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Ätti einist abgehe, und sövli lang gehe es nicht mehr, sie sage es noch einmal, so hätte sie den Glauben zu ihnen, dass sie es bei ihnen nicht am bösten hätte. Aber was nicht sein könne, müsse man nicht zwangen wollen, und wenn man zuweilen ein gutes Tröpfli Kaffee habe, so lerne man sich in manches schicken, wo man anfangs geglaubt, es wolle einen in die Luft sprengen.

So tröstete die Mutter, aber dieser Trost schlug nicht ein. Trost und Gemüt verhalten sich gar seltsam zusammen, und gar selten weiss ein Mensch, ob er mit seinem Trost Öl oder wasser ins Feuer giesst. Die Einen trösten und haben selbst den Glauben nicht zu ihrem Troste, und Andere trösten, nach dem es sie düecht, und denken nicht, dass es den Andern ganz anders düecht.

So fasste auch der Bäurin Trost bei ihrer Tochter nicht. Resli zu trösten, erachtete sie nicht für notwendig; wahrscheinlich meinte sie, einer, der nur einen Finger zum Fenster hinauszustrecken brauche, damit Zehn ihm daran hingen, werde sich nicht hängen, wenn er die nicht kriege, die ihm angfähr ins Gesicht geschienen. Es war ihr, wenn er nur fort wäre. So aber war es Resli nicht. Er sass neben Anne Mareili und rückte mit Essen nicht fort, gäb wie die Mutter sagte: "sehe iss doch, nimm doch, es kaltet ja." Das Kacheli mit dem gleichen Kaffee stand noch immer vor ihm, und mit dem ersten Stück Eiertätsch war er auch noch nicht fertig. Und Anne Mareili machte auch keine Anstalt zum Gehen, als die Mutter die Nachricht brachte: "sehe mach und gang, si göh wieder, und was würde dr Ätti säge, wenn er dich nicht auf dem feld sähe! Der geht dort vorbei, wenn er heimkömmt." Aber Anne Mareili war nicht ab Platz zu bringen. Der Ätti hätte in der letzten Zeit so oft mit ihm wüst getan, sagte es, dass einmal mehr oder weniger ihm gleich sei. Und so darin hangen zwischen Leben und Sterben möge es nicht länger, aber wunder nähmte es ihn es, ob dann ein Ätti das Recht hätte, mit einem so umzugehen, dass es gerade so sei, als tötete er einen, das möchte es doch erfahren. "Du guets Tröpfli", sagte die Mutter, "probiers mit ihm, wennd darfst; du wirsts erfahren, was ein Ätti kann und was ein Meitschi kann." "Ja, Mutter, das will ich, von wegen ich glaube, es komme da aufs Couragi an, und wenn ein Meitschi fest in ihm selber ist und öppe es paar Wort und es paar Kläpf nit schücht, su wird öppe so e Ätti nit alles zwänge. Und tut er z'wüst, so laufe ich fort, und wohin, weiss ich wohl."

Da ward der Mutter himmelangst; sie hatte das Couragi längst verloren und begehrte die Suppe nicht mit auszuessen, welche Anne Mareili einbrockete, sie begehrte nicht Schläge, und fortlaufen konnte sie nicht, sie wusste kein Haus, wo sie Gottwilche gewesen wäre.

Sie bat ihn es, es möchte gehen; zu Resli sagte sie, es düeche sie, es sollte ihm lieb sein, nicht Ungelegenheit zu haben, und wenn sie ihm zu Gutem raten könne, so solle er gehen, so streng er möge. An ihrem Meitschi würde er doch eben nicht alles erobern, dSach sei den Buben, und von der Haushaltung verstehe es nichts, es hätte dSach geng alles a seie gla, es vrstang i Gottsname nüt, als so gradane dryzschla; so ein Bursch, wie er sei, könne es hundertmal besser machen, und wenn sie ihn wäre, so wollte sie doch nicht so Mühe haben, wo es nichts als Verdruss gebe. Aber auch zu ihm redete die Bäurin wie an eine Wand, und je strenger sie redete, desto weniger achteten sich die Zwei ihrer, sondern führten Privatgespräche. Da ward die Alte endlich böse und sagte: "Ih sägen ech zum letztemal, göht! U wenn dr nit ganget, su luegit de. Ob de dr Alt chunt oder dr Tüfel, es chunt ech i eis."

Da ging die tür auf und der Alte trat ein. "Herr Jesis, er chunt, er chunt!" rief die Bäurin und machte sich hinaus. "Das geht lustig", sagte der Bauer, doch eben nicht zornig, "grad wie es im Spruchwort heisst: wenn die Katze aus dem haus ist, so tanzen die Mäuse. Haben sie dich schon wieder gefunden hinter einem Hag?" "Nein", sagte Resli, "diesmal bin ich selbst gekommen. Mutter und Vater alten und sind schon lange an mir, dass ich weiben solle, aber es hat mich bisher nie düecht, dass ich möchte, bis jetz. Jetz habe ich wollen fragen, ob Ihr mir Eure Tochter geben wollt. Öppe bös haben soll sie nicht, und öppe bös machte sie es auch nicht. Wir haben eine styfe Sache, wo man dabei leben kann der Hof ist zahlt, Usgleues ist auch noch etwas, es sind unserer drei, und ich bin der Jüngst." "So, so, du machst nit viel Federleses, Bürschli, fahrst mit der Tür ins Haus, als wenn vom Himmel herab kämest, und wirst meine, ich solle jetzt