ich nicht, und können wir nie werden.
Jetzt verstand er sie; und im Tone des Vorwurfs fragte er: Und das erfahre ich erst jetzt, nachdem ich seit lange an Deine Liebe geglaubt, auf Deine Hand gerechnet hatte? Wie durftest Du so an mir handeln? Wie konnte Deine Mutter mir so zuversichtlich ihr Wort für Dich geben?
Vergib mir, William, bat Clara, wenn ich Dir verschwieg, was wir einander nur gestanden, um es für ewig zu vergessen. Niemand weiss davon, und von Dir, von Deiner Grossmut erflehe ich es als die höchste Gunst, dass Du selbst dem Anspruche an meine Hand entsagst und mir beistehst, die Verzeihung meiner Mutter zu erlangen. Sie wird unerbittlich darauf dringen, dass ich ihr Wort löse und Dir meine Hand gebe, die Du nicht begehren wirst, da Du jetzt Alles weisst.
William hatte sich niedergesetzt und sah düster sinnend vor sich nieder. Die widersprechendsten Gefühle wogten in seiner Brust. Ein paarmal war es, als ob er seinen Gedanken Worte geben wolle, dann aber unterdrückte er sie wieder, wie wenn er das rechte Wort noch nicht gefunden hätte, bis er endlich aufstand, Clara die Hand reichte und sagte: Du siehst wohl, dass ich darauf nicht vorbereitet war, mich nicht darein finden kann; denn es fällt schwer, so plötzlich von seinen liebsten Hoffnungen zu scheiden. Darum fordere heute keinen Entschluss, kein Versprechen von mir; nur darauf nimm mein Wort, Niemand, auch Deine Mutter nicht, soll Dich zu einem Schritte zwingen, der mich nicht glücklich machen kann, wenn Du ihn nicht freiwillig tust.
Guter, edler Mann! rief Clara dem Enteilenden nach, der sie nach seinen letzten Worten verlassen hatte, um Eduard aufzusuchen und sich mit diesem zu erklären.
Er traf den Doctor glücklicherweise in der Stadt und zu haus, wo er in den jetzt einsamen Gängen des Gartens umherging und schnell William entgegeneilte. Sie reichten sich die hände zum gewohnten Gruss, aber plötzlich zog Hughes seine Hand zurück und Eduard, die Absichtlichkeit dieser Handlung bemerkend, sagte: Sie kommen von Ihrer Cousine!
Ich komme von ihr und weiss Alles, antwortete der Andere. Was haben Sie mir darauf zu sagen?
Einen Augenblick bedurfte Eduard, um sich zu sammeln, dann sprach er mit sicherer stimme: Wir Beide, denke ich, können auch in dieser Angelegenheit, die uns gleich nahe berührt, offen zu Werke gehen, weil sie dem Einen so heilig ist, wie dem Andern. Es wäre unwahr, wenn ich mich einer Grossmut rühmen wollte, die ich nicht in mir fühlte. Ich liebe Clara, das wissen Sie, und würde Alles daran gesetzt haben, sie zu besitzen, wäre es möglich für mich gewesen, ohne meine Ehre zu opfern. Nur nachdem ich alles Mögliche versucht, vergeblich versucht habe, fügte ich mich widerstrebend in den Gedanken, Clara zu entsagen.
Und das erzählen Sie mir? mir, dessen Ansprüche an Clara Sie kannten, mir, der Sie für seinen Freund hielt?
Sie irren! entgegnete der Doctor. Ich kannte Ihre Ansprüche nicht, aber ich ahnte, dass Clara Ihnen bestimmt und teuer sei, ich wusste fast gewiss, dass meine Hoffnung sich nur von meinen Wünschen täuschen liess, und dennoch kämpfte ich vergebens gegen eine Neigung an, die Clara erriet und teilte, so sehr ich sie ihr zu verbergen strebte. Der Kampf um Liebe, um ein Weib ist ein unerbittlicher Kampf, ein Kampf auf Leben und Tod. Es gibt kein Drittes. Und wenn zwei Unglückliche auf dem Meere schiffbrüchig umhergetrieben werden, wenn ein letztes Brett Beide von sicherm Verderben trennt, wenn Einer untergehen muss; werden Sie Den verdammen, der, um sich zu retten, den Andern im unwillkürlichen Trieb der Selbsterhaltung hinunterstösst, auf die Gefahr hin, ihn sinken zu sehen?
Ihr Gleichniss mag richtig sein, versetzte William bitter; ich bin nur leider nicht in der Stimmung, mich mit Gleichnissen abzufinden, und muss Sie deshalb bitten, mir unumwunden zu erklären, wie Sie in Betreff meiner Cousine jetzt zu handeln denken. Eduard wollte heftig werden, aber er bezwang sich und antwortete mit möglichster Ruhe: Ich handle, wie Clara es von mir gefordert, wie ich es vor mir selbst verantworten kann, und ich bitte Sie, zu bemerken, dass nur die Rücksicht auf Ihr gekränktes Gefühl und auf die Ansprüche, welche Sie an Clara zu haben glauben, mich zu irgend einer Erklärung veranlasst, die Sie in diesem Tone von mir zu fordern nicht berechtigt sind. Nachdem ich jede Hoffnung verloren hatte, mir Clara zu gewinnen, und ihr im ersten Schmerz darüber meine Liebe gestand, wollte ich für immer von ihr scheiden; und ich sagte ihr das schriftlich. Sie selbst befahl mir zu bleiben, obgleich auch sie von der Hoffnungslosigkeit unserer Liebe vollkommen überzeugt war. Ich blieb, weil sie es wünschte, weil sie die Entsagung, zu der wir verdammt sind, leichter zu tragen hoffte, wenn wir uns nicht plötzlich und gewaltsam trennten. Seitdem habe ich sie nur selten und niemals allein gesprochen; ich habe mir keine Annäherung erlaubt, ich wage auch nicht, den kleinsten Anspruch an Clara zu machen, weil ich leider ihr nichts bieten, nichts sein darf, was mich dazu ermächtigte. Ich weiss, man wird darauf dringen, dass Clara sich verheiratet. Schwer wird mir der Gedanke, sagte er, und seine Festigkeit wankte so sehr