fühlte; jetzt war es anders! Sie war erbittert gegen ihre Freundin. Nur die Furcht, zu zeigen, dass ihr Terese gefährlich scheine, hielt sie von Schritten gegen dieselbe zurück. Aber ihr Verlobter sollte und musste Alles wissen, musste heute noch erfahren, was Terese sei.
Reinhard kam eben die Strasse herauf. Die kleine Skizze, welche für ihn bestimmt war, hatte Jenny bei Seite gelegt, weil in dem Augenblick Erlau's Andenken mit dieser Arbeit so innig verwebt war, dass sie eine Scheu empfand, sie ihrem Bräutigam mit diesen Empfindungen zu schenken. Des armen Erlau's tränenschweres Auge hatte auf dem Blatt geruht: nun sollte ihr Verlobter sich daran erfreuen? Unmöglich! Als Reinhard die Tür des Treibhauses öffnete, das den Saal von dem Balkon trennte, machte Jenny schnell die Mappe auf, zerriss das Blättchen und warf die Stücke in die lebhaft bewegte Luft, die sich derselben bemächtigte und in tändelnder Eile dem Strome zuführte, welcher am Garten vorüberrauschte.
Reinhard freute sich, seine Braut allein zu finden. Er teilte ihr einen Brief seiner Mutter mit, welche mit vieler Zärtlichkeit von Jenny sprach und die Zusicherung gab, bei der Taufe Jenny's nicht zu fehlen, die, um jedes aufsehen zu vermeiden, auf dem Landsitz vollzogen werden sollte, sobald man sich dort wieder heimisch gemacht haben würde. Nach dieser Ceremonie musste Reinhard verreisen, um mit seinem alten Onkel persönlich die Bedingungen wegen der Uebergabe seiner Stelle an ihn zu verabreden; und das ist, sagte Reinhard, dann endlich die letzte Schwierigkeit, die wir zu beseitigen haben, um an das Ziel zu gelangen. Nun steht uns voraussichtlich kein Hinderniss mehr entgegen.
Wer weiss? meinte Jenny. Wie? wenn ich nun plötzlich eifersüchtig würde und Dich nicht reisen liesse?
Jenny! könntest Du so süsser Torheit fähig sein? antwortete Reinhard, ich fände Dich mit einer solchen nur noch liebenswürdiger, als je zuvor! Dann würdest Du es fühlen, wie sehnsüchtig ich danach verlange, Dich bald mein Eigentum zu wissen, wie unglücklich mich die Galanterien, die Aufmerksamkeiten all der Männer machen, die Dich hier umschwärmen, und die, das fühle ich, mehr oder weniger ein wirkliches Interesse daran haben, Dir zu gefallen, Deine Gunst zu erwerben.
Das quält Dich, lieber Gustav? fragte Jenny. Was würdest Du denn beginnen, wenn nun Jemand, ausser Dir, auf den närrischen Einfall käme, sich in mich alles Ernstes zu verlieben?
Wer wagt das? rief Reinhard, denn ich kenne Dich, Du scherzest nicht mit solchen Dingen; Du verbirgst mir etwas. Sage mir, was ist es? Treibe kein Spiel mit mir, für das ich keinen Sinn habe und das mich peinigt.
Jenny machte sich von Gustav's Arm, der sie umschlungen hatte, los und sagte, Steinheim's Manier nachäffend: Und erst gespiesst und dann gehangen! So würdest Du doch über jeden Mann urteilen, Du Grausamer, der so unglücklich wäre, Deine Neigung für mich begreiflich zu finden, während ich in nächster Nähe ein Wesen dulde, das – nun das vielleicht auch recht gern Frau Pfarrerin Reinhard würde; und ich bin so grossmütig, Dir das zu erzählen und ihr zu vergeben.
Wovon sprichst Du denn eigentlich? fragte Reinhard dringender; Du weisst, dass ich nicht geschickt zu solchen Scherzen bin, und es ist etwas in Deinem Auge, in Deiner ganzen Art, was mich Ernst in diesen Neckereien vermuten lässt, darum sage mir, was hat sich denn ereignet?
Ereignet? wiederholte Jenny, und setzte sich wieder zu ihm nieder, ereignet hat sich eigentlich nichts; ich habe aber eine Entdeckung gemacht, die ich Dir vielleicht verhehlen würde, wärest Du nicht eben von Eitelkeit so fern, als ich von Eifersucht. Terese liebt Dich, des bin ich gewiss.
Unmöglich! rief der junge Mann.
Das finde ich nicht, antwortete Jenny, ich finde es im Gegenteil gar sehr natürlich und, wie ich aus Erfahrung weiss, sehr zu entschuldigen. Aber denke nicht daran, lass es uns Beide vergessen, und – ich glaube, nun ich es Dir gesagt habe, ich hätte es vielleicht nicht tun sollen, denn .....
Liebstes Herz, unterbrach Reinhard sie fröhlich, also doch! Du kannst auch eifersüchtig sein? So lieb hast Du mich? Wie soll ich nur Terese danken, dass sie mir zum zweiten Male solch unverhoffte Freude bereitet! Ich wollte wirklich, ich könnte ihr vergelten, denn das habe ich oft gemerkt, sie ist in ihrer verständigen überlegten Art mein bester Anwalt bei Dir. Sie hat Dich manchmal in so freundlicher Weise auf das Gute aufmerksam gemacht, das unsere künftige Stellung mit sich bringen wird, dass ich ihr von Herzen ein ähnliches Glück wünsche. Und sie hat ja in der Tat allen Anspruch, den Männern zu gefallen!
Findest Du? ich finde das durchaus nicht, wendete Jenny ein. Terese ist freilich auch noch jung, aber sie hat für mich ein gewisses Etwas, nenne es Pedanterie oder wie Du sonst willst, das mir missfällt. Sie ist so altjüngferlich, so überlegt. Alles ist Absicht bei ihr und ich begreife im Gegenteil gar wohl, weshalb sie den Männern selten nur gefällt.
Reinhard zog Jenny an seine Brust und sagte lachend: Siehst Du, und ich begreife wieder, weshalb Männer, wie Steinheim, Erlau und die Andern, den Frauen gar nicht