1843_Lewald_139_53.txt

, viel besser noch als sonst zu haus; es machte ihr besonderes Vergnügen, dass sie Eduard und Joseph noch bei den Eltern fand, so dass sie, als man sie fragte, wie es ihr ergangen, in Selbstverspottung ihre Angst und ihre Abenteuer schilderte.

Und für all die Heldentaten, die ich heute so herrlich vollbracht habe, lieber Vater! bitte ich nur um Eine Belohnung. Du sollst mir zur Hochzeit nicht Perlen, nicht Brillanten schenken; daraus mache ich mir nichts und die möchten auch für eine Frau Pfarrerin nicht passen, welche Andern mit tugendhaftem Beispiele vorangehen soll, sagte sie, indem sie sich scherzend ein sehr ernstaftes Ansehen gab, aber einen guten, ordentlichen Landauer, liebes Väterchen, den kannst Du mir nur immer kaufen!

Der möchte leicht ebenso unpassend, als die Brillanten sein! wendete Reinhard ein, und ich zweifle, dass ein Paar gewöhnliche Landpferde solche Carosse ziehen oder zieren würden.

Nun, da muss Vater ein Uebriges tun und zwei Pferde zulegen! rief Jenny lachend.

Und dann soll der Pfarrer wohl in einer Equipage, die den reichsten Edelmann beschämt, durch das Dorf nach der Kirche fahren, um die Verachtung des Irdischen zu predigen? fragte Reinhard nicht ohne Spott. Solch eine Equipage möchte leicht mehr kosten, als meine künftige Pfarre in zwei Jahren einträgt, und würde uns deshalb übel anstehen. Du solltest nur sehen, liebste Jenny, wie meine Amtsbrüder ruhig auf einem Leiterwagen über Land fahren: da würdest Du begreifen, wie eine staates-Equipage uns nicht kleiden kann.

Aber Sie können doch Jenny nicht zumuten, auf einem Leiterwagen oder irgend einer andern elenden Karrette herumzufahren? meinte die Mutter verdriesslich.

Warum nicht? sagte Reinhard, gereizt durch den Ton dieser Frage. Meine Mutter ist Jahrelang so gefahren und es ist ihr vortrefflich bekommen, obgleich sie es ebenso wenig gewöhnt war, als Jenny! Aus Liebe kann man Viel!

Streitet doch nicht um des Kaisers Bart! rief Eduard dazwischen, als er sah, wie unangenehm seiner Schwester diese Wendung des Gesprächs sein musste. Wenn Reinhard eine Pfarre haben wird, mögt Ihr nach dieser Stelle Euren Wagen einrichten, und das ist noch weit im feld!

Glücklicherweise! murmelte die Mutter für sich, während Reinhard eben zu erzählen anfing, dass er im Gegenteil auf dem Punkte stehe, eine Stelle zu erhalten, die ihm, Alles zusammengerechnet, doch sechs bis siebenhundert Taler bringen könne, und die nur den Einen Fehler habe, nahe der Grenze, in einer nicht eben angenehmen Gegend, zu liegen; doch hoffe er, nicht allzulange dort zu bleiben, und wolle sie bestimmt annehmen, weil man sie ihm biete.

Und was sagt Jenny dazu? fragte der Vater, nun ebenfalls gekränkt durch die rücksichtslose Art, mit welcher Reinhard über seine Zukunft entschied, ohne an die Wünsche Jenny's oder ihrer Eltern irgend wie zu denken.

Nun ich muss ja meinem mann folgen, wie es in der Bibel steht, sagte Jenny mit einer stimme, die das Weinen verriet, obgleich der Mund lächelte, aber vielleicht warten wir auch noch, bis sich eine Pfarre hier in der Nähe findet.

Ich bestimmt nicht! fuhr Reinhard auf. Es gilt die Erreichung meiner beiden Hoffnungen. Ich stehe an der Schwelle, einen Wirkungskreis und Dich zu gewinnen: willst Du Dich mir länger entziehengut! ich muss es tragen; aber selbst meine Liebe soll mich nicht verleiten, meinen Beruf zu versäumen, der mir höher gilt als Alles. Doch werde ich Dich keines Weges zwingen. Kannst Du und willst Du noch in Deinem Vaterhause bleiben, so muss ich es mir gefallen lassen, und meine Mutter allein wird mir dann folgen, bis mein los sich günstiger gestaltet.

Mit den Worten stand er rasch auf und wollte sich entfernen, aber Jenny hielt ihn in sprachloser Bewegung zurück. Es war der erste wirkliche Streit mit dem Geliebten, auch Eduard suchte Reinhard zu besänftigen, während die Mutter verdriesslich schmollte. Joseph sah bald düster vor sich nieder, bald blickte er verstohlen auf Jenny und trommelte mit den Fingern auf die Tischplatte, wie es seine Art war, wenn ihn etwas unangenehm berührte. Nur der Vater blieb anscheinend ruhig, und sagte: Zu warten, bis Sie eine bessere Stelle in unserer Gegend haben, Reinhard, dazu würde ich meiner Tochter und Ihnen eigentlich auch raten; wenn Sie nicht überhaupt besser täten, in der Stadt zu bleiben. Ich wollte schon lange darüber einmal mit Ihnen sprechen, und rechne darauf, dass Sie morgen in der Frühe zu mir kommen, damit wir es ohne die Frauen überlegen.

Reinhard schickte sich an, zu antworten, der alte Herr liess es aber nicht zu.

Das hat Zeit bis morgen, lieber Freund! sprach er, bis morgen können wir Beide das Für und Wider überdenken und verständigen uns dann leicht. Machen Sie jetzt nur Ihren Frieden mit Jenny und der Mutter undehe Sie über christliche Geduld predigen dürfen, mein junger Freund, fügte er lächelnd hinzu, werden Sie noch ein gutes teil Ihrer Lebhaftigkeit abzulegen haben.

Reinhard war ebenso verstimmt als verlegen: verstimmt über die Anforderungen, die man an ihn machte, und verlegen über die Herbigkeit, zu welcher er sich hatte hinreissen lassen. Er näherte sich seiner Braut, die ihm ihre Hand entgegenreichte, und fragte, sich zu ihr neigend: Bist Du böse? sei es nicht! Dann sie festaltend ging er zu der Mutter,