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ein schönes, glückliches Leben vor uns liegt! Komm, Richard, komm! Du musst unsere Freude teilen, denn auch über Dir, geliebtes Kind! hat die Hand des Todes geschwebt; komm, küsse auch Deine Jenny, küsse meine Braut!

Und Jenny? Bei des Knaben erster Frage hatte sie sich von Walter's Brust emporgerichtet, beschämt über das geständnis, welches sie demselben in ihrer Schwäche gemacht, als sie Ruhe suchend, sich an ihn, wie an ihren anerkannten Beschützer lehnte. Jetzt stieg der Gedanke an die Trennung von dem Grafen wie ein düsterer Schatten vor ihrem geist auf, sie wendete sich ab von dem Geliebten und barg mit einem tiefen Seufzer das Gesicht in ihren Händen. Aber Walter's stimme, die Freude und Liebe, die aus seinen Worten klang, machten ihr innerstes Herz erbeben, und als er zärtlich sagte: Du wendest Dich fort von mir? vermochte sie nicht zu widerstehen, reichte ihm beide hände hin und sagte: Ich habe es gewollt, ich wollte Dich meiden, weil mir Dein Glück teurer ist als meines! Gott will es anderswir leben noch! so will ich denn auch für Dich leben für und für!

Jenny's Hand in der seinen, Richard auf seinen Knien haltend, so langte Walter vor dem Gastause in Gernsbach an, wo man ihn schon kannte, da er früher mehrmals auf seinen Streifereien hier eingesprochen war. Er und der Diener halfen Jenny aus dem Wagen, der Graf verlangte nach einem Arzt für sie, aber sie versicherte, dass sie weder eines Arztes, noch irgend eines Beistandes bedürfe. Nur der Kopf ist mir ein wenig schwer, sagte sie, während sie die Binde von der Stirne nahm, mir ist, als hätte ich zu tief und zu lange geschlafenund wirklich weiss ich kaum, ob ich erwacht bin, oder ob ein schöner Traum mich noch umfängt.

Frau Gräfin sollten doch den Doctor kommen lassen! sagte die geschäftige Wirtin und rief damit eine flüchtige Röte und ein freundliches Lächeln auf Jenny's Wangen hervor, das Walter unendlich glücklich machte. Arm in Arm harrten sie der Ankunft ihres Vaters, der mit Ueberraschung sie in dieser Stellung sah, und, als er den Vorgang erfahren, als Walter ihn an sein Versprechen erinnert und dessen Erfüllung verlangt hatte, tief bewegt sein Kind segnete, das in so grosser Gefahr ihm erhalten war und nun einer glücklichen Zukunft entgegenging.

Herr Meier und Frau von Meining allein genossen der Reize, welche Gernsbach und das schöne Schloss Eberstein schmücken. Walter und Jenny sahen nur sich, und während jene sich der köstlichen Aussicht erfreuten, die man aus den Fenstern jenes Schlosses über das ganze Tal geniesst, sass das Brautpaar am fuss des berges in dem Schatten einer Laube und Jenny erzählte dem Geliebten, wie sie noch gestern ihn habe beschwören wollen, sie zu verlassen, und wie schwer ihr der Entschluss geworden, weil sie ihn so lieb, so herzlich lieb habe. Alle ihre Besorgnisse sprach sie ihm offen und frei aus, selbst jenes Gespräch der Stiftsdame teilte sie ihm mit, das sie so tief verletzt hatte, und fragte: Wird es Dich nie schmerzen, wenn Du Aehnliches hören müsstest?

Niemals! sagte Walter entschieden. Glaube mir! Habe ich es je als ein Glück empfunden, auf den Höhen des Lebens geboren zu sein, so war es, weil von dieser Höhe aus, mir jene Vorurteile, die den Sinn der Menge verwirren, stets so gar klein und töricht erschienen sind, weil dieser Standpunkt unser Tun und Handeln sichtbar und zur Richtschnur für viele Andere macht. Ich bin stolz darauf, Dich, Du Geliebte, mit der Grafenkrone zu schmücken, zu zeigen, dass mir Dein Besitz mehr gilt als alle Würden der Welt; und kein Tadel kann mich verletzen, da ich weiss, dass nie ein herrlicheres Weib unsern alten Namen getragen hat als Du!

Und Dein Onkel? Deine Angehörigen? Werden sie mich willkommen heissen, werden Sie gleich Dir denken? wandte Jenny ein.

Mein Onkel ist ein edler Mann und hat wie ich nicht mit dem Leben zu ringen gehabt; wir fanden unsern Platz bereitet. Darum würdigt er, gleich mir, die Stellung, die das Verdienst unserer Voreltern uns erworben; aber er ehrt auch die Würde Desjenigen, der sich selbst erst seine Welt erschaffen muss. Je freier ein edler Mensch sich selbst empfindet, je weiter wird sein Herz, je lebhafter empört er sich gegen Fesseln, die man den Andern anlegt, gegen Unterdrückung und Unrecht. Mein Onkel billigte meine Wahl nicht, ich gestehe Dir das ein, weil sie die alte Sitte unsers Hauses gegen sich hatte; nun sie unwiderruflich ist und mein Glück begründet, wird er Dich lieben, wenn er Dich sieht, und gerade in ihm wirst Du wie ich ihn kenne, einen Freund und Beistand finden.

In solchen Gesprächen und in fröhlichen Entwürfen für die Zukunft flogen die Stunden vorüber, und der Vater musste Jenny endlich daran erinnern, welche Absicht sie hieher geführt.

Wie leicht mit Glücklichen zu unterhandeln sei, das hatte der Vater der kranken jungen Frau bald rühmend zu erkennen. Was er irgend verlangte, wurde ihm schnell und gern gewährt. Man kam überein, ihm eine Summe zur Erweiterung seines Gewerbes anzuvertrauen, während man für die Tochter und ihr Kind ein Kapital festsetzte, hinreichend, sie unabhängig von ihrem Vater zu unterhalten, der unter diesen Verhältnissen nicht anstand,