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gleich anekneue und Ja sagen und dir noch danken für die Ehr und das Zutrauen. Aber selb macht sich nicht so und so gleitig geht das nit, oder was meinst, Meitschi, soll ne klepfe und wotsch ne?" "Mir wärs recht, Ätti", sagte Anne Mareili, "ich wusste nicht, was ich darwider haben sollte." "So, das wüsstest du nicht", sagte der Bauer, "du wirst nicht mehr wissen, was abgeredet ist? Allem an scheint das eine abgeredete Sache, und es mangelt nichts mehr, als dass ich schön nachsage, was ihr mir vorsagt. So, so, das geht afe lustig heutzutage." "Nein, Vater", sagte Anne Mareili, "so ist es doch nicht, und es ist mir recht, dass Ihr gerade dazukommt, es wäre öppe niemand in Sinn gekommen, öppis hinter Euerem rücken anzustellen. Aber das sage ich noch einmal und werde es immer sagen, den Kellerjoggi nehme ich nicht, einen Unflat mag ich nicht." "Warum holst du mir kein Kacheli?" sagte der Bauer, "oder ist dSach nicht auch für mich?", setzte sich an den Tisch und sagte dazu: "Es macht heute heiss." Dann sprach er von diesem, von jenem, fragte nebenbei, ob sie auch eine Käserei hätten, und liess alles abwickeln, was an dasselbe sich knüpfen lässt, hielt so gleichsam ein verblümt Examen. Endlich fragte er: "Wo bleibt die Mutter? Sage ihr, sie solle einen Schlack Wein bringen, er düecht mich nie besser als auf den Kaffee. Ich habe heute noch keinen gehabt, ich habe pressiert, es het mih düecht, ih müess hei."

Die Mutter war draussen und hatte sich wohl gehütet, in die Nähe zu kommen; sie hatte es akkurat wie ein Knabe, der brennenden Schwamm auf einer Schlüsselbüchse hat oder auf einem Feuerteufel: er horcht ängstlich, obs nicht bald losgehe, aber das Gesicht hält er wohlweislich so weit als möglich vom Feuer ab.

Als Anne Mareili hinauskam, erschrak sie und meinte, sie müsse vor Gericht, als es aber seinen Auftrag ausrichtete, fragte sie freudig: "Was, hat er zugesagt, ist dSach richtig?" "Nichts hat er gesagt", sagte Anne Mareili, "er tut, als ob er von allem nichts gehört, und redet da von Ziger und Käsmilch, dass man vor Ungeduld fast selber Ziger wird. Ich kann mich gar nicht auf den Ätti verstehen." "Zähle darauf", sagte die Mutter, "es hat etwas Ungerades gegeben mit Kellerjoggi. Die alte Säble! Es wird einer den Andern betrügen wollen, und jeder wird meinen, der Andere solle es nicht merken. Üse Ätti wird öppis gmerkt ha und nit zwüsche Stüehl und Bänk welle, er het lieber Figge und Mühle." "Weiss nit", sagte Anne Mareili, "aber Figge und Mühle können auch fehlen, das erfährt gegenwärtig so manche stolze Tochter, die sich in ihren Ängsten die Beine abläuft um einen Mann und vor lauter Figge und Mühle zu einem unehlichen kind kommt. Es ist jetzt afe eine Schande, eine Bauerntochter zu sein, und man nimmt bald alle in eine Wid." "Ja", sagte die Mutter, "dWelt ist afe schlecht." "Ja", sagte Anne Mareili, "aber noch manches Meitschi sinnete das Bessere, aber man lässt nicht lugg, bis es nicht anders als die Andern ist." "He ja", sagte die Mutter, "es geht all Weg", aber der Tochter Sinn verstund sie nicht.

Drinnen gings in lauter Friede, dass die Mutter sich gewaltig wunderte, als sie den Wein brachte und sah, wie der Alte mit Resli redete, freilich nicht wie mit seinesgleichen, denn der Dorngrütbauer war der Meinung, dass seinesgleichen nicht auf Erden sei, und kein Altadelicher konnte auf seine Weise stolzer sein als der Dorngrütbauer. Seine Einbildung stützte sich nicht nur auf seinen Reichtum, sondern auch auf seine Weisheit und Einsicht. Er hatte einige Händel gewonnen, und einmal war er fast Ratsherr geworden, hatte sich wenigstens bereit erklärt, dass er es annehmen würde; zudem waren ihm einige Redensarten über Herren und pfaffen geläufig, mit denen er regelmässig alle Sonntage einige Handwerksbursche und an Gerichtstagen den Gerichtschreiber zu lachen machte. Daher behandelte er niemand als seinesgleichen; wem er Ehrfurcht bezeigen sollte, den floh er, aus welchem grund wahrscheinlich er auch von unserem Herrgott keine Notiz nahm und tat, als ob derselbe nirgendwo wäre; mit wem er zusammentraf und sich abgeben musste, der musste es wissen und empfinden, dass es der Dorngrütbauer sei, mit dem er rede. Und wenn er mit einem zusammentraf, der ihn nicht kannte, was noch hie und da geschah, obgleich seine Nase selten ausserhalb seiner Kuhweid zu sehen war, so sagte er, das düeche ihn kurios, sust wüss öppe esn ieders King uf dr Welt, wer der Dorugrütbauer sei. Es wäre sehr merkwürdig gewesen, wenn der und Goete sich einmal getroffen hätten, sie Zwei an einem Wirtshaustisch, zwischen Beiden etwa ein Kalbskopf an weisser Sauce, und hätte der Goete nicht gewusst, wer der Dorngrütbauer sei, und der Dorngrütbauer ebenso wenig von dem Goete: was die sich für Augen gemacht hätten und wie jeder bei sich gedacht hätte, der weiss afe nüt