scherzend, was er denn in ihren Augen heute besonders zu finden geglaubt?
Den Schmerz, den sie ausgedrückt, als Du in dem Bilde gesessen, sagte er. Wenn ich Dich jemals so traurig sehen müsste, wenn ich es sehen müsste und könnte den Schmerz aus Deinen Zügen nicht verscheuchen, wie unglücklich würde ich dann sein!
Welch ein Gedanke! Wie kommst Du nur darauf? fragte sie ihn ängstlich.
Weiss ich's? antwortete er. Dort im saal, als sie in Deiner Bewunderung kein Ende finden konnten, verdross es mich, dass Du auch für Andere schön bist, dass ich den Genuss, Dich anzustaunen, mit gleichgültigen Menschen teilen soll. Ich wünschte Dich fort von hier, wo kein Auge Dich sähe als meines; wie ich es damals wünschte, als Du mich im Figaro erraten lassen, was ich kaum zu hoffen gewagt hatte. Dann überfiel mich wieder der Gedanke, ob ich allein Dir genügen, Dir Ersatz für die ganze übrige Welt sein könnte, wie Du mir! – Wenn ich Dich einst weniger glücklich sehen müsste, als in dieser Stunde, wenn Du es je bereuen könntest, die Meine geworden zu sein! rief er, und presste sie so heftig an sich, dass sie davor erschrack und abwehrend bat, er möge sie lassen; er aber drückte sie nur fester an sich und sagte: Sieh, dass ich Dich so halten kann mit starkem Arm, dass Du nun mein bist, meinem Willen angehörend – o! schilt mich nicht roh, nicht ungrossmütig – dass Du von mir, von meinem Wollen abhängst, das macht mich glücklich, ja das macht mich glücklich! – Bei den Worten liess er sie plötzlich los, küsste sanft und still ihre Stirne, streichelte ihr Haar und schickte sich an, sie zu verlassen. Da war es Jenny, die ihn zurückhielt und, indem sie ihre hände in den seinen ruhen liess, sank sie langsam vor ihm nieder und flüsterte in Liebe aufgelöst: So bin ich Dein, Du Starker, so ganz Dein! mein Schicksal ist fortan in Deiner Hand. –
Die Mutter, welche Jenny vermisste, kam sie holen, damit ihre Abwesenheit nicht bemerkt werde. Hughes, dem sie den nächsten Tanz versprochen, hatte sie bereits gesucht und sich, seine Tänzerin erwartend, zu Erlau gesellt, der im Treibhause die Decorationen für das nächste Bild anordnete.
Wenn ich nur wüsste, sagte er, worin es lag, dass dieses Bild heute einen so mächtigen Eindruck auf mich machte, während das Original, trotz seiner Vorzüge, mich doch ziemlich kalt liess?
Das will ich Ihnen wohl sagen, teurer Sir! antwortete Erlau, und ich bilde mir nicht wenig darauf ein, mit dieser Aufstellung die wirkung gemacht zu haben, die es heute auf Jeden hervorgebracht hat. Sie haben heute zum ersten Mal trauernde Juden gesehen, während Bendemann trauernde Düsseldorfer in fremdartiger Kleidung gemalt hat!
Hughes gab zu, dass Erlau recht haben könne. –
Gewiss habe ich recht. Ich hatte, als ich in dem Katalog der Ausstellung "Trauernde Juden" von Bendemann las, eine rechte Herzensfreude. Ich liebe die Juden; sie sind nicht mehr Das, was sie vor tausend Jahren gewesen sein mögen, aber es ist noch Originalität, Race in ihnen, und darum sind sie für den Maler interessant. Nun dachte ich, wenn ein Jude den Mut hat, Juden zu malen, wenn dieser Maler Bendemann ist, da muss es ein Stück Arbeit werden, das Hand und Fuss hat. Ich dachte, er würde sich köstliche Gestalten, üppige Weiber mit Flammenaugen gewählt haben – nicht doch! so weit reicht sein Mut nicht. Er nimmt ein Sujet aus dem Judentume, aber er tauft seine Juden sammt und sonders, er übersetzt sie fein säuberlich ins Düsseldorf'sche, und nun sitzen die deutschen Männer und Weibsen, und sehen, so hübsch sie sind, doch nur aus, wie Düsseldorfer Gärtner, denen die Raupen den Kohl aufgefressen haben.
Hughes lachte –
Was ist da zu lachen? fragte Erlau, der ganz ernstaft wurde, sobald es die Kunst galt, die er heilig hielt. Gestehen Sie, es ist, wie ich sage. Ist schon irgend ein Mensch so töricht gewesen, sich blonde, deutsche Modelle zu nehmen, wenn er neapolitanische Fischer malen wollte? Das tut Niemand. Würde nicht alle Welt lachen, es abgeschmackt finden, wenn man Zigeuner mit der Physiognomie eines phlegmatischen Holländers malte? – oder Paria's mit goldblonden Locken und einer Lilienhaut? Auch dem Paria muss sein Recht werden, sonst lasst ihn lieber ungemalt und ungeschoren; und dasselbe verlange ich für die Juden. Sehen Sie einmal den Steinheim, die Jenny an; denken Sie an das junge Weib, das sie heute im Tableau gesehen; sind das nicht Köpfe, die sich mit allen italienischen Modellen messen können? –
Hughes gab es zu, dass auch ihm, trotz der widerwärtigen Carricaturen, die man unter den Juden sähe, eine Menge wahrer Schönheiten sowohl unter Männern als Frauen aufgefallen wären.
Das sage ich ja, eiferte der Maler. Es ist mit den Juden wie mit den Fürstenhäusern und dem hohen Adel, die sich auch so untereinander rekrutiren. Die Race artet aus ins Krüppelhafte oder sie veredelt sich. Sehen Sie die feinen Glieder, die schönen dunklen Augen, die Ueppigkeit des Orients, die finden Sie heute noch oft bei den Juden und die Beweglichkeit ihrer