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, was er hat, und je klarer diese Wahrheit ist und alle Tage zutage tritt tausendfach, um so weniger fasst sie da Mensch. Ist einem Menschen Geld sein Götze, so opfert er ihm Leben, Ehre, Kinder. Hat einer die Ehr- oder Familiensucht, so opfert er derselben Leben, Geld, Kinder usw., und klagen die letzteren, so schreit er Mordio über kindlichen Undank, wie er sie habe glücklich machen wollen, und sie tätens nicht begreifen, wie stockklar es auch sei. Das ist halt Götzendienst, und der will Opfer.

Nun freilich verbergen sich diese Eltern zumeist hinter dem Vorwande, dass Kinder nicht wüssten, was ihnen gut sei, und dass Eltern für sie den Verstand haben müssen. Richtig ist es, dass Kinder es oft haben eben wie Kinder, denen jeder Doggel den sie hinter den Fenstern eines Ladens sehen mit schönen Backen und langen Züpfen, zu Herzen geht, dass sie meinen ihn haben zu müssen. Da mag Wehren gut sein, aber einen andern ebenso argen Doggel dagegen ihnen aufzwingen, das ist unrecht, denn Götz ist eben Götz. Aber auch oft meinen es die Kinder recht, die Eltern unrecht, ihr starrer Wille ist Sünde und Unbarmherzigkeit. Der Unbarmherzigkeit der Eltern, der Torheit der Kinder ist aber durch kein Gesetz zu wehren, und wäre dasselbe aus der allerneuesten Fabrike, da mittelt alleine der christliche Sinn, der zu werten weiss ein jedes nach seinem Werte.

Man mag sich aber denken, wie schwer das Gehen wird, wenn so schwer das Herz einem ist, wenn jede rinnende Sekunde näher dem Abgrund uns bringt, für das wölbende Wörtlein keine Hoffnung ist.

Anders aber ging Resli heim, voll Mut und Freude, war doch das Mädchen sein und nicht nur dem Worte nach, sondern Inneres und Äusseres war, wie wenn Gott es apart für ihr Haus erschaffen, er ihm eine zweite Mutter hätte schenken wollen. Mit dem Laufen wuchs ihm der Mut, und als er heimkam, hatte er keinen Zweifel mehr, dass nicht alles gut gehen werde. Es werde doch wohl noch Gerechtigkeit im Himmel und auf Erden sein, sagte er.

Es war ziemlich spät, als er heimkam, aber noch schimmerte Licht durchs Fenster; auf der Bsetzi traf er den Vater an mit seinem Pfeifchen, in der stube las die Mutter in der Bibel, hinter dem Tische nähte Annelisi an einem Göller, und auf dem Ofen erhob sich schlaftrunken der Bruder. Gäb wie er sagte, er möge nichts, sie sollten nicht Mühe haben, er sei nicht hungerig, war im Hui der Tisch gedeckt, stand Essen und Trinken vor ihm, und während er ass und trank, wurden gleichgültige Reden gewechselt: wie warm es heute gewesen, ob man am Roggenschneiden sei, ob Obst sei an den Bäumen und wie da unten die Kirschen gerieten. Erst als Annelisi abgeräumt, das Tischtuch weggenommen hatte, doch nicht eher, als bis Vater und Bruder noch anerboten worden war, was übrig geblieben, fragte die Mutter: "Und jetzt, wie ist es gegangen? Bricht, ist es cho, und was hets gseit?" Nun gab Resli Bericht, wie er gewartet und wie sie einander gevettert und was das Mädchen geredet und wie es ihm immer lieber geworden sei und wie er ein grusam Bedauern mit ihm gehabt und was sie abgeredet und wie den ganzen Tag kein Mensch sich gezeigt, der sie verraten könnte.

"So hats doch keinen Verdruss einstweilen", sagte die Mutter; "es hat mir immer Kummer gemacht, sie liessen es nicht gehen oder schicken ihm jemand nach." "Ja aber denke, Mutter", sagte Resli, "wie es ihm sein muss, wenn es gegen ihr Haus kommt und es da erst recht verbergen muss, wessen sein Herz voll ist, ärger als ein Schelm gestohlene Habe. Und ist es doch nichts Böses, das es im Herzen trägt, nichts, dessen es sich zu schämen braucht, sondern etwas, das Vater und Mutter zuerst wissen sollten und das es ihnen nicht sagen darf, weil sie meinen, ihres Messtischs Herz sei ihr Holzschopf, wo nichts drein und draus darf ohne ihr Vorwissen, und kommt die Liebe an, man weiss nicht wie und kann selbst nicht wehren, wenn man schon wollte. Ich habe nicht genug denken können, wie anders ich es habe, wenn ich heimkomme. Da werde man mir warten, habe ich gedacht, akkurat wie ich es getroffen, der Vater auf der Bsezi, die Mutter hinter der Bibel, und ich habe gar nicht warten mögen, bis ich heim war, um alles sagen zu können, was ich gehört und gesehen. Es het mih mengist düecht, mi ziehy mih fry am ene Welleseil. Oh, ihr glaubt nicht, was das für ein lustig Heimkommen ist und wie ruhig man dann ins Bett geht, wenn man alles hat brichten können, fry ds ganz Herz ablade." "Ja, Kinder, so ist es lustig", sagte der Vater, "und jetzt hei mrs und jetzt bheit mrs, sinnet dra, wies angers ist. Wir wollen es haben wie Leute, denen das Haus hat angehen wollen aus Unachtsamkeit, die es noch haben löschen können, die können auch nicht sorge genug tragen zum Feuer ihr Lebtag lang."

"Ja", sagte Annelisi, "so ist es, da ist es lustigers Drbysy.