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, er käme zurück und bliebe bei mir, denn ich fürchte mich allein vor mir selbst. Ich wollte lesen und vermochte es nicht; die Kinder, die ich holen liess, sprachen von Onkel Talberg, von dem mein Herz ohnehin schon laut genug spricht. Dann wollte ich mich zerstreuen und sah auf die Strasse hinaus; eine arme Frau ging vorüber, starr und weinend vor Kälte. Ich liess sie hereinholen, wärmen, speisen und kleidenwohl ihr, dass man ihr helfen kann. Mir kann Niemand helfen!

Den 2. Januar. Mir träumte die ganze Nacht von Dir. Ich sass mit Dir und den Kindern, und wir sahen aus den Fenstern auf das Meer, das auf- und niederwogte, und Du wickeltest mein Haar zu Locken um Deine Hand, immer neue bildend und die frühern zerstörend. Darauf erzähltest Du von Deinen Reisen und Deinem Leben und sagtest: wir sind uns schon früher begegnet, da haben wir uns geliebt, und Du liebst mich noch, Clementine. Nun fing ich bitterlich an zu weinen. Du aber küsstest mein Haar und führtest mich hinab an's Meer. Schweigend und ruhend auf Deinem arme, wandelte ich auf und ab mit Dir, und Du zogst lange, weisse Perlenschnüre aus den Wellen, und schmücktest mein Haar, dass mir die vollen Perlenreihen bis an das Herz niederreichten. Da wurde mir entsetzlich bange, und ich sagte: aber Perlen bedeuten ja Angst und Tränen? und Du lächeltest trübe und sprachst: erwartest Du es anders?

Ich wachte auf, in Tränen gebadet. Gott selbst wollte mich warnen im Traume. Was soll ich tun?

Clementine an Frau v. Alven.

B e r l i n , den 3. Januar 1840.

Glück auf zum neuen Jahre, meine gute Tante! und möge es uns nichts Uebles bringen. Hast Du mich denn ganz vergessen, dass auch kein Wort mehr von Dir zu hören ist? Ich sprach noch gestern mit Meining davon, der Dich leider noch immer nicht kennt; und wir überlegten, ob es nicht möglich wäre, dass Du jetzt für einige Zeit zu uns kämest. Mir geschähe der grösste Gefallen damit, denn ich habe seit Jahren Nichts so sehnlich gewünscht, als wieder mit Dir, Du treue Freundin, zusammen zu sein. Auch weiss ich eigentlich nicht, was Dich davon abhalten könnte, recht bald zu kommen, damit Du noch einen teil der Winterfreuden und das beginnende Frühjahr mit uns geniessen könntest.

Du hast es mir immer abgeschlagen, uns in Heidelberg zu besuchen, unter dem doppelten Vorwande, die Reise sei zu weit, und Eheleute müssten erst Jahr und Tag allein mitsammen leben, ehe sie an einen Hausgenossen denken dürften. Beide Rücksichten fallen jetzt weg, und ich fange getrost an, Deine wohnung bei uns einzurichten. Du sollst die Zimmer haben, die Du früher bewohntest; Alles soll an der alten Stelle stehen, und Deine Clementine hat auch die alte Liebe für Dich.

Komm Herzens-Tante! ich bin so viel allein, ich habe Grillen, die ich nicht bannen kann; ich muss Dir Vieles sagen, ich bedarf dringend Deines Rates, also lass Dich nicht vergebens bitten und erwarten.

In acht Tagen könntest Du hier sein, wenn Du noch die gute, flinke Tante wärest. Meining, der immer sehr gütig gegen mich ist, bittet mit mir um Deinen Besuch und empfiehlt sich Dir bestens; so auch die Generalin und alle Deine übrigen Freunde, die sich ein fest daraus machen, Dich wiederzusehen. Schreibe mir, welchen Tag Du einzutreffen denkst, gute Tante! Wir kommen Dir, wenn es Meining's Geschäfte erlauben, bis zur ersten Station entgegen oder schicken Dir mindestens unsern Wagen und Diener. Aber komme bald, denn ich bedarf Deiner in der Tat.

Frau v. Alven an die Geheimrätin

v. Meining.

St...., den 12. Januar 1840.

Mein liebes Kind! ich wünsche gewiss ebenso sehr als Du, dass es uns vergönnt würde, eine Zeit mit einander zu verleben; leider müssen wir aber den Plan noch für eine Weile hinausschieben, da ich nicht wohl genug bin, jetzt an eine Reise zu denken. Indess will ich mich so rüsten, dass ich bei der nächsten gelinden Witterung mich auf den Weg mache, und so wollen wir Beide um einen milden Winter bitten.

Was Du mir von Grillen und Klagen schreibst, das kann ich nach diesen unbestimmten Ausdrücken nicht verstehen; will es auch nicht, falls irgend etwas Deinen häuslichen Frieden gestört hätte. Dergleichen kommt wohl in jeder Ehe vor, und man muss sich nur hüten, ein Wort davon, auch gegen die beste Freundin, laut werden zu lassen. Der Frieden stellt sich oft gar leicht wieder her; das ausgesprochene Wort kann aber nie zurückgenommen werden und ist nur zu oft eine Saat, die böse Früchte trägt. Meining ist, wie Du mir selbst sagst, gut und brav und liebt Dich. Musst Du Dich also aussprechen, ist es Dir Bedürfniss, so sei es gegen ihn. Suche mit ihm und Dir selbst in's Reine zu kommen, undwenn Du dulden musst, dulde heiratete Frauen habe. Im Frühjahr sehen wir uns, wie ich hoffe, wieder; mögen dann mit dem Winter auch Deine Grillen verschwunden sein. Du warst ein kluges, kräftiges Mädchen; halte Dich, wie eine brave Frau soll, und schweige,