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dem Duft dieser erkünstelten Vegetation, das mich ebenso unangenehm berührt, als die Bewegung der freien Tiere des Waldes in den engen Käfigen einer Menagerie. Für mich ist alles Geschaffene nur schön an dem Ort, für den es geschaffen ward. Ich vermag es zu bewundern, wo ich es finde, aber es freut mich nicht, sobald man es von seinem platz entfernt. Auf die Gefahr hin, Ihnen zu widersprechen, bekenne ich, mir erscheint die Zusammenstellung einer Masse von Pflanzen aus den verschiedensten Weltteilen, die alle nur ein krüppelhaftes Dasein führen, oft wie eine Verirrung des Geschmackes; und wenn es nicht wissenschaftlichen Zwecken gälte, möchte ich lieber auf alle tropischen Gewächse verzichten, als sie so kümmerlich gedeihen sehen. Ich sehe ihnen immer an, was sie sein könnten, wenn sie in ihrer Heimat und frei wären, und die armen, kranken Verbannten tun mir dann leid.

Clara hörte ihm überrascht zu und blickte mit stillem Entzücken auf ihr schönes Bouquet. Ich habe die südlichen, schönen Gewächse dennoch lieb, sagte sie, und vielleicht ist es das Mitleid mit den Gefangenen, das mich so unwiderstehlich zu ihnen zieht, fügte sie lächelnd hinzu.

Wenigstens wäre das echt weiblich, schaltete William ein, als sie das Hornsche Haus erreicht hatten und gemeinschaftlich das Zimmer der Commerzienrätin betraten.

Clara war sehr heiter. Sie konnte der Mutter nicht genug von der Herrlichkeit der Treibhäuser erzählen, und sie war noch in der lebhaftesten Beschreibung, als die Commerzienrätin abgerufen wurde.

Mir tat es leid, sagte Eduard, als Clara's Mutter sich entfernt hatte, mir tat es leid, dass Frau Steinheim unser Beisammensein störte. Sie meint es gut, aber man fühlt sich doch erleichtert, wenn man sie scheiden sieht.

Da Sie selbst das Tema berühren, erwiderte Hughes, so bekenne ich Ihnen, dass mir Herr Steinheim auch nicht eben zusagt, und dass ich es nicht begreife, wie Sie diese ewigen Citate ertragen können. Sein Witzeln, sein Spielen mit den Worten machen mich oft ungeduldig.

Ich teile ihre Empfindung, gab Eduard ihm zur Antwort, aber Steinheim's üble Angewohnheit ist halbwegs nationell. Es walten in den Juden noch die alten orientalischen Elemente vor; und noch heute hat z.B. der ungebildete Jude seine Lust an kleinen Erzählungen, wie der Orientale. Er liebt es, sich in Bildern und Gleichnissen auszudrücken, und mag gern Das, was er zu sagen hat, mit einer jener Anekdoten begleiten, die oft schlagend genug sind und deren seine alten Bücher zu Tausenden entalten. Solche alte Gleichnisse wird nun Steinheim nicht leicht zu benutzen wagen, aber von der Gewohnheit derselben kann auch er nicht loskommen, und die Citate aus neuen und alten Werken müssen ihm als Aushülfe dienen.

Mir kam Herr Steinheim originell und geistreich vor, sagte Clara, und etwas Rasches, Bezeichnendes kann man dieser Art nicht absprechen. Dazu sieht er eigentlich sehr gut aus, und dennoch, wenn ich es offen sagen darf, verletzte mich Etwas in seiner Erscheinung. Ich weiss nicht, soll ich es Selbstgenügsamkeit nennen, oder ein gewisses zutrauliches Wesen, das mir von einem Fremden auffiel.

Vermutlich Beides, meinte Eduard. Ich komme leider Ihnen gegenüber immer wieder in die Lage, den Verteidiger der Juden zu machen.

Das haben Sie nicht nötig! beteuerte ihm Clara. Ich habe gewiss kein Vorurteil der Art gehabt; und wäre das selbst der Fall gewesen, so verdanke ich es Ihnen und William, dasselbe durchaus besiegt zu haben. Wie könnte ich daran noch denken, nachdem Sie mir die Freude gemacht, Ihre verehrten Eltern kennen zu lernen, nachdem ich in Ihrer Familie eben solch glückliche Stunden verlebt habe.

Clara schwieg, aus Besorgniss, zu viel gesagt zu haben, und auch Eduard sass sinnend eine Weile neben ihr und las in ihren Augen, was ihr Herz sprach und ihr Mund verschwieg; dann fuhr er fort: Und doch würden Ihnen viele von den Freunden meiner Familie gar sehr missfallen, obschon es gute, brave Leute sind. Die Gewohnheit, sich immer nur in demselben Kreise zu bewegen, in welchem Alle sich seit ihrer frühesten Kindheit mindestens dem Namen und den Verhältnissen nach kennen, gibt den Juden eine Art sich gehen zu lassen, die dem Fremden zudringlich und beleidigend erscheinen muss. Ich erfahre das selbst bisweilen. Meine Verhältnisse haben mich zum teil diesem Kreise entfernt; ich sehe manche Personen oft kaum einmal im Jahre; und doch, treffen wir zusammen, so bin ich gezwungen, mir die kleinlichsten Familienereignisse mit unerträglicher Weitschweifigkeit berichten zu lassen. Ihnen bin und bleibe ich der Eduard Meier, der mit ihnen eingesegnet wurde, mit ihnen einmal dies und jenes gemeinsam hatte, und sie können nicht begreifen, dass mich das Tun und Treiben ihrer Onkel und Grossonkel nicht ebenso interessire als sie selbst.

Das ist aber der Fehler aller engen Kreise, meinte Clara, die mit feinem Gefühl dem Geliebten jede unbequeme Erörterung ersparen wollte. In unsern kleineren und grösseren Zirkeln wiederholt sich, was Sie eben rügten. Das darf man nicht so strenge tadeln, denke ich.

Und doch tut das alle Welt bei den Juden! rief Eduard; bei ihnen, denen man nicht einmal die Möglichkeit lässt, aus ihrem engen Kreise herauszutreten, so gern sie es möchten. Ein teil der gebildeten Juden kann sich dreist mit jedem andern Gebildeten messen, er würde, wie in Frankreich, sich längst der Masse der Nation angeschlossen haben, er würde auch