, entgegnete Clementine, der das Herz heftig schlug, in dem Gedanken an ihren Plan, das finde ich begreiflich, weil Sie dort so ganz allein sind. Sie sollten es aber deshalb nicht aufgeben und werden es auch nicht, bei den hohen Begriffen, die sie von dem Beruf des Gutsbesitzers in unsrer Zeit haben. Ihre Besitzungen haben ein Recht an Sie, Sie haben eine Pflicht gegen Ihre Leute und dürfen, denke ich, eben so wenig dauernd von Ihren Gütern ferne bleiben, als ein König seine Krone zu seinem Vergnügen niederlegen dürfte. Aber Sie sollten sich das Leben auf Hochberg angenehmer zu machen suchen, Sie sollten ....
Gäste einladen? Wer kommt zu mir einsamen? Freunde, welche die Jagd zu mir lockt, und dergleichen Gäste mehr. Ja, gnädige Frau! wenn ich Sie einmal dort sehen könnte, wenn Sie nur wenige Tage dort verweilen wollten! Sie glauben nicht, wie schön, wie sehr schön es bei mir in Hochberg ist! Aber Sie werden nicht kommen.
Doch! antwortete Clementine leise und mit einer Eile, die ihr fremd war, so eilig wie Jemand eine schwere Last, die ihn gedrückt hat, von sich wirft, – doch! Sie müssen nur vorher eine Frau nehmen; das wollte ich Ihnen überhaupt schon lange raten.
Sie! rief Talberg, als traue er seinen Sinnen nicht, Sie wollten mir das raten! Wie konnten Sie auf den Gedanken kommen? Wie können Sie glauben –
Ich meinte, sagte Clementine, die in ihrer tiefen Bewegung mühsam nach Fassung rang und sie durchaus gewinnen wollte, ich meinte, lieber Freund, dass Sie sich glücklich fühlen und glücklich machen sollen. Sie haben so oft gegen mich den Wert der Häuslichkeit gerühmt; warum wollen Sie also einsam Ihr Leben verbringen? Und, rief sie, sich zu einem scherzenden Tone zwingend, von dem ihre Empfindung weit entfernt war, damit Sie wissen, was ich im Sinne trage, ich selbst habe Ihnen eine Frau ausgesucht. Achten Sie auf das erste Mädchen, dem ich Sie heute über acht Tage auf meinem Balle vorstellen werde.
Robert wollte sie mehrmals unterbrechen, sie liess ihn aber nicht dazu kommen. Er war aufgestanden und ging heftig im Zimmer auf und ab. Beide schwiegen, es war eine bange Pause.
Ja! sagte er endlich und lächelte höhnisch, Sie haben Recht, ich bin ein leidenschaftlicher Tor, ein unbequemer Gast, den man um jeden Preis von sich entfernen muss; auch wenn es mein einziges, letztes Glück zerstörte. Sie haben Recht, und es soll anders werden. Ich bin neugierig auf Ihre Wahl, meine Gnädige! ich sehne mich, die Auserkorene kennen zu lernen, denn ich bin grade in der rechten Stimmung, einen liebenswürdigen Gatten zu machen. Aber freilich, eine Frau, die so viel Glück in der Ehe gefunden hat, als die Geheimrätin von Meining, will es Andern auch bereiten. O! über die grossmütigen Frauen!
Wie ungerecht sind Sie! das war Alles, was Clementine den stürmischen, unwürdigen Worten entgegnete, aber ein paar grosse Tränen zitterten in ihren Augen.
Plötzlich blieb Robert vor ihr stehen, er war blass geworden, und auch sein Auge war von Tränen feucht. Er sah sie lange unverwandt an, fasste ihre hände und sprach: Sei es so! Sie haben Recht, ich werde gehen und zwar bald, weil Sie es wünschen. O! Sie sind rein und licht wie der Kelch dieser Blume; tief wie in ihn, sehe ich in Ihr heiliges Herz. Machen Sie mit mir, was Sie wollen, ich habe keinen Willen als den Ihren. – Damit bog er sich zu ihr nieder, dass er fast vor ihr kniete, küsste ihre hände und ging eilig hinaus.
Clementine schlug ihre hände, wie im Gebet, zusammen und blieb in schwermütigem Hinbrüten, bis Marianne und die übrigen Gäste kamen. Dann, weil sie sich innerlich Gewalt antat, verfiel sie in eine überreizte Laune, welche Frau von Stein und Marianne allerliebst und höchst unterhaltend fanden, und bei welcher ihr selber das Herz brechen wollte und alle Nerven bebten. Auch war sie in den nächsten Tagen kaum im stand, die nötigen Einladungen und Besorgungen für ihren Ball zu machen. Sie fühlte sich krank und bestand doch, trotz Meining's Abreden, darauf, den Ball am bestimmten Tage zu geben. Sie liess Robert, der gekommen war nach ihr zu fragen, wie alle übrigen Besuche, abweisen und bat den Geheimrat, er möge ihr, da das gesellige Treiben sie wirklich angreife, nur ein paar Tage vollkommener Ruhe gönnen, deren sie bedürfe, um zu dem Balle frisch und gesund zu sein.
Der verhängnissvolle Abend kam denn auch heran. Die ganze wohnung war glänzend geschmückt, alle Zimmer geöffnet, Blumen und Kerzen überall. Grosse Spiegel und glänzende Vergoldungen strahlten die Gasflammen und Kerzen fröhlich wieder. Der Geheimrat war in der besten Laune, als er Alles so festlich und heiter um sich her sah; aber in Clementinens Seele war es nicht so hell. Und dennoch sah sie schön aus in ihrem schwarzen Kleide mit der weissen Perlenschnur um ihren stolzen Nacken. Ihr Haar, einst Robert's Entzücken, war glatt gescheitelt, ohne Blumen, ohne Schmuck. Weshalb sollte sie sich auch wohl schmücken? Sie hatte den ganzen Tag gebangt vor dem Gedanken an den Abend, sie hatte unaufhörlich mit sich selbst gekämpft. Nun war sie