nicht Gottes Wille sein", sagte der Erste, "dass die Zwei zusammenkommen, des Herrn Ratschläge sind unerforschlich und seine Wege wunderbar. Adie wohl und zürn nüt." "Ds Kunträri", antwortete der Andere und machte satt das Läufterli zu.
Und warum es Übung ist, dass Väter gehen, kommt erstlich noch aus dem alten schönen Grundsatze, dass Eltern für das Wohl ihrer Kinder sorgen sollen in jeglicher Beziehung, und aus jener alten schönen Zeit, wo die Kinder nicht mit der Muttermilch sich emanzipiert glaubten und auf die Eltern stark herabsahen, sobald sie die Nase selber schneuzen konnten. Zwischen unbarmherzigem Zwang und frommer sorge ist ein unendlicher Unterschied, denn es ist ein Unterschied zwischen Eltern, die Geldsack mit Geldsack kuppeln, ein Pöstlein aufs andere Pöstlein pfropfen, einen Namen mit einem andern Namen paaren wollen, und solchen, die es verhüten möchten, dass ihre Söhne nicht heidnische Weiber nehmen aus dem land der Moabiter und Kananiter, sondern sie wählen aus den frommen Töchtern des Landes. Nebenbei tun, sobald die Sache ihnen recht ist, die Väter nicht ungern diesen gang, ja manchmal streiten die Mütter um den Vorzug, ihn tun zu dürfen. Das ist so ein Anlass, wo ohne Ruhmredigkeit Vater und Mutter Zeugnis ablegen dürfen von ihren Kindern, von ihrem ganzen Hauswesen, und wohl dem Vater, Heil der Mutter, die bei dieser gelegenheit aufrichtig sagen dürfen: "Noch kein Herzenleid hat mir mein Kind gemacht, mit uns und unsern Kindern war Gott für und für"! Dabei werden wohl, das heisst wo aus aufrichtigem Herzen die Worte kommen, die Augen tränen, werden zu heiligen Altären werden, auf denen freudige Dankopfer erglühen.
Mutter und Vater wären Resli gegangen, aber er hatte es anders gewollt und hielt sich jetzt nicht dafür, seinen Kleinmut zu bekennen und zu sagen: "Ätti, gang du, ih darf nit." Er nahm den zweiten Anlauf wirklich und ging. Aber das war ein Stolpern und Studieren, bis er im Dorngrüt war!
Wer hat nicht schon einen Studenten stolpern sehen mit seiner ersten Predigt im Kopf, in der tasche, in beiden Händen, allentalben, um und um, dass er selbst zu einer lebendigen Predigt ward über eines Studenten nebelhaftes Heldentum in der Einbildung und wie er aber nichts ist als ein kleiner Nebel in der Wirklichkeit, der stolpern muss über Steine und Steine, bis er selbst, wenn er ächtes Korn hat, erhärtet zum Felsen, an dem Nebel streichen, Wellen sich brechen, die Luft sich läutert. Aber noch ganz anders stolpert ein Schulmeister, Schullehrer will ich sagen (von wegen die Demut kommt; Meister sich zu nennen, schämen sich die Herren Lehrer mehr und mehr, besonders die unbärtigen), wenn er am Pressen der ersten Kinderlehre ist, wo es gerade ist, als wenn man mit dem kopf aus den Steinen eine lebendige Quelle schlagen wollte oder aus Tuner Trauben in harten Jahren was Nasses. Und doch weiss Keiner, was Stolpern ist, wenn er nicht einen Dito gehört hat stolpern an einer eidgenössischen Rede an einem eidgenössischen Schiesset, dass man mit Kanonen schiessen musste, damit er nicht Leib und Seele verstolpere. Da machen es die Fürsprecher besser; die reden zu, mags nun kommen wie es will, und wenn einer dem volk ein Kompliment mache und sagt: "O Volk! O edles Volk! Bald wirst du aufstehen, wirst aber nicht wissen warum", so meint er noch, was er gesagt. Es gibt halt unverschämte Leute!
Und doch stolperte Resli noch viel ärger an allem dem, was er reden sollte im Dorngrüt, und je näher er demselben kam, desto häufiger stolperte er. Wie richtig er auch alles gesetzt hatte, was er sagen wollte: das, wenn es dä Weg gang, jenes, wenn es dr anger gang: wenn er wieder von vornen anfangen, repetieren wollte, so hatte er den Anfang vergessen, und wenn er den neu erdichtet halte, so kam ihm das Übrige krausimausi durcheinander, dass er ärger daran zu erlesen hatte, als wenn er Flachssamen aus einem Heufuder herauslesen sollte. Meinte er es auseinander zu haben, wollte es überblicken, hutsch, war alles ärger als zuvor, und je näher er dem haus kam, desto krauser ward alles, aber desto mehr schwitzte er. Aber Resli war nicht der, welcher sich leicht von einer Sache begwältigen liess. Stille stand er und sagte zu sich: So geht das nicht, das muss anders vorgenommen sein, so wie ein Bub willst du doch dort nicht aufmarschieren. Was ich reden soll, wird mir schon kommen, wenn ich sehe, was Trumpf ist, und vielleicht ist das zu vernehmen, ehe ich dort bin. Sagt' es, bog ein, und nicht lange darauf sass er hinter einem Schoppen in dem wirtshaus, wo seine Eltern ihn abgeholt hatten, und vor ihm auf dem Vorstuhl die Wirtin.
Die Wirtin wusste ihm nicht viel Tröstliches zu sagen. Das Mädchen rühmte sie, es sei sich dr wert, anzusetzen für dasselbe, seiner person wegen, aber öppe wegem Reichtum könne man es leicht anderswo besser machen, denn öppe viel würden die Meitleni nicht erhalten, wenn man es nicht mit Prozedieren zwänge. Aber streng rede man davon, dass es nächsten Sonntag verkündet werden werde mit Kellerjoggi, und Wehre werde dem Meitschi wenig helfen, was der Alte wolle, das zwäng er düre und wärs