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durch sieben eiserne Türen durch. Aber z'probiere werde nicht z'töten gehen, fressen werde man ihn nicht, aber wenn sie ihm raten könne, so solle er etwas kramen, das gehe dort allweg wohl an und mach, dass man öppe manierlicher gegen ihn sei, wenn man schon nichts von ihm wissen wolle. Das wolle sie ihm sagen, erschrecken müsse er sich nicht alsobald lassen, sonst solle er lieber nicht gehen; darauf solle er zählen, dass er da mit Aufbegehren mehr ausrichte als mit Ordelitue, bsungerbar beim Alte. Wer mit dem ordeli tue, den sehe er nur so für einen Schnuderbub an, mit dem er machen könne, was er wolle.

Resli liess sich brichten, nahm ein VierpfünderZuckerstöckli und ein Pfund Kaffee in ein Säckli und marschierte gefasst, als wie einer, der seine Seele Gott befohlen, mutig und todesgewärtig ins Feuer der Schlacht geht, dem Dorngrüt zu.

Bald lag es vor ihm, halb alt, halb neu, halb grau, halb blank, und welches ihm besser gefiel, das wusste er nicht. So geht es noch Manchem mit Alt und mit Jung, dass man nicht weiss, was einem besser gefällt, und ganz besonders, wenn Alt und Jung unter einander ist wie Kraut und Rüben, wird einem das Urteil schwer. Indessen kömmts halt nicht aufs Dach, sondern auf die Leute an, obs einem unter einem dach gefällt und wohl ist oder ds Kunträri. Es gibt strube Dächer, es ist einem wohl darunter, wenn nämlich biederherzige Menschen darunter hervor einem die Hand längen, und es gibt nagelneue Schieferdächer, die verflucht haltbar sein sollen, strenge Winter ausgenommen, und es wird einem darunter, dass man dem Teufel Götti sagen möchte, wenn die Leute eben auch halb und halb sind, alle Laster haben, aber schöne nagelneue Worte dazu. Oh, was so schöne nagelneue Worte glänzen und flimmern können, viel ärger als die Sterne am Himmel, und seit man im Kanton Bern kein eigenes Geld mehr schlägt, keine schönen Dublonen mehr, keine ehrenfesten Neutaler, hat man sich aufs Prägen von glitzerenden Wörtern gelegt, die so ganz frisch, so hagelnagelneu glänzen, dass man darob ds Teufels werden möchte. Mit der Zeit böset es ihnen freilich auch, aber dann prägt man neue, und kommod ist es, dass man dazu kein eigenes Haus bedarf, jedes Wirtshaus und jedes Rataus passt dazu und den Stempel trägt jeder im eigenen Maul.

Aber eben darum wusste Resli nicht, wie es ihm werden werde unter dem dach, denn kein Mensch war sichtbar um dasselbe, kein Ringgi bellte, kein Hahn krähte, still war es rundum. Er doppelte an der Nebentüre, er doppelte an der Vordertüre, stille bliebs, nichts regte sich. So ein stilles Haus hat etwas Geheimnisvolles, Schauerliches, es wird einem, als müsse da innen was Wunderbares sein, und ob es sich kund gebe, ob zum Fenster hinaus, ob hinter der tür hervor, das weiss man nicht. Je mehr man hoschet, desto ängster wird einem, denn um so Wunderbareres erwartet man.

So ging es Resli. Er hoschete zum ersten Male, wartete, hoschete zum zweiten Male, wartete, wartete länger, endlich zum dritten, aber stark klopfte ihm das Herz, alle Sinne waren scharf gespannt. Stille bliebs im haus; aber wie er zusammenfuhr, als hinter ihm plötzlich eine stimme fragte: "Was hest welle?" Und als er sich umsah, war niemand hinter ihm, und schauerlich war es ihm, dass er da stand, nicht rückwärts, nicht vorwärts konnte, bis noch einmal die gleiche stimme fragte: "Wasd welle heigist?" Da er diesmal dem Orte, woher die stimme kam, das Gesicht zukehrte, so sah er unten im Garten zwischen grünen Bohnenblättern eine lange Nase und endlich der Bäuerin ganz Gesicht. Resli stellte sich vor, und langsam machte sich die Bäuerin los aus dem grünen Geflechte und langsam kam sie auf ihn zu, augenscheinlich ratschlagend in sich, wie sie sich zu gebärden hätte. Langsamkeit ist eine schöne Sache; wer sie recht zu ratsamen weiss, wird sich selten anders verfehlen, als dass er Andern höllisch lange Weile macht.

Resli machte sich so höflich, als er konnte, aber die Bäuerin hiess ihn nicht hineinkommen, sondern bloss abhocken auf dem Bänklein vor der Küche. Dort gab er ihr sein Säcklein, sie solle es leeren, er sei in der Nähe vorbeigekommen und hätte gedacht, er wolle ein Zeichen tun für die Müh und Kosten, welche sie seinetalben gehabt. Die Bäuerin sagte: "E, aber nei! Daran hätte ich doch nicht gesinnet, das hat sich nicht nötig, bhäbs." Aber Resli setzte nicht ab und brachte die Bäuerin bald dahin, dass sie sagte: "He nu so de, weds zwänge witt, aber es hatte sih notti nüt brucht." Sie ging hinein; bald darauf hörte man es lustig knistern In der Küche, und als die Bäurin wieder kam, hatte sie ganz freundliche Augen es war, als ob sie ihr der Zucker so süss gemacht hätte. Er müsse warten, sagte sie Resli, ohne etwas Warmes lasse sie ihn nicht fort. Aber so sich zu verköstigen, das heig afe ke Gattig! Resli pressierte nicht; die Bäuerin setzte sich neben ihn und rüstete Bohnen, und wie eine Bohne um die andere aus dem Schosse der Bäuerin ins