und Hughes zusammenführte, besonders diese, bei welcher der junge Mann als Beschützer des Mädchens auftrat; und es war ihr lieb, wenn sich die Leute gewöhnten, das Paar als verlobt zu betrachten, weil nur zu häufig das Urteil der Welt uns erst zu Entschlüssen bestimmt, die wir sonst vielleicht gar nicht oder doch viel später fassen würden.
Eine grössere Freude hätte die Commerzienrätin aber weder ihrer Tochter noch Eduard bereiten können. Beide erglühten vor Lust, als ihre Blicke sich begegneten. Die Verabredung wurde für den nächsten Morgen getroffen, und Eduard eilte nach haus, um seine Eltern davon in Kenntniss zu setzen.
Auch Reinhard war, als er sich von Joseph trennte, nach seiner wohnung gegangen, und so stürmisch in das friedliche Zimmer der Pfarrerin getreten, dass diese, Brille und Strickzeug bei Seite legend, verwundert zu dem Sohne empor sah, denn sie war dergleichen Ausbrüche in ihrer Nähe, die er wie geheiligten Boden ehrte, nicht gewöhnt.
Was ist geschehen, Gustav? sprich mein Sohn! fragte sie endlich, als Reinhard, der offenbar keinen Anfang zu dieser Unterhaltung zu machen vermochte, sich schweigend neben sie auf das Sopha warf, und tief aufatmend sein Gesicht in den Händen barg. Was ist geschehen? Um Gotteswillen! fragte die Mutter noch einmal, so rede doch.
Und des starken Mannes Lippen bebten, und aus beklommener Brust stiess er die Worte heraus: Ich liebe Jenny, und ich sah sie an ihres Vetters Brust!
Auch die Pfarrerin fuhr zusammen. Armer Sohn, sprach sie, also ist sie Joseph's Braut? Und ich glaubte, sie teile Deine Liebe, die ich lang schon kannte.
Sieh Mutter, das ist es! Auch ich habe an ihre Liebe geglaubt. Ich bete sie an, sie ist der Gedanke meiner Tage, der ewige Traum meiner Nächte gewesen, und nun!
Die Mutter drang in ihn, ihr genau zu berichten, was vorgefallen sei. Reinhard's Erzählung, von den leidenschaftlichsten Klagen unterbrochen, liess sie einsehen, dass ihres Sohnes Eifersucht der Geliebten Unrecht getan haben möchte. Sie fragte ihn, ob er Jenny seine Liebe bekannt habe?
Niemals! antwortete er. Ein mir sonst unbekanntes Bangen hielt mich davon zurück. Wenn ich es zu sagen vermöchte, wie ich Jenny liebe, das schöne, schöne geschöpf, dessen Lehrer ich gewesen bin, dessen Geist ich gebildet habe, dessen Herz so warm, an dessen Seite zu leben das heisseste Verlangen meines Lebens ist! Aber in Jenny ist noch ein zweites, fremdes Wesen, das mich kalt zurückstösst, wenn mein Herz ihr offen und warm entgegenwallt. – Hast Du Jenny gesehen, wenn sie den schalen Witzen des albernen Steinheim Beifall lächelt? wenn sie mit Wonne die Huldigungen von Alt und Jung duldet, und kein höheres Glück zu kennen scheint, als die Pracht und den Luxus, die sie umgeben, keine andere Freude, als Allem Hohn zu sprechen, was es Grosses und Heiliges gibt? Ich habe sie am Morgen Tränen der Rührung vergiessen sehen über Empfindungen, die sie am Abend spottend verlachte; und oft, wenn Ihr schönes Auge mich zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, verletzte mich im nächsten Augenblick ihr kaltes Wort so schwer, dass ich schon tausendmal entschlossen war, sie für immerdar zu fliehen. Und sie zu fliehen, sie nicht zu sehen, Mutter! von Jenny zu scheiden, vermag ich doch nicht mehr. – Beide schwiegen, und die Pfarrerin weinte still.
Neulich, fuhr er nach einer Weile fort, hörte sie von dem Unglück einer armen Familie sprechen; sie war sehr bewegt und doch so klug und ruhig in den Hülfsleistungen, die sie anbot. Sie war gerührt wie ein Weib, und klar und verständig wie ein Mann. Hoch erfreut betrachtete ich sie, wie sie geschäftig alles Nötige ordnete und aus Kisten und Schränken zusammentrug, was irgend der augenblicklichen Not zu steuern vermochte. Und nach einer Stunde, als vielleicht auf ihr junges Haupt der beste Segen des himmels von den Armen erfleht wurde, hörte ich selbst aus ihrem mund die Worte: Die Dürftigkeit ist nicht poetisch, ich habe nie an die glückliche Armut geglaubt, sie ist nur niederziehend, ist nur kläglich. – Und ich sollte daran denken, sie in ein kleines Pfarrhaus einzuführen, das ihr niederziehend und kläglich scheinen könnte? – Nein! niemals, niemals!
Und wieder entstand eine lange und traurige Pause, bis die Pfarrerin endlich sagte, indem sie ihren Arm um ihren Sohn schlang: Mein armer Sohn! leider ist manches wahr in Deinen Klagen. Aber bist Du sicher, dass Du Jenny nicht Unrecht tust mit Deinem Urteil? Ihr Herz ist gut, sie liebt Dich, und viele ihrer Fehler, die ich nicht verkenne, würden sich verlieren, wenn sie in der Ehe höhere und reinere Freuden kennen lernte, als den Luxus ihres Vaterhauses.
O! das ist es auch nicht, rief Reinhard, innerlichst erfreut, sich widersprochen und die Geliebte gelobt zu sehen. Das ist es nicht! Gönne ich ihr nicht die Perlenschnur in ihren schönen Locken? Freue ich mich nicht selbst, wenn der weiche Caschmirshawl sich um die kleine, feine Gestalt legt, und die Schultern blendend weiss daraus hervorschimmern? Sie ist geboren für diesen Schmuck! aber, sie kann ihn nicht entbehren; ich vermag ihn ihr nicht zu geben und würde doch erröten, mein Weib in einer Pracht zu sehen, die sie nicht mir