sich und durch sich bedingt erscheint, als mir. Es ist die Dreieinigkeit der Kunst! Diese ist mir von jeher einleuchtend gewesen, so sehr, dass ich Poesie, Musik und bildende Kunst gar nicht von einander im Innersten der Seele zu trennen vermag; dass ich sie wie Eines immer zusammen empfinden und die Anschauung oder der Genuss Einer dieser Künste mir gleich, wie zur Ergänzung, das Bedürfniss nach der andern hervorruft. Mir wird jede Musik Gedicht und jedes Gedicht zum Bilde. Hier ist mir, obgleich ich jede Kunst als selbstständig in sich erkenne, doch eine unauflösliche Einheit denkbar: und so kann man nicht sagen, dass ich bis jetzt den Begriff der Dreieinigkeit nicht hatte.
Reinhard wandte ein, dass der Vergleich nicht richtig sei, und wollte zu seiner eigentlichen Frage zurückkommen. Jenny unterbrach ihn aber ängstlich und sagte mit herzgewinnender Freundlichkeit: Und noch eine Dreieinigkeit begreife ich: Du, mein Mütterchen, und Reinhard und ich, wir sind drei und sind doch Eines und so einig, dass der geliebte Reinhard auch mit keiner Sylbe widersprechen darf, wenn seine Jenny es behauptet. Habe ich das recht verstanden? fragte sie den Glücklichen, der so vielem Liebreiz nicht zu widerstehen vermochte und sich willig den Plaudereien seiner Braut hingab, ohne ihrer religiösen erkenntnis weiter zu gedenken.
Wenn er Jenny so vor sich sah in einfachster Kleidung, die sie ihm zu Liebe jetzt fast immer trug, wie sie in dem kleinen Stübchen an seiner Seite sass, ihm den Tee bereitend und mit den sanften klugen Augen freundlich nach jedem seiner Wünsche spähend, so ruhig und so begnügt; dann konnte er es nicht fassen, wie ihm jemals davor bangen mögen, sie aus dem reichen haus ihres Vaters in beschränktere Verhältnisse zu führen. Er warf es sich dann vor, ihr Unrecht zu tun mit seinen Zweifeln; er nahm sich dann vor, ihr bei nächster gelegenheit den Mangel an Zutrauen zu bekennen, den er in dieser Beziehung zu ihr gehabt habe; und heute vollends empfand er sich auf dem Gipfel des Glückes, denn heute waren sein Herz und sein Verstand gleich befriedigt durch die Geliebte. Er hatte keinen Wunsch, als dass es stets so bliebe; und dass es also bleiben werde, davon war er überzeugt.
Als sie nun so in friedlicher Stille beisammen waren, klopfte es an die tür. Reinhard ging um zu öffnen, und trat bald darauf mit einem Briefe in der Hand wieder bei ihnen ein, den er, nachdem er ihn schnell durchlesen, seiner Braut mit den Worten reichte: Nun endlich, meine Jenny! lies, o, lies!
Doch hinderte er selbst sie daran, denn er erzählte, wie dieser Brief ihm die Nachricht von dem Entschlusse eines entfernten alten Verwandten bringe, zu seinen Gunsten eine Pfarrerstelle niederzulegen, die er bis jetzt bekleidet hatte. Fröhlich, wie ihn die Aussicht machte, überhörte er die Bemerkung der Mutter, dass die Pfarre zu Schönfelde, von der eben die Rede war, in einer gar traurigen Gegend liege, und glücklicherweise entging ihm ebenso Jenny's Erbleichen bei der Mitteilung.
Heute gerade, wo Reinhard sich zufrieden und mit sich einig fühlte, war Jenny in einer völlig entgegengesetzten Stimmung. Nachdem sie auf dem Wege zur Pfarrerin zum ersten Male an die Entbehrungen gedacht, die sie sich künftig werde auferlegen müssen, erschien ihr Alles, was sie bisher in der wohnung ihrer Schwiegermutter idyllisch und behaglich gefunden, wie entzaubert. Die kleine Lampe fand sie düster, die Zimmer eng und beklommen; und in so kleinen Räumen, in solch beschränkten Verhältnissen für immer zu leben, hielt sie für ein Unglück, das selbst durch Reinhard's Liebe nur gemildert, nicht aufgehoben werden konnte. Mit gewohnter Freundlichkeit half sie der Pfarrerin bei den Zurüstungen zu dem einfachen Mahle und deckte den kleinen Tisch, wie sie pflegte; aber es machte ihr heute kein Vergnügen, und sie hätte es gern der jungen Magd überlassen, wenn sie nicht gewusst hätte, wie sehr sie ihren Bräutigam damit erfreute, der sie während der kleinen Arbeit nicht aus den Augen verlor und mit Blicken der innigsten Liebe jede ihrer Bewegungen betrachtete. Trotzdem konnte sie ihre Niedergeschlagenheit nicht besiegen und sie war sehr zufrieden, dass weder ihr Bräutigam, noch dessen Mutter etwas von Dem errieten, was in ihr vorging. Sie fühlte sich gradezu erleichtert, als sie gegen die zehnte Stunde das bekannte Rollen ihres Wagens hörte und von der Pfarrerin Abschied nahm, die sie mit ängstlicher Sorgfalt in den Mantel hüllte und noch ein Tuch hinzufügen wollte, damit sich Jenny nicht erkälte.
Nein, nein, Mütterchen! Ich bedarf ja all' dessen nicht; ich gehe ja nicht, ich fahre nach haus! sagte sie mit solchem Vergnügen, dass es ihr selber komisch vorkam, als sie an Reinhard's Arm die Treppe hinunterging, der sie im Wagen nach haus begleiten wollte, wo sie die Ihrigen noch beim Tee zu finden und ein Stündchen mit ihnen zusammen zu bleiben hoffte. Als dann der Diener den Fusstritt herunterschlug, sie gewandt beim Einsteigen unterstützte und die tür des Wagens schloss; als Reinhard das Fenster in die Höhe zog und sie an seiner Seite, bequem und warm, dahinflog, drückte sie sich mit einer nie gekannten Wollust in die seidenen Kissen. Ihre ganze Heiterkeit war wiedergekommen; und heiter und fröhlich trat sie auch mit Reinhard bei ihren Eltern ein, als ob sie dieselben wer weiss wie lange nicht gesehen hätte. Es gefiel ihr unbeschreiblich