in einen grossen Reichtum verwandelt, dessen er bei seiner Bildung auf würdige Weise zu geniessen wusste, und von dem er dem Dürftigen gern und reichlich mitteilte. Aus Neigung hatte er sich früh mit seiner Frau, einem schönen und guten Mädchen, verheiratet, die ihm mit immer gleicher Liebe zur Seite gestanden, und ihm zwei Kinder, Eduard und Jenny, geboren hatte. In seiner Frau, und mit ihr in diesen beiden Kindern, hatte Meier Trost und Ersatz gefunden, wenn Welt und Menschen ihren Hass und ihre Unduldsamkeit gegen den Juden bewiesen, wenn man ihn ausgeschlossen hatte von Gemeinschaften, ihm Rechte verweigert, deren Gewährung jeder Mann von Ehre zu fordern hat. Die Tätigkeit, Wirksamkeit und Liebe, denen einer grossen Gesammteit zu nutzen nicht vergönnt war, waren lange Zeit hindurch Eduard's alleiniger Segen geworden, da er mehr als zehn Jahre älter war als seine Schwester.
Man wundert sich oft, dass die Juden noch immer die Geburt eines Messias erwarten und die göttliche Sendung Jesu weder anerkennen noch begreifen. Aber von ihrem Standpunkte aus muss das ganz natürlich scheinen. Wie sollten sie an eine Lehre glauben, deren missverstandene Grundsätze ihnen bis auf den heutigen Tag die blutigsten, widersinnigsten Verfolgungen zugezogen haben? wie an einen Erlöser, der sie bis jetzt nicht von Schmach und Unterdrückung erlöset hat? Von der Liebe, die Jesus der Menschheit gepredigt, haben die Juden bei den Christen seit jener Zeit wenig zu bemerken gelegenheit gehabt. Sir haben in der Tat noch keinen Messias gefunden. Welch ein Wunder also, wenn sie ihn um so sehnlicher erwarten, je mehr sie der Befreiung und Erlösung sich wert fühlen; wenn jeder Vater bei der Geburt eines Sohnes freudig hofft, dies könne der Erlöser seines Volkes werden, und wenn er den Knaben so erziehen möchte, dass der Mann reif werde für den grossen Zweck.
So war auch Eduard's Erziehung in jeder Beziehung sorgfältig geleitet worden. Sie sollte ihn zu einem Menschen heranbilden, der in sich Ersatz für die Entbehrungen finden könnte, welche das Leben ihm auferlegen würde, und sollte ihn anderseits fähig machen, die Verhältnisse zu besiegen, und sich wo möglich eine Stellung zu verschaffen, die ihn der Entbehrungen überheben und alle Vorurteile besiegen könne. Glücklicherweise kamen Eduard's Fähigkeiten dem Wunsche seiner Eltern entgegen. Eine starke Fassungsgabe und eine grosse Regsamkeit des Geistes machten, dass er die meisten seiner Mitschüler überflügelte, und erwarben ihm ebenso sehr die Gunst der Lehrer, als eine gewisse herrschaft über seine gefährten. Von Liebe und Wohlwollen überall umgeben, schien sein Charakter eine grosse Offenheit zu gewinnen, und er galt für einen fröhlichen, sorglosen Knaben, bis einst in der Schule der Sohn einer gräflichen Familie, mit dem er sich knabenhaft in Riesenplanen für die Zukunft verlor, bedauernd gegen ihn äusserte: Armer Meier, Dir hilft ja all Dein Lernen Nichts, Du kannst ja doch nichts werden, weil Du nur ein Jude bist.
Von dieser Stunde ab war der Knabe wie verwandelt. Er erkundigte sich eifrig nach den Verhältnissen der Juden, er fühlte sich gedrückt und gekränkt durch sie, und nur sein angeborner Stolz verhinderte ihn, sich gedemütigt zu fühlen; doch entwickelte sich durch das Nachdenken über diesen Gegenstand bei ihm sehr früh der Begriff von jenen Rechten des Menschen, die Alle in gleichem Grade geltend zu machen vermögen, das Bewusstsein inneren Wertes, und ein Zorn gegen jede Art von Unterdrückung. Je älter er wurde, und je mehr er erkennen lernte, welche Vorzüge ihm schon bei seiner Geburt, durch die Aussicht auf eine glänzende Unabhängigkeit zu teil geworden waren, je bestimmter er einsah, zu welchen Ansprüchen ihn seine Fähigkeiten einst berechtigen dürften, um so mehr empörte sich sein Herz gegen ein Vorurteil, das alle seine Hoffnungen unerbittlich vernichtete.
Grade in der Zeit von Eduard's Kindheit war wieder eine neue Judenverfolgung durch ganz Deutschland gegangen und die allgemeine Stimmung hatte sich natürlich auch in der Schule sichtbar gemacht, die Eduard besuchte. Spott und Kränkungen mancher Art waren nicht ausgeblieben; man hatte wohl gehofft, der feige Judenjunge werde Alles ruhig dulden. Darin hatte man sich aber geirrt. Eduard's Charakter war furchtlos, und er erlangte durch Uebung bald eine Gewandteit und Entschlossenheit, die Jeder sich anzueignen vermag. Er lernte fechten, reiten, schwimmen, und nachdem er sich ein paar Mal mit starker Hand selbst sein Recht verschafft hatte, fand er Ruhe, und endlich auch wieder seine frühere überlegene Stellung zu seinen gefährten wieder. Hatte der Jüngling früher in einzelnen Momenten dem Gedanken Raum gegeben, sich von dem Judentume loszusagen und christ zu werden, so verschwand der Plan plötzlich bei dem Anblick der Rohheiten, die er als Knabe selbst von sogenannten gebildeten Christen gegen seine Glaubensgenossen ausüben sehen. Er konnte sich nicht denken, dass das Recht und die Wahrheit sich auf einer Seite befänden, die so zu handeln im stand war, und Verfolgung machte auch ihn, wie tausend Andere zu allen zeiten, nur fester seinem volk angehörig.
Er hatte sich aber in jener Zeit gewöhnt, sich in der Opposition zu empfinden und das Gefühl verliess ihn nie wieder, weil er beständig in Verhältnissen lebte, die dazu gemacht waren, seine Opposition hervorzurufen.
Da Eduard keine Neigung für den Kaufmannsstand hegte, beschlossen seine Eltern, ihn studiren zu lassen, wobei ihm freilich nur die Wahl blieb, Mediziner zu werden, oder nach beendigten Studien in irgend einem andern Fache als Privatgelehrter zu arbeiten, da ihm der Eintritt