." Dann hatte die Mutter gesagt: "Was witt doch, du Göhl, es düecht mih, du söttisch gnue Kingelehr übercho ha. Es geiht ja ke Mönsch, was witt doch? DLüt lache dih ume us." So hatte es die Mutter abgehalten, und Anne Mareili liess sich abhalten, es hatte es nicht besser gesinnet.
So halten noch viele Eltern ihre Kinder vom Gottesdienst ab, und nicht nur vom Gottesdienst, sondern auch von Gott selbst. Wartet nur, ihr Toren! Wenn ihr eure grauen Haare mit Jammer zur Grube tragt, dann schreit ihr vielleicht nach Gott; aber zwischen euch und eurem Gott stehen dann eure Kinder, die ihr an Teufel und Welt verraten, und wie wollt ihr erlöst und selig werden, so eure Kinder durch euch verführt und verflucht sind?
Jetzt düechte es Anne Mareili, dahin möchte es einmal wieder, und alsbald fiel ihm bei, wenn es die Leute frügen, was es da wolle, so könne es zWort haben, sie hätten einen Ackerbub und es nähme sie wunder, wie der antworte und ob ihm der Herr wohl erlauben würde. Das könnte freilich noch Mancher zWort haben, um zur Kinderlehre zu gehen; aber leider sind der Mütter, der Väter gar zu viele, die sich nie darum kümmern, wie ihr Kind dem Herrn antworten könne in der Kinderlehre, die sich ebenso wenig darum bekümmern, was einst ihr Kind dem Herrn antworten müsse am Tage des Gerichtes. Aber wartet nur, es kommt eine Stunde, wo ihr anhören müsst, ihr mögt wollen oder nicht, was das Kind antworten muss, und wehe dann euch, wenn das Zeugnis gegen euch ist, euch anklaget als Seelenmörder, und Seelenmörder ist noch ganz was anderes als Leibesmörder! Dann gehen euch die Ohren auf, sie mögen verpicht sein wie sie wollen, und die Predigt könnt ihr nicht verschlafen, wie manche auf Erden ihr auch verschlafen habt; die Donner des Zornes Gottes wecken, darauf könnt ihr euch verlassen.
Anne Mareili mässigte, sobald es den Fund getan, seinen Schritt und ging ganz zimpferlich ins Dorf, wie es sich Dorngrütbauern Tochter ziemte, suchte so unbemerkt als möglich zur Kirche zu gelangen, und wenn ihn es jemand ansprach, so brachte es seinen guten Grund vor, gegen welchen man ihm gewöhnlich einwendete: "He, was witt, lass du die zusammen machen; gäb du gehest oder nicht, es fällt doch wies will oder wie der Herr den Laun hat. Komm, in der Kirche schläfert es dich nur, und in der Luspinte wird getanzt!"
Als Anne Mareili in die Kirche kam, hatte es verläutet, der Herr den Psalm verlesen; schon ging die Orgel, mit gwunderigen Augen sahen sich die Kinder nach ihm um, dass es ganz rot ward und fast reuig, dass es gekommen.
Während die Orgel ging, gingen seine Gedanken dem Vater nach, sahen, wie er den Kellerjoggi fand, wie sie Frieden machten, sah den Tritt vor dem Taufstein und dachte sich, wenn es da knien müsste mit dem alten, an Leib und Seele wüsten mann, sich verkaufen lassen musste mit Leib und Seele, wie es unter Christen, und zwar unter den vornehmsten am öftersten, üblich und bräuchlich ist. Immer lebendiger trat ihm der Alte vors innere Gesicht; es sah ihn dort knien, sah sich an seiner Seite, sah, wie der Pfarrer las und immer las und immer näher die Stelle kam, wo es Ja sagen sollte; immer enger schnürte sich sein Herz zusammen, es dünkte ihn es, als müsste es ersticken oder geradeaus in die Kirche hineinrufen: Nein, Nein und immer Nein in alle Ewigkeit. Da schwieg plötzlich die Orgel; aber seine Beklemmung löste sich nur langsam, Göller und Hemde und Kittel, alles war ihm zu eng geworden, denn wo es einem zu eng ums Herz wird, da ist kein Göller weit genug, da ist selbst Gottes weite Welt zu eng. Aber wenn es einem zu eng wird in der weiten Welt, da findet man wohl ein ruhig, frei Plätzchen im eigenen Herzen, wenn man ein Herz darnach hat.
Da begann der Pfarrer zu reden: Wie es draussen in der Welt wandelbar sei, das Wetter unterm Himmel wie die Zustände auf Erden, wie auf den Sonnenschein der Regen folge, auf den Sommer der Winter, auf gute böse Jahre, und Trübsale wechselten mit Glück und Freude. Dieser Wechsel sei aber nicht ungefähr oder komme aus Bosheit, sondern aus Gottes väterlicher Hand. Das aber sei wichtig und nie zu vergessen; denn wie draussen es wechsle, solle es nicht wechseln in des Menschen Seele, denn es solle eben der Mensch über den Wechsel sich erheben und zu einem bleibenden, unveränderlichen Wesen werden, er solle nicht gleichen der wechselnden Welt, sondern dem Vater im Himmel, in welchem kein Schatten der Umkehr und des Wandels sei. Um aber so zu werden, müsse der Mensch es wissen und nie vergessen, dass er ein Kind unter des Vaters Auge sei, der jedes Haar an seinem haupt behüte und keines ausfallen lasse ohne seinen Willen, jede gute Gabe gebe und jede Züchtigung; dann vermöge er den kindlichen Sinn zu bewahren, der dankbar bleibe dem Vater in guten Tagen, willig und geduldig in Trübsalen, in guter Zuversicht auf die Zukunft, gleichmütig und demütig immerdar in festem Glauben, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zur Seligkeit