, nur einmal zu walzen; er tanze sonst auch nicht mehr, wir müssten zusammen eine Ausnahme machen; ich mochte aber nicht. Als ich mich entschloss, Meining's Frau zu werden, habe ich durch die Verbindung mit einem so viel älteren mann dergleichen Genüssen entsagt, indess habe ich das nie bereut. Marianne fragte mich heute, als ich, während die Andern tanzten, hinter Meining's Stuhl stehend, dem Whist zusah und Talberg neben mir war, ob wir nicht sehr glücklich wären, einander wieder zu sehen? Wir müssten doch alte Bekannte und Jugendfreunde sein. Robert antwortete: Ich bin es gewiss und wünsche nur, dass Frau von Meining mich nicht ungern wieder sieht. Ach! rief Marianne, welche Frau sieht einen alten Anbeter nicht gerne wieder, so lange sie noch jung und schön ist; und von der Seite ist Frau von Meining sicher ohne Sorgen. Mir war die ganze Unterhaltung höchst zuwider, ich schämte mich und fürchtete, mein Mann könnte sie hören; der war aber so in sein Spiel vertieft, dass er des Geschwätzes gar nicht inne ward. Endlich ging ich zu den alten Damen in das Nebenzimmer, aber auch dahin kam mir Marianne neckend nach, lachte, tat geheimnissvoll und sagte: Also den Hof hast Du Dir doch machen lassen, so gut wie wir, und der schöne Talberg hat das nicht vergessen. Denn als ich ihn heute etwas ins Gebet nahm, war er Deines Lobes voll und in Bewunderung Deiner Schönheit. Und darin hat er so unrecht nicht: denn heute, wo Du einmal trotz Deiner Einfachheit Dich stylvoll angekleidet hast, siehst Du wirklich so eigenartig aus, dass es jeder Einzelne bemerkt. Du hast immer etwas Besonderes, das man fühlt und sieht, aber nicht nachmachen kann – heute indess bist Du ganz reizend! – Ah! da kommt er wieder! Nun ich will nicht stören, car l'on revient toujours à ses premiers amours! und damit ging sie, die Melodie des Liedes trällernd, leichtsinnig wie ein Kind davon. Ich war in der peinlichsten Verlegenheit, Talberg aber gleichmässig und freundlich. Wir sprachen von Mariannens wunderlichen Eigenheiten. Talberg meinte, sie gliche auffallend einem Kupferstiche, den er in diesen Tagen angekauft, und den er mir zur Ansicht schicken wolle. Dann hatte Meining grade seine Partie beendet, und wir fuhren fort, als man zu Tische ging.
Neuntes Capitel
Am nächsten Morgen hatte Clementine eben ihren Wagen zu einer Fahrt in den Tiergarten vorfahren lassen, als man ihr Talberg anmeldete. Sie empfing ihn, und er entschuldigte sich, dass er den Kupferstich selbst bringe; er habe sich aber das Vergnügen, sie zu sehen, nicht versagen können. Doch wolle er sie von ihrer Promenade nicht abhalten und bäte um die erlaubnis, sie zu ihrem Wagen führen zu dürfen. So geschah es. Während sie die Treppe hinunterstiegen, überlegte Clementine, was sie nun eigentlich tun solle. Jeden Andern hätte sie augenblicklich aufgefordert, den Abend in ihrem haus zuzubringen, und Talberg darum zu bitten, konnte sie sich nicht überwinden. Was würde aber Meining dazu sagen, wenn sie ihm erzählte, wie flüchtig sie Talberg abgefertigt hätte, und was würde dieser selbst von ihr denken? So entschloss sie sich, ihn für den Abend einzuladen, und er sagte freudig zu.
Am Mittage erzählte sie dem Geheimrat von dem Besuch und von ihrer Einladung, der sich derselben freute und hinzufügte, er habe den Obrist B. und den Maler R., die er zufällig gesprochen, zu einer Partie bei sich geladen. Wir machen dann ruhig unser Spiel, sagte er, und Du musst Deinen Gast, da er nicht spielt, selbst unterhalten, bis zum Abendessen.
So waren denn, als die drei Herren sich zum Spiele gesetzt hatten, Robert und Clementine allein an ihrem Teetische, und sie fühlte eine fast mädchenhafte Scheu, als sie nun nach langjähriger Trennung, zum ersten Mal mit dem geliebten mann, der ihr ein Fremder sein musste, sich allein befand, allein in jenen Zimmern, in denen sie so oft in glücklicher Unbefangenheit und im Gefühl der wärmsten Liebe beisammen gewesen waren. Nun war das Alles anders. – Ihre Befangenheit entging dem scharfen Auge Talberg's nicht, dessen Blicke an ihr hingen, denn auch er war von lebhaften Erinnerungen bewegt. Dadurch wollte anfangs kein rechtes Gespräch in den gang kommen, und Talberg blätterte in halber Zerstreuteit in einem buch, das zufällig auf dem Sopha lag. Es war das Buch der Lieder von Heine, auf dessen Schriften sich nun die Unterhaltung wandte.
Lieben Sie Heine noch so als früher? fragte Robert, ich weiss, dass Sie von den ersten Heine'schen Gedichten, die Sie kennen lernten, sehr entzückt waren; und wie mir dies Buch beweist, dauert diese Vorliebe fort.
Nicht so unbedingt als Sie glauben, entgegnete sie. Ich bekenne, dass mich Vieles in den Liedern, die ich damals einzeln kennen lernte, lebhaft ergriff und anzog. Dass der Schmerz über eine verschmähte Liebe, dessen er sich schämt, sich in wilder Ironie verbirgt, das fand ich bei einem mann eben so wahr als ergreifend, dass er aber später Nichts mehr schont, selbst nicht diese Liebe, nicht die Sitte, nicht sich selbst, das hat ihn mir verleidet.
Ja freilich, für den Gebrauch der Jugend hat er nicht geschrieben! bemerkte Robert, und ein spottender Zug wurde um seinen