, fiel er ihr ins Wort, und das vergönne mir. Eduard fühlt wie ich, dass Deine Mutter nicht darein willigen würde, Dich unvermählt zu lassen, auch wenn ich ganz auf Deine Hand verzichtet hätte. Und glaube mir, kein Mann, den man für Dich wählen könnte, wird Dich mehr lieben, als ich, Niemand mit grösserm Vertrauen die Zeit abwarten, bis Dein gerechter Schmerz sich gemildert haben und Du im stand sein wirst, wieder an ein Glück zu glauben, das Dir jetzt unmöglich scheint.
Clara schüttelte schweigend den Kopf, er tat, als ob er es nicht bemerke, und fuhr nur noch freundlicher fort: Ich komme Dir vielleicht kalt vor und Du fürchtest Dich vor dieser Ruhe; aber sie kommt aus der Zuversicht, dass Du Dich in die unabwendbare Trennung von Eduard fügen und dass es meiner treuen Liebe gelingen müsse, Dich wieder zu erheitern, Dich froh zu sehen in dem Bewusstsein, einem redlichen mann das höchste Gut zu sein. Er schilderte ihr, wie sehnsüchtig seine Mutter in ihr die Tochter erwarte, die der Himmel ihr selbst verweigert habe; wie man sie lieben und mit offenen Armen im haus seiner Eltern empfangen werde, und seine tiefe Rührung zu verbergen, schloss er mit der scherzenden Bemerkung: Du kannst doch vielleicht nicht verlangen, Clärchen! dass ich jetzt, nachdem ich den Eltern die Versicherung gegeben habe, in Dir den grössten Schatz des Continents mit nach haus zu bringen, allein zu ihnen wiederkehren und ihnen sagen soll: Ich war ein eitler Tor, als ich von ihrer Liebe sprach, sie hat mich nicht gemocht.
Unwillkürlich lächelte Clara; da konnte William sich nicht länger halten und, mit aller Fröhlichkeit eines Liebenden aufspringend, nahm er sie in seine arme, küsste sie und rief: Mag nun daraus entstehen, was da will, das ertrage ein Anderer, wenn man sich Monate lang für den glücklichsten Bräutigam gehalten hat, mit einemmal wieder zum Cousin zu werden. Einen Kuss habe ich glücklich gestohlen, gleichviel, ob als Verlobter oder als Cousin; nun will ich wieder geduldig warten und ruhig Deinen Zorn ertragen.
Und zornig war Clara wirklich über einen Ausbruch, der in so grellem Widerspruch zu seinen Worten stand, dass sie ihn schnell und offenbar gekränkt verliess. Indessen, diese Unterredung blieb doch nicht ohne wirkung. Gewohnt an verständige überlegung, konnte Clara es sich nicht verbergen, dass William Recht hatte, als er behauptete, ihre Mutter werde auf eine andere Heirat bestehen, wenn es ihr selbst gelänge, sich jetzt von der Verbindung mit ihrem Cousin zu befreien, dessen Betragen ihren aufrichtigen Dank verdiente. Sie sah ein, dass sie und Eduard keine Hoffnung hätten; aber dass Eduard ihrem Vetter das zugestanden hatte, verletzte sie, ohne dass sie ihn anzuklagen vermochte. Sie konnte an Eduard's Liebe, an seinem Schmerz über ihre Trennung nicht zweifeln; sie nannte es recht, dass er sie jetzt vermeide, und doch war sie unzufrieden mit ihm, mit William und mit sich, obgleich sie fühlte, dass Keiner von Allen anders handeln konnte, als er's tat. Der Gedanke, von Eduard getrennt zu sein, fasste auf die Weise in ihr Wurzel, ohne dass dadurch William ihr näher rückte, der sich in seiner herzlichen Bewerbung immer gleich blieb und sein Ziel keinen Augenblick aus dem gesicht verlor, die Neigung der Geliebten zu gewinnen. Er hatte daneben die schwere Pflicht, seine Tante über sein eigentümliches verhältnis zu Clara zu täuschen, was um so nötiger war, als die Commerzienrätin noch immer vergebens auf Antwort von Ferdinand harrte und deshalb gereizt und leicht verletzlich war.
Sie hatte ihrem Sohne zu wiederholten Malen geschrieben, sich endlich an ihren Schwager gewendet und von ihm erfahren, wie Ferdinand gleich nach Empfang ihres Briefes mit seiner Geliebten verreist sei, ohne irgend eine Nachricht zu hinterlassen, wohin er gehe oder wohin man ihm die Briefe von haus nachsenden solle. Es scheint, bemerkte ihr Schwager schliesslich, als ob er aufs Neue in den Besitz einer grösseren Summe gekommen sei, welche ihm diese Reise möglich macht. Es blieb jetzt der Commerzienrätin keine Wahl, sie musste sich entschliessen, ihrem mann das geheimnis zu entüllen, und die unangenehme Scene, welche die Heftigkeit beider Teile hervorrief, warf die Mutter aufs Neue nieder. Da langte endlich ein Brief von Ferdinand an, aber er war nicht an die Eltern, sondern an William gerichtet und lautete wie folgt:
"Du hast Dich der Mühe unterzogen, ohne dass ich darum bat, meiner Mutter eine Mitteilung zu machen, die ich noch geheim zu halten wünschte. Es scheint, dass dergleichen Vermittlungen Dir Vergnügen machen, und Du wirst es deshalb in der Ordnung finden, wenn ich Dich jetzt ersuche, meine Eltern gefälligst davon zu unterrichten, dass ich mich in der vorigen Woche verheiratet habe und mit meiner Frau nach Paris gegangen bin. Ich werde dort bleiben, so lange die Summe, welche meine Mutter mir geschickt hat, ausreicht, in Paris in der Weise zu leben, an welche meine Frau gewöhnt ist. Danke meiner Mutter, dass sie, wie immer meine Wünsche erratend, auch jetzt meiner Bitte zuvorkam und mir die Mittel gab, schneller zur Ausführung eines Entschlusses zu schreiten, der unwiderruflich war, weil er mein Glück sichert und zugleich die Erfüllung einer Pflicht ist gegen eine Frau, die aus Liebe für mich eine glänzende Zukunft aufgegeben hat. Jeder Versuch, diese Verbindung zu lösen,