Mareili, "aber denke doch nur, wie es einem sein muss, so in aller Himmelangst, das Elend vor sich, und ein Tag nach dem andern kommt näher, und hinten eine Wand und neben Wände, oben der Himmel vermacht und nirgends eine Hand, die aufbricht, dass man fliehen, dem Elend entrinnen kann. Denke, wenn man selig sterben möchte, und bei lebendigem leib schon wird man dem Satan zugeworfen; denke, wie wäre dir, und wüsstest du immer, was du redtest?"
"wenn es dir so ist", sagte Resli, "und es wird, so kummere nicht, dir muss geholfen werden; wir sind doch ja nicht mehr Heiden, und es würde mich doch wunder nehmen, ob es unter Christen ärger zugehen sollte als zur Zeit, wo man dem Moloch opferte." Lieb sei es ihm vom ersten Augenblick an gewesen, wo er es gesehen, aber seit er seine Eltern und ihr Haus gesehen, hätte er allerdings Kummer gehabt. Es hätte ihn düecht, seine Leute seien wohl rauh und frügen nur nach dem Zeitlichen, und das bringe den Frieden nicht und mache das Glück nicht aus; sie hätten es erfahren. Und nun sei es ihm schwer gewesen, es sei auch so und hätte seiner Leute Art. Wenn man sich aber in diesen Dingen nicht verstünde, so hätte es gefehlt, und wenn man sich dem lieben Gott nicht unterziehen könne, wie wollte sich dann ein Mensch dem andern unterziehen? Und er wolle es geradeheraus sagen, er hätte sich gescheut, seinen Leuten einen Menschen ins Haus zu bringen, der das Beten nicht verstünde und kein Begehren hätte, ein Christ zu sein und nach dem Friede z'trachte. Er wüsste, ein Söhnisweib hätte es öppe nicht bös bei ihnen, aber dass seine Leute es um des Söhnisweibs willen bös hätten, das hätte er neue auch nit mögen. Aber jetzt sei er guten Muts, und es solle auch so sein, dSach werde doch öppe wohl zu machen sein.
"Ach", sagte Anne Mareili, "wenn ich einmal in einem solchen haus leben könnte, wo ich nicht alle Nächte Furcht haben muss und öppe dr Tag düre Friede, es düechti mih, ich wäre im Himmel, wenn man dann auch schon nicht so reich wäre dazu. Aber setz ab, das gibt es nun einmal nicht. Der Vater wills, und wenn der einmal etwas gewollt, so hat er noch nie abgesetzt. Wehren kann ich mich noch ein Stück und wüsttun, aber was hilfts, am Ende muss es doch sein."
"Hör", sagte Resli, "willst du mir versprechen und treu sein, so nähmte es mich doch wunder, ob nichts zu machen wäre; aber auf dich kommt alles an, wenn du nicht standhaft bist, so ist dSach verspielt. Willst du, so gib mir die Hand und sage: Ja in Gottes Name!"
Anne Mareili ward rot und blass, Tränen stürzten ihm über die Wangen, es hob langsam die Hand, legte sie in Reslis, dann sagte es langsam: "Ja in Gottes Name!" und in heftigem Weinen lehnte es sich an Reslis Schulter.
Stille drückte Resli die Hand, welche in seiner lag, und stille war es lange; es war, als beteten Beide leise, als flöge in leisem Flügelschlage ein Engel zu den Verlobten, zu empfangen und emporzutragen, was in ihren Herzen lebte und bebte. Resli zog seine Uhr hervor und sagte: "Nimm sie als Ehepfand. Ich weiss, für uns ist es nicht nötig, aber es freut mich, wenn ich denken kann, du habest etwas von mir und wenn du sie schlagen hörst, denkst du an mich, und glaube nur, so oft es schlägt in der Uhr, so oft schlägt es mir im Herzen für dich."
Anne Mareili betrachtete die stattliche, schwere silberne Uhr mit den erhöhten Zahlen und der schweren silbernen Kette und sagte: "Ich behielte sie gerne, sie freute mich, aber ich darf doch nicht; ich darf sie nicht aufziehen, ich könnte sie auch nirgends bergen, dass ich nicht fürchten müsste, man könnte mir darüber kommen, Vater oder Mutter könnten sie finden. Nimm sie wieder, und wenn ich dich recht verstanden habe, so braucht es zwischen uns eigentlich kein Ehepfand. Aber etwas hätte ich gerne von dir, nicht wegen der sache, sondern weil es von dir ist und damit ich es, wenn ich alleine bin, hervorziehen kann und Gschauen und denken: das ist von ihm, was macht er wohl, was denkt er ächt?"
"Was soll ich dir wohl geben?" sagte Resli; "hätte ich daran gesinnet, so hätte ich einen Ring gebracht oder ein Ketteli, aber jetzt habe ich hell nichts bei mir."
"Ring oder Kette", sagte Anne Mareili, "dürfte ich ja auch nicht nehmen, es wäre das Gleiche wie mit der Uhr; aber gib mir ein Geldstück, was für eins, dass du willst, und ich will dir auch eins geben; das achtet niemand, und wenn wir die ansehen, so können wir dabei an einander sinnen, so gut, als wenn es eine Uhr oder weiss kein Mensch was wäre."
Sie zogen ihr Geld hervor, erlasen dasselbe, und Resli las einen treuen, ehrenfesten alten Bernzwanziger mit einem wackeren Schweizermann