, um ihre Kleidung zu wechseln. Einige ältere Damen, die neben der Pfarrerin standen, hielten die holde Braut mit freundlichen Worten zurück; da trat auch Erlau glückwünschend hinzu und sagte leise: "So ganz unrecht hatte ich also neulich doch nicht, als ich von dem Einfluss und der erlaubnis eines gewissen Teologen sprach?" –
Sie sind ein arger Spötter und haben mir damals eine traurige Stunde bereitet! entgegnete ihm Jenny und musste dann der Pfarrerin erzählen, was Erlau's Worte zu bedeuten hätten.
Den Zeitraum benutzte der Maler, Reinhard in seiner gewohnten Art zu gratuliren. Dir, Du Mann Gottes, hat es der Herr wahrhaftig im Schlafe gegeben, sagte er. Da setzt sich der Mensch hin und langweilt das arme Kind zwei Jahre lang mit alten, unnützen Geschichten, nach denen kein Hahn mehr kräht, und hat gewiss wacker auf den gottlosen Paris geschimpft, der die Helena entführte und den braven Menelaus mit langer Nase stehen liess. Nun aber, ehe man sich's versieht, hat er selbst die Schönste am arme, geht mit ihr davon und lässt uns à la Menelaus zurück. Ich glaube, auch meine Nase muss sich in diesem kritischen Moment ein wenig verlängern, und Steinheim's und des armen Joseph's Riechwerkzeuge wachsen gigantisch. – Halt, glückseliger Bräutigam, fuhr er fort, als Reinhard davon gehen wollte, so kommst Du mir nicht los! Dass Du mich neulich veranlasst hast, dem schönen Mädchen eine trübe Stunde zu machen, das mag Dir Gott vergeben! Und künftig machst Du den Templer, wenn Jenny es will, Du seltener Tugendritter! – Mit der Keuschheit und der Armut wird's nun bald ein Ende haben, wie der feurige Brillant an Deiner Brust, den ich jetzt erst bemerke, und Deine noch feurigern Blicke mir deutlich beweisen; aber das dritte Gelübde – Gehorsam, dazu kann Rat werden. Ich wünsche Dir nur so viel Geduld, als Du Glück hast! Denn das Commandiren und Wollen verstehen fräulein Jenny und Papa Meier aus dem Fundament. Hätten sie mir nur befohlen, Dich zu allen Teufeln zu jagen und statt Deiner die holde Rose von Saron zu freien, Du hättest sehen sollen, ob ich's nicht getan hätte!
Ohne auf Reinhard's Ungeduld zu achten, drehte sich der Wildfang dann plötzlich zu Jenny und sagte: Auf mein Wort, fräulein! wenn Reinhard nicht der beste Gatte wird, ist's seine Schuld. Ich habe ihm seine Pflichten strenge vorgehalten und verlange zum Lohn nur die Gunst, die künftige Frau Pfarrerin in diesem Costüme malen zu dürfen, um den Pastor stets zu erinnern, dass er, so gescheut er ist, doch noch mehr Glück als Verstand hat.
Mit diesen Worten eilte er lachend davon. Aber seine Rede liess ein unangenehmes Gefühl in Reinhard's Brust zurück, der es sich nicht verbergen konnte, wie man ihm den Besitz Jenny's für ein nicht zu erwartendes Glück anrechne und sich allgemein darüber wundere. Ein paar Tage lang war diese Verlobung ein Gegenstand der Unterhaltung bei Allen, die, wenn auch nur entfernt, mit einem der beiden Teile bekannt waren. Manche lobten es, dass der Vater bei der Wahl eines Gatten für seine Tochter nur auf ihre Neigung gesehen; Andere und gerade die Freunde und Verwandten des Hauses machten ihm einen Vorwurf daraus, dass er, der angesehenste Jude der Stadt, seine Tochter zum Christentum übertreten lasse. Dergleichen hatte aber auf den klaren Sinn des würdigen Mannes keinen Einfluss. Nachdem der Entschluss reiflich überdacht und ausgeführt war, stand er als Tatsache unwandelbar vor ihm und kein fremdes Urteil vermochte seine Ansicht darüber zu erschüttern.
Anders war es mit der Mutter. Auf sie blieben die wiederholten Bemerkungen der Leute, dass Jenny zu ganz andern Verbindungen berechtigt gewesen wäre, wenn sie nun einmal Christin werden sollte, nicht ohne Einfluss; und während ihr Mann mit der Wahl seiner Tochter vollkommen zufrieden geworden war, fing die Mutter sie zu bereuen an.
Sie überlegte, wie diese und jene Tochter eines reichen Kaufmanns einen berühmten Künstler, einen Baron, einen Grafen geheiratet hatte. Reinhard war ihr sehr lieb; sie vor Allen hatte das verhältnis gebilligt und geschützt gegen die frühere Ansicht ihres Mannes, und diese Verbindung war ihr vollkommen ausreichend zu Jenny's Glück erschienen, bis das unnütze Geschwätz von Dritten, die ihr damit zu schmeicheln wähnten, die Saat der Unzufriedenheit in ihre Brust streuten. Vergebens wiederholte sie sich, dass ihre Tochter glücklich sei; es fiel ihr unaufhörlich ein, es hätte doch noch beglückender für Jenny sein müssen, wenn Reinhard nicht ein junger Teologe, sondern ein Mann von stand gewesen wäre. Dass er es nicht war, konnte sie ihm zwar nicht zur Last legen; es musste ihn aber ihrer Meinung nach veranlassen, durch besondere Zuvorkommenheit, durch gänzliche Selbstverläugnung Jenny dafür zu entschädigen.
Mit ihrem mann oder mit Eduard davon zu sprechen, wagte sie nicht, weil sie überzeugt war, auf Tadel zu stossen. Sie fühlte das Törichte dieser Ansicht, denn sie war eine verständige Frau; aber immer wieder trug die Verblendung und Eitelkeit der Mutterliebe den Sieg davon. Es war und blieb ihr unangenehm, dass man ihre Jenny nicht auch in dieser Beziehung beneidenswert fände, und sie beschloss, obgleich ihr das sonst niemals in den Sinn gekommen, durch einen verdoppelten Luxus in Allem, was Jenny umgab, der Welt zu zeigen, dass ihre Tochter in der