und, sowie sie Reinhard mit Teresen in dieser traulichen Vereinigung entdeckte, mit einem leise unterdrückten Ausruf hinaus und auf ihr Zimmer eilte. Die Mutter, welcher dieser Vorfall nicht entgangen war, folgte ihr sofort, aber kein Zureden vermochte Jenny, den Grund ihrer plötzlichen Entfernung anzugeben oder wieder zur Gesellschaft zurückzukehren; und die Mutter sah sich also genötigt, zu erklären, ihre Tochter sei unwohl geworden, die grosse Wärme des Zimmers habe es vermutlich dem sonst gesunden Mädchen angetan.
Jenny lag indessen bitterlich weinend auf ihrem Ruhebette. Sie hatte geglaubt, dass Reinhard die Tableauxaufstellung nicht erwünscht sei, und vielleicht nicht mit Unrecht gedacht, es sei ihm besonders unlieb, weil er als künftiger Geistlicher an solchen Dingen keinen persönlichen Anteil nehmen mochte und konnte. Sie hatte also allerlei Schwierigkeiten erhoben, um entweder sich selbst davon frei zu machen oder Reinhard durch die Wahl irgend eines Bildes, das er liebte, damit auszusöhnen. Es war ihr unangenehm gewesen, es hatte sie gekränkt, dass er nicht zur probe gekommen war, weil sie irrigerweise geglaubt, ihn dazu eingeladen zu haben; und als Erlau's unbedachte Neckerei ihr den Gedanken eingab, Reinhard könne sich gegen ihn der herrschaft gerühmt haben, die er über sie hätte, fühlte sie sich davon so verletzt, dass sie teils aus einer Art von Rache, teils aus höchster Verlegenheit die Worte sprach, die unglücklicherweise Reinhard zum Zuhörer gehabt hatten. In heftigster Bewegung, halb ausser sich vor Schmerz und Zorn und Scham, war sie Erlau in den Saal gefolgt. Sie probirte, scherzte und lachte, während das Herz ihr bitter wehe tat. Endlich war die probe beendet; es trieb sie, Reinhard aufzusuchen, sich um jeden Preis mit ihm zu verständigen, die Qualen zu beenden, denen sie Beide unterlagen. Sie wollte den Saal verlassen; ohne allen Rückhalt wollte sie zu dem Geliebten sprechen; die demütigste Abbitte schien ihr nicht zu schwer – aber die Fremden wichen nicht von ihrer Seite. Trotz dem eilte sie, in Reinhard's Nähe zu kommen, um ihn wenigstens zu sehen. Da fand sie, wie sie glaubte, Reinhard und Terese in zärtlich heimlichem gespräche. Ihre beste Freundin, der Mann, der ihr Alles war, hatten sie, wie sie glaubte, verraten. Das war zu viel für ein so junges, heisses Herz; sie eilte hinaus, sie war ihrer selbst nicht mächtig.
Jetzt in der Einsamkeit malte ihr die Phantasie geschäftig tausend falsche Bilder vor. Sie konnte nicht begreifen, wie dies verhältnis ihr so lange verborgen geblieben sei; sie war empört von so viel Falschheit und schauderte entsetzt zusammen, als Terese zu ihr kam, um freundlich nach ihrem Ergehen zu fragen.
Um Alles in der Welt, sagte sie heftig, lass mich allein, ich leide zu sehr.
Darum komme ich ja eben! bat Terese teilnehmend.
Nein, nur Du nicht, nur Du nicht! schluchzte Jenny. Dich kann ich nicht sehen, Dich am wenigsten von Allen!
Terese stand ratlos vor ihr. Sie verstand die Freundin nicht, sie besorgte, dass Jenny irre rede, und noch leiser sagte sie: Aber Jenny! kennst Du mich denn nicht? Ich bin's ja, Deine Terese!
Meine Terese? rief Jenny und lachte bitter auf – Du bist Reinhard's und nicht mein! Fort! – Gehe zu ihm, aber gleich! – und sage ihm, wie elend Ihr mich macht!
Nun fiel plötzlich die Binde von den Augen der ahnunglosen Terese. Sie fasste Jenny in ihre arme und fragte: Liebst Du denn Reinhard?
O, unaussprechlich! so unaussprechlich, als ich elend bin, so wie Du ihn liebst, so wie er Dich!
Kaum hatte Jenny unter heissen Tränen diese Worte hervorgebracht, da flog Terese zur tür hinaus, die Treppe hinunter, suchte Reinhard und zog den Ueberraschten mit sich fort. In derselben Eile führte sie ihn zu Jenny und trat mit ihm vor sie hin, ohne dass Reinhard den Vorgang begriff.
Jenny weint um Sie, Reinhard! rief Terese ebenfalls weinend, sie ist eifersüchtig auf mich! und ehe sie noch vollendet, sank Reinhard vor dem Ruhebette nieder und Jenny lag an seiner Brust.
So vergingen selige Minuten. Dann war es Jenny zuerst, die ängstlich nach den Eltern, nach Eduard verlangte, und Reinhard bat, mit Teresen hinunter zu gehen und die Ihrigen wegen ihres Unwohlseins zu beruhigen, durch welches die Fremden veranlasst worden waren, sich früher als gewöhnlich zu entfernen. Auch Terese zog es vor, mit dem sie erwartenden Mädchen gleich nach haus zu gehen, und Reinhard blieb mit Jenny's Eltern in dem leeren Saal allein.
Die Diener eilten mit gebrauchten Gläsern hin und her, die Türen der entferntern Zimmer wurden geschlossen, die Lampen ausgelöscht. Die Mutter sass ein wenig ermüdet auf dem Sopha, ihr Mann ging, seine Cigarre rauchend, im Zimmer umher. Die ganze Scene hatte etwas Unbehagliches, das sich auch dem eintretenden Reinhard mitteilte.
Er hatte, als er Jenny verliess, nur an ihre Liebe gedacht, die ihn berechtigte, um sie zu werben. Nun er die Bitte bei den Eltern beginnen wollte, überkam ihn wieder ein Gefühl von Demütigung bei dem Gedanken, dass er ihnen für ihre Tochter nichts bieten könne, als seine Liebe, die denselben vielleicht weniger ausreichend zum Glück des Lebens scheinen dürfte, als ihm und Jenny. Doch zögerte er keinen Augenblick, sich