zu einem Freunde zu begleiten, der am nächsten Tage eine Jagdpartie veranstalten wollte, zu der er auch die beiden Grafen eingeladen hatte. Walter antwortete Anfangs ausweichend, aber der alte Herr wollte keine Entschuldigungen annehmen und sagte zu Jenny: Ich bitte Sie, Töchterchen! legen Sie ein gutes Wort für einen alten Onkel ein, der Ihrem Bräutigam einst die erste Flinte in die Hand gab, und sich wieder einmal an den Künsten seines Schülers erfreuen möchte.
Was wollte Walter machen? Er musste die Einladung des Greises annehmen, dessen bittender Ton sonderbar gegen seine befehlende Haltung abstach, und man stand von der Tafel auf, weil der Graf schon in der Dämmerung auf das Land zu fahren wünschte, um vor der Nacht bei seinen Freunden einzutreffen.
In lebhafte Diskussionen über eine Massregel der Regierung vertieft, sassen nach dem Mittagsessen die beiden alten Herren, ihren Kaffee trinkend, vor der Flamme eines Kamins, während Walter mit seiner Braut in der Brüstung eines Fensters stand und Eduard und Joseph die neuesten Zeitungen durchflogen.
Ich fahre ungern hinaus! sagte Walter. So sehr ich die Jagd liebe, so wenig sagt mir gerade diese Gesellschaft zu, die mich ausserdem ein paar Tage von Dir trennt.
Wie wäre es, fragte Jenny, wenn ich den Onkel bäte, Dich mir und meinem Vater zu lassen, da wir ja doch kaum noch eine Woche bei ihm bleiben?
Nein! lass das, Beste! antwortete der Graf, und am Ende müssen wir diese kleine Trennung, die uns gerade jetzt so unangenehm ist, wie ein Opfer betrachten, das wir den Göttern bringen, damit sie uns nicht beneiden. Wir sind zu glücklich gewesen bis jetzt und haben ja die ganze Zukunft vor uns!
Sage das nicht Walter! bat Jenny; es klingt so sicher und wer ist des nächsten Tages nur gewiss?
Abergläubisches Kind! schalt der Graf, indem er sie an sich zog. Warum sollte das Schicksal, das mich von Jugend auf begünstigte, mir jetzt seine Huld entziehen, da ich sie mit Dir zu teilen denke? Sei nicht bange, Geliebte! und vertraue mit mir meinem alten, wohlbekannten Glück!
Indessen hatte Eduard von der Zeitung aufgesehen und blickte mit Freude auf das Brautpaar hin: Schade, dass die Mutter das nicht sieht! sagte er leise zu Joseph, dass sie nicht sieht, welch eine Zukunft Jenny's harrt, und wie froh der Vater sich in ihrem Glücke fühlt! Wie würde sie teil nehmen auch an den Hoffnungen, die ich jetzt fester als jemals in mir hege; die vielleicht bald zu schöner Wahrheit werden!
Weisst Du, was noch bis dahin geschieht? entgegnete Joseph in seiner gewohnten Art. Den toten ist am wohlsten, lass sie ruhn.
Unangenehm durch diese Worte in seiner heitern Stimmung berührt, stand Eduard auf und trat zu dem alten Grafen, der sich eben zum Fortgehen anschickte und Walter aufforderte, ihn zu begleiten. Herzlich nahm dieser Abschied von seiner Braut; es war die erste Tage lange Trennung seit ihrer Verlobung, Jenny geleitete ihn bis in das Vorzimmer hinaus.
Also zwei Tage, Walter! sagte sie, länger bleibst Du nicht fort. hören Sie, lieber Onkel! Keine Stunde länger borge ich Ihnen Walter und Sie selbst bringen mir ihn wieder! – rief sie den Scheidenden zu.
Auf mein Wort! antwortete der alte Graf, als er mit seinem Neffen davonging.
Es war noch hell am Tage und Walter bat seinen Onkel, da sie noch Zeit hätten, mit ihm in den Laden des Juweliers zu treten, bei dem er den Brautschmuck für Jenny bestellt hatte, der noch einiger Abänderungen bedurfte. Dort fanden sie einen Edelmann, der früher mit Walter in demselben Regimente gedient hatte, und nun nach Jahre langem Aufentalt an verschiedenen Höfen Europa's nach Deutschland zurückgekehrt war.
Verwundert, die beiden Grafen Walter hier zu sehen, wo sie weder Angehörige noch Besitzungen hatten, fragte Jener, während der alte Graf mit dem Juwelier in ein Nebenzimmer ging, wo Jenny's künftiges Silbergerät aufgestellt war: Welch ein Zufall führt Sie in diese Stadt, lieber Graf?
Ich bin meiner Braut von Baden-Baden hieher gefolgt, und bleibe bis nach unserer Hochzeit hier!
Sie sind Bräutigam? fragte der Baron, und mit wem?
Meine Braut ist ein fräulein Meier, die Tochter des Bankier Meier.
Ah, scherzen Sie nicht, ein Judenmädchen? rief der Baron lachend.
Was fällt Ihnen daran auf? fragte Walter herb und scharf.
Oh! Ihre Verhältnisse sind zu gut arrangirt, antwortete Jener noch immer lachend, als dass Sie solche Heirat machen könnten.
Sie hören aber, dass ich sie mache! sagte Walter, heftig auffahrend, und werden gut tun, Ihre Verwunderung auf sich selbst zurückzuwenden, denn ich finde sie unverschämt.
Der Baron wollte in demselben Tone antworten, als der alte Graf mit dem Juwelier in das Zimmer und, ohne die Veranlassung des Streites zu kennen, zwischen sie trat. Keine Scene, meine Herren! – sagte er gebietend, aber leise. Sie wissen, wo Sie sich finden, was braucht es weiter? – Und, indem er dem Goldarbeiter ruhig noch einige Befehle gab, verliess er am arme seines Neffen den Laden und den zurückbleibenden Baron.
Was hat es da gegeben? fragte er. Der Neffe berichtete aufgeregt, was geschehen sei. Der alte Herr schüttelte das Haupt: Das war es, was ich fürchtete! Dergleichen konnte