie mit kaum unterdrücktem Weinen, und ihr blick traf Eduard, der ihn nur zu wohl verstand. William aber machte der stummen Scene schnell ein Ende und führte seine Braut davon. Die Trauung des neuen Ehepaares war vorüber; die junge Frau in Reisekleidern war des Augenblickes gewärtig, in dem die Diener melden würden, dass Alles zur Abreise bereit sei. Die Gäste hatten sich entfernt, nur Jenny und Eduard waren noch geblieben. In sich gekehrt sah dieser kaum, was um ihn vorging; er wünschte, der schwere Kampf des Scheidens wäre an Clara und ihm bereits vorüber. Die Commerzienrätin sprach mit ihrem Schwiegersohne und empfahl ihm die dringendste Vorsicht für die junge Frau, welche Hand in Hand mit ihrem Vater da sass, der in ihr seine einzige Freude verlor.
Da trat ein Diener herein und wie ein elektrischer Schlag durchzuckten Jeden die einfachen Worte: Der Postillon hat angeschirrt!
Weinend schieden die Eltern von der einzigen, schönen Tochter; weinend sank sie Jenny in die arme und wollte, sich gewaltsam losreissend, an Eduard vorüber, ihrem mann folgen. Dieser aber hielt sie zurück. Und Eduard? sagte er leise mahnend, und führte sie selber zu dem Freunde