ein Anderer, der Geld wollte.
An jenem Sonntag tat er wie gewohnt, und Anne Mareili bebte nur vor einem heranfahrenden Kellerjoggi; aber es wusste doch immer, was ging, und hatte den Vater sozusagen unter den Augen. Wie erschrak es aber, als er, sobald er zu Mittag gegessen hatte, sich sunndigte, den Hut bürsten liess und abzog, ohne zu sagen wohin, aber in der Richtung eines Wirtshauses, wo des Sonntags Kellerjoggi gewöhnlich seinem Namen Ehre machte und welches zwischen Schüliwyl und Aufbigehrige lag.
Unwillkürlich zog es Anne Mareili dem Vater nach, aber bis es sich zweggemacht, war er seinen Augen längst entschwunden, aber dennoch musste es gehen. Es werde ihm neue so angst, sagte es der Mutter, es düechs, es müsse ein wenig voruse. "He nun, so geh", sagte die Mutter, "aber mach, dass du heim bist für dSach z'mache! Auf die Jungfrauen kann man sich nicht mehr verlassen, gäb wie man es ihnen sagt; wenn die hinter sieben Zäunen ein Bubenbein sehen, so bringt man sie mit keinem Lieb mehr ab Platz."
Anne Mareili ging der Richtung nach, in welcher der Vater gegangen war, aber keine Spur vom Vater fand sich mehr. Wege liefen nach allen Richtungen aus, es wählte nicht, lief den geradesten; bald stand vor ihm das Dorf, wo ihre Kirche stunde, und nun fiel auf einmal ihm die Verlegenheit aufs Herz, was es dort machen, was es zWort haben wolle, und wenn es durchs Dorf durch sei, wohinaus es dann wolle. Wenn es gesagt hätte, es wolle ein Kehrli machen, spazieren gehen, man hätte es angesehen wie einen Stier ohne Hörner, ein Schwein ohne Ohren, und bis dato noch schämen ehrbare Mädchen auf dem land sich des Kehrlis und Spazierens ohne Ziel; sie spazieren auch, aber sie haben entweder etwas beim Schuhmacher zu verrichten oder möchten sehen, was ihr Flachs mache oder der Hanf auf der Rösti. Dann war es so früh, und es kam daher wie aus einer Kanone; so wegen mir nichts und dir nichts kommt man aber nicht so früh und so wie aus einer Kanone.
Da fing es an zusammenzuläuten zur Kinderlehre. Beruhigend klangen die Töne in sein verwirrt und ängstlich Herz hinein, sie waren wie das Öl, das Aarons Haupt umfloss und Ruhe in sein Herz ihm goss; vor ihm ging es auf wie ein gross und herrlich Tor, das in kühle, friedliche Hallen führt aus heissem Gewühle. In die Kinderlehre, düechte es ihn es, möchte es einmal wieder; seit es die Erlaubnis zum heiligen Abendmahl erhalten, war es nie in derselben gewesen. Dass Baurentöchter dieselbe besuchen, ist nicht Mode, kein guter Schick ist dort zu machen, keine Kurzweil ist darin zu treiben, und wo es nicht Mode ist, geht man nicht hin, so ume vo wege nüt mag man sich nicht auslachen lassen. Nur so arme Mädchen und zuweilen auch ein sinniger Bube kommen her, die es einsam anweht draussen in der Welt, die Heimweh haben nach dem Orte, wo sie die Liebe Gottes angeweht, wo sein Licht helle Strahlen in ihre Herzen geworfen, die ein Heimweh haben nach dem Lehrer, der ihre Herzen einem höhern Sinne aufgeschlossen, dessen Worten sie es angefühlt, dass er ein Herz für sie habe, wie keines auf Erden für sie geschlagen, dass sie ihn so recht aus Herzensgrund erbarmen, dass er sie retten möchte aus des Verderbens Schlund mit allen Kräften und von ganzer Seele. Wie wohl tut es ihnen, wenn sie ihn sehen, wenn sie die alten und doch immer neu werdenden Lehren hören! Und wenn sie fühlen, dass unter ihnen der Boden wankt, dass die Wellen der Welt die Scholle, auf der sie stehen, vom Ufer reissen, so wenden sie nur um so inniger ihre Blicke nach dem treuen Lehrer, und Tränen drängen sich ins Auge, und jede Träne ruft: Wenn der es wüsste, was würde er sagen! Da wird oft das Herz so heiss, Bekenntnis um Bekenntnis drängt sich hervor bis an die Schranke der üblichen Sitte; da erkalten sie wie Lava in des Meeres Schoss, und was der Lehrer wohl im Auge sah, das überschritt die Lippen nicht, das versteinerte nach und nach. Wenn dann im Herzen die Welt erkaltet, da taut wohl das versteinert Gewesene wieder auf; er hätts gut mit mir gemeint, heisst es dann, aber was will me? Ih ha mih gschoche, u du ischs gange, wies gange ist. Wenn ich ihn nur noch einmal sehen könnte und der liebe Gott mir verzöge, so wärs, was ich wünschte. So dünkt es manches arme Mädchen und zuweilen auch einen Buben, die fühlen, dass kein Herz so warm für sie schlägt als das da innen. Diese haben eben kein Vorwort nötig, wenn sie in die Kinderlehre gehen wollen; die, wenn sie nicht narrochtig tun, laufen unbeachtet.
Anne Mareili hatte den Pfarrer auch geliebt, es düechte ihn es immer, er meine es so gut, kein Mensch so auf der Welt; mit keinem Lieb hätte man es von einer Unterweisung abgehalten, und als sie zu Ende waren, düechte es ihn es, es wäre ihm jemand gestorben und zwar das Liebste, welches es auf der Welt hatte. Es hatte darauf einige Male gesagt: "Es düecht mih, ih möchte zKingelehr