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Aber warten mag ich nicht, bis ich das Meitschi sehe; das nimmt mich wunder, was das für eins ist, welches es dir hat antun können als wie ghexet. Ich bin doch auch nicht das Leidist, aber ich mag tun wie ich will, so zweg bracht, wie dich dein Meitschi, habe ich Keinen. Die, welchen ich den Tätsch gebe, hängen sich nicht, und die, welche fragen, was der Vater mir wohl Ehesteuer gebe, und ich sage, ich traue eine trägene Aue und halbrystige Hemli bis gnue, die gehen und sehen sich nicht mehr um, gäb wie ich ein Büschelimüli mache und Auge wie Fürsprützerädli. Und wegen Keinem habe ich mich gehängt, gäb wie Mancher auch schon gegangen ist, und Keinem wäre ich eine Stunde weit nachgelaufen, die Schuhe hätten mich gereut. Da nimmt es mich doch wunder, wie das sei mit der Liebe, ob sich die Leute das nur so einbilden oder ob der liebe Gott apartige Herzen gemacht hätte, so brönnigi, wo selber gleich im Feuer sind und andere anstecken könnten, wie Kuderbützeni auch gleich angehen, wenn man mit Schwefelhölzern hineinfährt. So eine brönnige Liebe ist schön, ich muss es sagen, sie gefiele mir auch, aber eben wissen möchte ich, was man machen müsse, damit sie angehe, oder ob man dafür besonders beschaffen sein müsse."

"Du bist ein leichtsinnig Annelisi", sagte die Mutter, "meinsts nit bös, aber über solche Dinge spottet man nicht; auf jeden losen Spott kommt böser Lohn, und wie es dir mit der Liebe noch geht, weisst du nicht, das ist eine Sache, die nicht zu ergründen ist und vor der niemand sicher ist. An Liebestränke glaube ich nicht, obgleich einer in Soloturn sein soll, der verflümeret starchi und gueti Liebestränke gemacht, aber auch verflümeret teuer, doch heigs ihm afe böset damit, heissts. Aber gwüssni Stunde sinds, wo sie einen ankommt, als ob man einem einen Stein anwürfe, ich könnte auch etwas davon erzählen, und so eine Stunde wirds auch gewesen sein, als Resli mit seinem Meitschi zusammentraf."

"Mutter, was könntest du erzählen, Mutter, was?" fragte Annelisi, und die Andern machten ebenfalls fragende Gesichter. "He, King", sagte Änneli, "nur dass ihrs wisst, es weiss niemere, wie lang ich noch lebe, und dass ihr ein Beispiel daran nehmen könnt, so will ichs sagen. Wo der Vater um mich buhlet hat, habe ich anfangs auch nur mit ihm das Gespött getrieben; ich bin ein lustig Meitschi gewesen, gerade wie Annelisi, und es het mih düecht, ich wollte all lieber als den, und den nehmte ich nicht um keinen Preis. Da habe ich einmal, an einem Langnaumärit war es, etwas gesehen, und da war es, als ob man mir einen Stein ans Herz würfe, und von stunde an ist es mir anders gewesen und es het mih düecht, den oder keinen, und gäb wie ich mich geschämt habe und es habe verbergen, verwerchen wollen, es war alles nichts, und gäb es lang gegangen ist, haben wir verkünden lassen." "Mutter, was hast du gesehen?" fragten alle. "He, ich wills fry sagen", antwortete sie, "sellig Sachen sollen nicht verborgen bleiben, wer weiss, zu was es dient, und wenn ich noch etwas sagen will, so darf ich nicht warten. Es ist Märit gewesen in Langnau und tanzet habe ich mit so einem ungschlachten Truber Bauernsohn und getan haben wir, welches ungereimter und wilder. Da war es mir auf einmal, als rufe mich jemand, ich sah mich um, aber es kündete sich niemand; ich tanze zu, höre wieder rufen, und mit dem ist es mir, als gehe jemand draussen am Fenster vorbei und winke mir dringelich dreimal. Ich wusste nicht, wers war, aber die Augen sahen mich so bekannt an, als wären es meine eigenen Augen. Ich vergass Truber und Tanz, alles um mich, und mache mich hinaus. Draussen sehe ich niemand mehr kein Mensch, der dem glich, den ich gesehen, aber hinten in des Hauses Ecke sehe ich unsern Ätti, der kehrt mir den rücken, aber ich sehe, wie er das Nastuch in der Hand hat. Anfangs glaubte ich, er blute nur, aber er wischte sich die Augen, und fry gschüttet hets ne. Da war es mir, als würfe man mir einen Stein ans Herz, und von stunde an mochte ich keinen Andern mehr ansehen, und wie gesagt, gäb wie ich mich wehrte, mein Herz sagte, der und kein Anderer, und was ich ausgestanden, bis er mir wieder nachgelaufen und die Sache richtig gewesen ist, das weiss niemand; Tag und Nacht habe ich ihn gesehen, wie er die Augen wischte, und bis wir geheiratet waren, gabs wohl keine Nacht, dass ich nicht darob erwachte. Darum, Annelisi, spotte nicht, du weisst nicht, wie es dir geht. Und denke, wie grüslig, wenn man einen ausgespottet hat, und wie er weitergeht, fährt uns der Stein ans Herz, aber jener kehrt nicht um, geht jetzt einer Andern nach."

"Und ich weiss nicht", sagte Annelisi, "ob ich, und wenn man mir mit zentnerigen Steinen das Herz zerbenggelt