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, als er ruhiger zu werden schien. Sie erinnerten ihn an die vorteilhafte Meinung, die er selbst stets von Reinhard gehegt, sie warfen ihm vor, einer Art von Hochmut mehr Gehör zu geben als seinem Herzen. Joseph schilderte die Scene, die er einst mit Jenny erlebt, als er ihr abgeraten hatte, zum Christentume überzutreten; er versicherte, Jenny's Hand nie annehmen zu wollen, wenn sie nicht zugleich ihr ungeteiltes Herz ihm geben könnte, und Beide schlossen in der überzeugung, dass Jenny nicht von Reinhard lassen, dass man eine so innige Neigung nicht ohne entschiedene Gründe trennen dürfe, und dass dem Vater daher nichts übrig bleibe, als seine Zustimmung zu geben.

Das ist es eben, was mich so verdriesst! sagte er, schon wieder freier geworden. Ich habe keinen recht vernünftigen Grund, meine Einwilligung zu verweigern, und doch möchte' ich es gerne, wenn ich Jenny's Zukunft recht bedenke. Zur Pfarrersfrau ist sie einmal nicht gemacht, und wir müssen darauf denken, für Reinhard eine andere Stellung zu gewinnen! –

Als die Unterhandlungen so weit gediehen waren, nahmen sie eine leichtere, fast geschäftliche Richtung an. Man sprach davon, ob und wie man Reinhard bewegen könne, eine andere Carriere, etwa die academische, zu erwählen. Eduard bezweifelte, dass sein Freund darein willigen werde. Joseph meinte, wenn Jenny ihn ernstlich darum bäte, müsse er es tun, da es im grund gleichviel sei, ob er selbst Pfarrer werde oder die jungen Leute zu Geistlichen nach seinem Sinne bilde; und der Vater sagte ziemlich dictatorisch: Für das Opfer, das ich bringe, für das Mädchen, das er bekommt, habe ich das Recht, auch von seiner Seite auf Fügsamkeit zu rechnen; undso sei es denn! Jenny wird Reinhard's Frau! schloss er lächelnd, aber mit einem tiefen Seufzer, der ein Echo in Joseph's Herzen fand. –

Und nun, mein Freund, sprach der alte Herr zu Joseph, lass auch uns in's Reine mit einander kommen. Ich hielt Dich bisher in meinem haus fest, weil ich hoffte, es Dir als Jenny's Mitgift einst zu übergeben. Der Plan zerfällt, und ich muss es Deiner Neigung überlassen, ob und unter welchen Verhältnissen Du künftig bei mir bleiben willst. Ich sähe Dich ungern von uns scheiden, indessen ......

Ich bleibe, Onkel! rief Joseph mit einem Handschlag, den der Onkel und Eduard fest erwiderten, und die drei Männer wussten, wie sie auf einander zählen konnten.

Dann beriet man noch, dass Joseph als Compagnon in das Geschäft seines Onkels eintreten solle. Und wenn Du, sagte dieser, Dir einst eine Frau wählst und mir dadurch eine zweite Tochter bringst, so mag sich Herr Eduard seine eigene wohnung suchen. Der Compagnon des alten Meier wohnt auch in dessen haus.

Man wollte scherzen, es kam ihnen aber nicht aus der Seele, und man ging nach dem Wohnzimmer, in der Hoffnung, die kleine Braut zu begrüssen. Es würde vergebens sein, das Glück der Verlobten zu schildern. Fröhlicher, hingebender konnte kein Wesen gedacht werden als Jenny, und selbst der Vater söhnte sich mit dem Gedanken an diese Verbindung aus, als er die Tochter so voll Freude sah. Die engsten Bande umschlangen den kleinen Kreis. Die Pfarrerin und Jenny's Mutter waren erfreut, nun für immer durch ihre Kinder zusammenzugehören, und sahen wohlgefällig auf das schöne Paar, das seines Glückes täglich bewusster zu werden schien. Joseph's edler Sinn hätte es für ein Unrecht gehalten, durch das leiseste Zeichen von Bedauern, von Verstimmung, die allgemeine Freude zu trüben, und als an dem Verlobungsmorgen Reinhard ihn allein fand und über ihr früheres Zusammentreffen an jenem Abend versöhnend zu sprechen begann, gab ihm Joseph die Hand und sagte: Machen Sie Jenny so glücklich, dass ich nie den Vorzug bedauere, den sie Ihnen gegeben; dann ist weiter nichts darüber zu sagen.

Eduard allein war wehmütig gestimmt. Das Glück, dessen Zeuge er war, rief die sehnsucht nach gleicher Befriedigung in ihm hervor und aufs Neue begann der Kampf in ihm, den seit Monden seine Liebe und sein Gewissen führten. Am sonderbarsten aber erschien Terese in der allgemeinen Freude. Es kam ihr vor, als ob Jenny's Glück allein ihr Werk sei; sie gab sich das Ansehen einer Beschützerin und tat so verständig und altklug, dass die Andern nicht aufhören konnten darüber zu lachen.

Lacht nur immerfort, sagte sie mit Stolz, wäre ich Euch an jenem unglücklichen Probeabend nicht zu hülfe gekommen, Ihr wäret noch, Gott weiss, wie weit vom lachen!

Und ganz unrecht hatte sie nicht; nur dass sie sich und ihrer überlegung zuschrieb, was Eingebung des drängenden Momentes gewesen war, und dass sie es ganz in der Ordnung fand, wenn Reinhard und seine Braut sie scherzend den Schutzgeist ihrer Liebe nannten.

Man war übereingekommen, da nur noch einige Tage bis zum Sylvester fehlten, an dem gewöhnlich ein Ball im Meierschen haus zu sein pflegte, an diesem Abende das junge Paar als Verlobte vorzustellen. Niemand, so wünschte die Mutter, sollte vorher davon benachrichtigt werden. Man wollte die Bilder gleich am Anfange des Abends aufstellen, um nachher beim Beginn des neuen Jahres das Brautpaar als den Mittelpunkt des Festes zu feiern. Nach Reinhard's Geschmack war das nun freilich nicht und er