1843_Gotthelf_137_99.txt

Mistgülle geschnadert haben. Die Schweine grunzten gewaltig, als es bei ihnen vorbeiging; sie wussten auch, wer es war, und als es in die stube trat, berzete auch die Mutter im Nebenstübli, durch das Raxen der tür aus ihren Träumen gestört. Es ist meist so, dass wo der Bauer ein Raxer ist, da raxet und gyret alles; da raxet das Tennstor, die Wagenräder, die Stuben-, die Gänterlistüre, ja selbst der Hosensack.

"Bist dus?" fragte die Mutter und zog die Kappe wieder zweg, "was ist für Zeit ? Es wird Zeit sein zum Feuern, geh und mach zweg; es muss zweggmacht sein für die Säu, u für us geihts de grad i eim, u was de nit da ist, cha hingernache luege."

Anne Mareili, ein getreuer Adjutant, jedoch ohne galonierte Hosen (die Obersten sollen galonierte Schnäuze kriegen nächstens, an Geflemmten wolle man den Effekt probieren, heisst es), fütterte die Schweine an der Mutter Statt. Wie es eben dran war, den Trog zu putzen, kam der Vater daher, tat die tür auf zum Stall, und wie Anne Mareili das Herz klopfte, während der Vater die Schweine besah, aber nicht wegen den eigentlichen Schweinen, sondern wegen Kellerjoggi, das begreift niemand, als wem einmal an Vaters Lippen ein Urteil gehangen hat, das, wie eine Kartätsche in den Leib, schlagen konnte in das Lebensglück. "Die tun nicht bös", sagte er; "am kalten Märit können wir zwei vorab den Burgdorf-Metzgern geben, öppe eim, der Geld hat; wenn wir die andern ausmästen bis Lichtmess, so wiegt jede drei und einen halben Zentner, und wennd morn mitwillst düruf, so mach, dass du vor den Fünfen zweg bist."

Man sagt bald, es sei einem gewesen, als ob Feuer durch einen durchgefahren oder als ob man einen mit wasser beschüttet hätte über und über, aber wie es Anne Mareili war, das konnte es nicht sagen. Es wusste nicht, tanzte es mit dem Säutrog oder fuhr es mit samt dem Haus durch die Luft, und ehe es begriff und antworten konnte, war der Vater fort und gab den Rossen zu fressen, brummend über die Liederlichkeit des jungen Volkes, das um sechs Uhr noch nicht heim sei, nicht ausgehudelt habe, wohl, denen wolle er. Er dachte halt nicht daran, dass jeder meinte, der Meister, weil er so früh ausgegangen, werde auch spät heimkommen, darnach sich richtete und verrechnete, so gut der Meister sich selbst verrechnet hatte. Der war auch ausgegangen, um zufällig den Kellerjoggi anzutreffen, und traf denselben richtig auch an, aber nicht wie er gehofft hatte. Derselbe tat gar kaltblütig, weder verblüfft noch zornig, brachte es ihm schön, als er hineinkam, sagte bloss im Vorbeigehen, er sei letztin nicht gekommen, er hätte öppis Rückeweh gehabt, aber die andere Woche werde es sich wohl geben, wenn er öppe Zeit hätte. Der Dorngrütbauer nahm das hin und sagte bloss, er wisse nicht, was es gebe, könne nichts versprechen, es gebe manchmal etwas ungsinnet. Darauf sprach er von gleichgültigen Dingen. Wie er den Schoppen aus hatte, brach er auf, gäb wie man ihn bleiben hiess. Er müsse gehen noch etwas schauen, sagte er, wenn es einem an etwas gelegen sei, so müsse man gehen, während es noch Zeit sei, mit dem Warten habe man schon manches versäumt, dann sei man reuig und es nütze doch nichts. Das ging dem Kellerjoggi hinein; er drehte die Rede lang um und um und dachte: Ist das ghaue oder gstoche? Er wird einen nur glustig machen wollen, meinte er endlich, aber er ist am Lätzen; wenn die Katzen Mäuse fangen wollen, so müssen sie der Sache wohl abpassen. Aber zu listig kann man manchmal auch sein, und Abpassen und Verpassen ist einander nahe verwandt.

Anne Mareili konnte vor Freuden der Mutter den erhaltenen Bericht fast nicht sagen, setzte aber doch hinzu: "Mutter, gehe du mit dem Vater; du bist so lang nie von haus weg gewesen und noch gar nie dort oben."

Die Mutter hatte es ungern, dass der Vater das Meitschi auserlesen, und zürnte es, wie es so geht, auch an der Tochter, die sich dessen nichts vermochte. "Wenn er mich wollte", sagte sie, "so hätte er es mir anerboten; aber ich weiss wohl, er schätzt mich nichts und schämt sich meiner, und wenn er mir jetzt schon zehn Batzen geben wollte, dass ich mitgehen sollte, er könnte mir küderlen." Das wäre zu probieren gewesen; aber was der Bauer einmal wollte, daran war wenig mehr zu ändern, und an diesem gar nichts. Die Mutter hatte allerdings recht, er schämte sich ihrer, sie war ihm zu ungattlich und redete ihm nie recht. Gab sie ihm recht, so war es ihm nicht recht, widerredete sie ihm, so ward er erst böse. Sie hatte es bös treffen. Seine hübsche Tochter hatte er viel lieber neben sich; er hatte eine gewisse Meinung mit ihr, die sich in ihrem grund nicht viel von der Meinung unterschied, die man mit einem schönen Ross hat oder einer aparti stolzen Kuh und dass man lieber mit einem Engländer ausfährt als mit einer Mähre, welche halb von den Mäusen gefressen